SULGEN: Er will Kohle für die Kohle

Technisch ist die 101 Jahre alte Gotthard-Dampflokomotive des Vereins Eurovapor Lokremise Sulgen wieder bereit für die Schiene. Damit die Lok fahren kann, braucht es Geld, welches durch eine Finanzierung übers Internet zusammenkommen soll.

Hannelore Bruderer
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Riccardo Keller steht in der Lokremise Sulgen vor der Dampflokomotive C 5/6 2969. (Bild: Hannelore Bruderer)

Riccardo Keller steht in der Lokremise Sulgen vor der Dampflokomotive C 5/6 2969. (Bild: Hannelore Bruderer)

Hannelore Bruderer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Riccardo Kellers Liebe gilt einem Elefanten – einem aus Eisen, der auf den Namen C 5/6 2969 hört. Keller möchte die Gotthard-Dampflokomotive C 5/6 2969, Spitzname «Elefant», mit seinen Mitstreitern des Vereins Eurovapor Lokremise Sulgen wieder zum Laufen bringen. Dafür brauchen sie Geld.

Im Laufe seines Maschinenbaustudiums stiess Keller auf das Finanzierungsmodell «Crowd­funding» (siehe Kasten), und die Idee liess ihn nicht mehr los. Er stellte das Modell an einer Vorstandssitzung im Verein vor und erklärte, die Zeit, die er dafür aufwenden würde, sei der einzige Verlust, wenn die Summe nicht zusammenkomme.

Der zeitliche Aufwand für das Erstellen der Informationen auf der Crowdfunding-Plattform und deren Betreuung sei dann doch intensiver gewesen, als er erst vermutet hatte, gibt Riccardo Keller zu. «Einige wollen erst Geld spenden, nachdem sie sich detailliert über das Projekt erkundigt haben, was verständlich ist. Da muss man sich Zeit nehmen und die Anfragen beantworten. Andere erkundigten sich, ob es nebst dem Einzahlen per Kreditkarte noch andere Möglichkeiten gibt, eine Spende abzugeben.»

Schon über 90 Prozent sind zusammen

Dem Ziel, in 100 Tagen 15 000 Franken zu sammeln, ist der Verein schon sehr nahe. Zwei Wochen vor Ablauf der Frist sind bereits 91,9 Prozent der Summe zugesichert. Riccardo Keller ist zuversichtlich, dass der Restbetrag auch noch zusammenkommt. Überhaupt sei er überrascht gewesen, von woher das Projekt überall unterstützt wird. «Beim Crowdfunding, sagt man, steuern Verwandte, Bekannte und Freunde rund einen Drittel bei. Schaue ich auf unsere Liste, sind da fast nur Namen, die ich nicht kenne. Dass sich so viele für den Erhalt und die Wiederinbetriebnahme unserer Dampflok einsetzen, freut uns enorm.»

Die C 5/6 2969 ist rein technisch so gut wie fertig. Die 15 000 Franken, die mittels Crowdfunding zusammenkommen sollen, sind für die Testphase bestimmt. Dazu gehört auch die Kohle und die Streckenmiete für Testfahrten. «Wir sind zuversichtlich, dass wir schon bald mit den Testfahrten beginnen können – wobei in einem ersten Schritt wohl weniger von einer Fahrt als von einigem Hin- und Herrollen beim Bahnhof Sulgen die Rede ist. So überprüfen wir nochmals alle Details, bevor wir dann eine Testfahrt bis ins Nachbardorf machen können.»

Ein Vierteljahrhundert Arbeit am «Elefanten»

Mehr als ein Vierteljahrhundert arbeiten die Vereinsmitglieder bereits an der Wiederinstandstellung ihres «Elefanten». Nicht immer ging es so zügig an, wie es sich die Beteiligten gewünscht haben. «Die ganze Beschaffungskette ist manchmal sehr träge», sagt Riccardo Keller. Und damit meint er nicht nur die Finanzierung. «Es war nicht immer einfach, Betriebe zu finden, die überhaupt noch in der Lage und bereit sind, zu ersetzende Spezialteile anhand der Originalzeichnungen anzufertigen.» Dazu kommt, dass alle Mitglieder des Vereins am Projekt in ihrer Freizeit arbeiten und deshalb nur sporadisch verfügbar sind.

Das Interesse, die historische Dampflok wieder auf der Schiene zu sehen, ist gross. Dies zeigen die vielen Anfragen für Fahrten, die dem Verein bereits vorliegen. Keller hofft, mit den Nostalgiefahrten, die künftig stattfinden werden, komme auch wieder etwas zurück in die Vereinskasse.

Link für das Crowdfounding

www.100-days.net/de/projekt/gotthard-dampflok

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