SULGEN: Ein wuchtiges Ja

Die Stimmbürger der Primarschulgemeinde folgen der Empfehlung ihrer Behörde nicht. Mit grossem Mehr votieren sie dafür, in der Region eine Volksschulgemeinde zu gründen.

Hannelore Bruderer
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Schulpräsident Ernst Ritzi lässt im Auholzsaal über den Antrag zur Bildung einer Volksschulgemeinde abstimmen. (Bild: Hannelore Bruderer)

Schulpräsident Ernst Ritzi lässt im Auholzsaal über den Antrag zur Bildung einer Volksschulgemeinde abstimmen. (Bild: Hannelore Bruderer)

Das Resultat der Abstimmung war eindeutig: 122 Stimmbürger der Primarschulgemeinde Sulgen sagten am Dienstagabend Ja zum Zusammenschluss zur Volksschulgemeinde (VSG) mit der Sekundarschule und den Primarschulen Götighofen und Schönenberg-Kradolf. Von den 139  anwesenden Stimmberechtigten stimmten nur 14 Nein, und drei enthielten sich der Stimme.

Der Abstimmung vorausgegangen waren eine kurze Stellungnahme der Schulbehörde und Voten aus dem Publikum. Schulpräsident Ernst Ritzi legte dar, dass aus Sicht der Schulbehörde zum jetzigen Zeitpunkt kein Handlungsbedarf bestehe, die Primarschule Sulgen gut funktioniere und das Projekt VSG zu viele Widersprüche und Zielkonflikte enthalte. Ein Widerspruch sei, dass in einer Volksschulgemeinde einerseits ein einheitliches Schulkonzept vom Kindergarten bis zur Oberstufe angestrebt werde, anderseits aber weiterhin eine pädagogische Vielfalt existieren solle.

Die Zahl der Schüler ist entscheidend
«Das oft gehörte Argument, dass ein kleiner Standort in einer Volksschulgemeinde bessere Chancen auf einen Fortbestand hat als in einer kleineren Einheit, ist ebenfalls nicht stichhaltig», führte Ritzi aus. «Für den Standorterhalt sind einzig die Schülerzahlen massgebend.»

Dieser Aussage stimmte der frühere Schulpräsident Peter Bruggmann zu. «Ich begreife aber nicht, dass die Behörde so grossen Respekt vor der Gründung einer Volksschulgemeinde hat. Eigentlich ist die Primarschule Sulgen, die unter ihrem Dach verschiedene Standorte mit unterschiedlichen pädagogischen Konzepten vereint, schon heute so etwas wie eine Volksschulgemeinde im Kleinen.»

Werner Herrmann erinnerte daran, dass Ortsteile wie Hessenreuti oder Donzhausen nach dem Zusammenschluss zur Politischen Gemeinde Sulgen auch nichts von ihrer Individualität eingebüsst hätten, ebenso wenig glaube er daran, dass die verschiedenen Schulstandorte ihrer spezifischen Schulkultur verlustig gehen würden.

Diesem Votum schloss sich auch Walter Berger an. «Dass für keine der Schulen eine Notwendigkeit zum Zusammenschluss besteht, ist klar. Ich vermisse aber einen kritischen Blick in die Zukunft», wandte er sich an die Schulbehörde. Es gab aber auch einzelne Wortmeldungen, welche die ablehnende Haltung der Schulbehörde unterstützten. «Weil es in der Botschaft an Details zur Ausgestaltung einer Volksschulgemeinde mangelt, empfehle ich, Nein zu stimmen und das Projekt noch weiter auszuarbeiten», sagte Ruth Etter.

Kritische Fragen zu Pensum und Investitionen
Dieser Meinung widersprach Barbara Roost. Das frühere Mitglied der Schulbehörde wies darauf hin, dass es bei einem Nein nicht so schnell wieder zu einer Abstimmung über einen Zusammenschluss kommen werde. «Einen Zusammenschluss vorzubereiten, ist eine grosse Arbeit. Ich fürchte, wenn wir jetzt ablehnen, werden wir in 20 Jahren noch keine Volksschulgemeinde haben.» Reto Kohler und Erwin Dreier hinterfragten die 80 Stellenprozente, die für das Schulpräsidium vorgesehen sind, und das prognostizierte Investitionsvolumen von über 8 Millionen Franken in den nächsten fünf Jahren.

Ernst Ritzi wies darauf hin, dass die Arbeitsgruppe diese Annahmen aufgrund der vorhandenen Fakten getroffen habe. «Bei einer Zustimmung zur Volksschule liegt es an den Stimmbürgern, durch ihre Teilnahme an den Versammlungen die  künftige Schule mitzugestalten», sagte Ritzi.