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SULGEN: Diese Bücher retten Leben

Für einen Secondhand-Buchladen hat Elisabeth Brügger Teile ihres Wohnhauses umgestaltet. Den gesamten Verkaufserlös lässt sie einem Hilfswerk in der Demokratischen Republik Kongo zukommen.
Tobias Bolli
Elisabeth Brügger in ihrem liebevoll gestalteten Secondhand-Buchladen im Sulger Oberdorf. (Bild: Tobias Bolli)

Elisabeth Brügger in ihrem liebevoll gestalteten Secondhand-Buchladen im Sulger Oberdorf. (Bild: Tobias Bolli)

Tobias Bolli

tobias.bolli

@thurgauerzeitung.ch

«Leser leben lieber.» Dieses Zitat, in orangen Buchstaben auf eine Tafel geschrieben, soll Passanten in den Secondhand-Buchladen an der Kirchstrasse 26 in Sulgen locken. «Ich habe diesen Spruch nicht etwa von einem berühmten Schriftsteller», verrät Elisabeth Brügger, Gründerin und Leiterin des Buchladens. «Ein älterer Herr hat eines Tages bei mir angeklopft und das alte Zitat bemängelt.» Er wisse da ein viel besseres. «Ich habe das dann gerne übernommen.»

Zumindest auf Brügger passt das Zitat: Ein Mangel an Lebensfreude kann man ihr wahrlich nicht nachsagen. Mit einem Strahlen führt sie durch den Laden, den sie im Parterre ihres eigenen Wohnhauses eingerichtet hat. Zwei liebevoll umgestaltete Räume erzeugen die Atmosphäre einer kleinen Bibliothek. «Für die Gestelle des grösseren Raums habe ich einen Schreiner verpflichtet, für den kleineren verliess ich mich auf meinen Mann», erzählt Brügger.

Bambi-Geschichten und Trudi Gerster

Betritt man das Haus, gelangt man sogleich zu den Büchern. Zur Linken stehen sie dicht an­einandergedrängt: Liebesromane, Krimis, Ratgeber – alles findet sich hier. Zur groben Orientierung dienen Autorennamen und thematische Schwerpunkte. Einen davon bildet die christliche Literatur. Zahlreiche Kinderbibeln und theologische Sachbücher präsentieren sich den Besucherinnen und Besuchern.

Neben Büchern bietet Brügger auch andere Medien an. In einem zweiten Raum, wo ein Waschbecken an die Zeiten vor dem Buchladen erinnert, liegt ein Kasten voller DVDs, daneben einige Schallplatten. Wer noch über ein entsprechendes Abspielgerät verfügt, kann sich bei Elisabeth Brügger sogar mit Kassetten eindecken. Mehrere Dutzend Exemplare, vor allem Bambi-Geschichten und Märchen von Trudi Gerster, hat sie im Angebot.

«Die Anregung zur Gründung des Buchladens kam von aussen», sagt Brügger. «Mein Mann und ich haben in der Kirche lange Zeit beim Büchertisch mitgeholfen.» Der im Mai 2006 eröffnete Laden sei eine etwas grösser dimensionierte Fortsetzung davon. Sie freut sich, damit ein Zeichen gegen den Wegwerftrend setzen zu können. Dieser habe sich in den letzten Jahren mehr und mehr durchgesetzt.

«Ausserdem liebe ich Bücher und möchte andere Leute mit dieser Liebe anstecken.» Ein besonderes Anliegen sei ihr das Vorlesen: «Meinen Söhnen habe ich jeden Tag eine Geschichte erzählt, zum Beispiel «Die schwarzen Brüder». Es sei wunderbar, wenn sich eine Familie so einen gemeinsamen Geschichtenschatz aneignen kann.

Obschon heutzutage immer mehr Inhalte im Internet gelesen werden, kann sich Elisabeth Brügger über recht viele Kunden freuen. «Etwa zehn Personen kommen pro Woche, die meisten mittleren Alters.» Junge Leute treffe sie dagegen selten an. «Ich habe auch Stammkunden», stellt die Sulgerin erfreut fest. Darunter seien einige, die bis zu 100 Franken pro Jahr ausgeben. «Dafür kann man bei mir ganze Taschen voller Bücher abtransportieren», erklärt Brügger mit einem Lachen. Sie verlangt für alle Medien lediglich einen bescheidenen einstelligen Betrag. Brügger selbst verdient nichts mit ihrem Bücherladen. Sämtliche Erlöse sind für ein Hilfswerk in der Demokratischen Republik Kongo bestimmt. «Die Not ist so gross in diesem Land. Mein Sohn hat im Zusammenhang mit seinem Pädagogikstudium ein Praktikum in der Demokratischen Republik Kongo gemacht. Nachdem er uns von den dortigen Zuständen berichtet hatte, entschieden wir uns zu helfen.» Für Schweizer Verhältnisse verdiene sie mit dem Buchladen zwar nur wenig. «Aber auch mit wenig kann man viel bewirken», ist Elisabeth Brügger überzeugt.

Das Zitat auf der Tafel vor dem Secondhand-Buchladen ist im Übrigen nicht in Stein gemeisselt. Für alternative Vorschläge oder eine Verbesserung des alten Zitats ist Brügger jederzeit offen. «Die Tafel ist schnell geputzt», versichert sie lachend.

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