SULGEN: Das Gautschen gehört dazu

Drei Lehrlinge haben in der Sulger Firma Medienwerkstatt AG ihre Ausbildung abgeschlossen. Zum Abschluss gab es für das Trio ein Bad im Dorfbrunnen.

Hannelore Bruderer
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Gautschen beim Seniorenzentrum: Cyrill Hutterli wird mit Wasser übergossen, während Natalie Glauser bereits im Brunnen sitzt. (Bild: Hannelore Bruderer)

Gautschen beim Seniorenzentrum: Cyrill Hutterli wird mit Wasser übergossen, während Natalie Glauser bereits im Brunnen sitzt. (Bild: Hannelore Bruderer)

SULGEN. Die beiden Drucktechnologen Cyrill Hutterli und Liridon Ziberi sowie die Polygraphin Natalie Glauser wussten, dass sie dem Bad im kühlen Dorfbrunnen nicht würden entrinnen können – nur wann das Ereignis stattfinden würde, das war die grosse Frage. Denn der Zeitpunkt des Gautschens ist ein gut gehütetes Geheimnis im Lehrbetrieb. Arbeitskollegen und Lehrmeister schweigen eisern, und auch die Familien der frischgebackenen Berufsleute werden unter dem Siegel der Verschwiegenheit in aller Heimlichkeit informiert.

Widerstand zwecklos

Am letzten Freitag, kurz nach elf Uhr, hatte das Warten für die drei Ausgelernten ein Ende. Sie wurden von ihren Kollegen unsanft an ihren Arbeitsplätzen gepackt und in Fesseln gelegt. Während sich die beiden jungen Männer relativ schnell ihrem Schicksal ergaben, leistete Natalie Glauser heftigen Widerstand. Es brauchte acht kräftige Männerarme, um die wehrhafte junge Berufsfrau zu bändigen und sie zusammen mit den beiden anderen auf einen Karren zu verfrachten. Zur Gaudi der ganzen Belegschaft, die den Tross vom Firmensitz an der Steinackerstrasse zum Brunnen beim Seniorenzentrum begleitete, wurden die Lehrabgänger bereits unterwegs von einigen Mitarbeitern mehrmals mit Wasser begossen und mit Puder bestreut.

Rache folgt sogleich

Nach den magischen Worten im Rahmen der traditionellen Zeremonie wurden Natalie Glauser, Cyrill Hutterli und Liridon Ziberi zuerst auf einen nassen Schwamm gesetzt und dann in den Dorfbrunnen getaucht.

Alle, besonders die Lehrmeister und jene, die es mit dem Schabernack vor der Gautschzeremonie besonders wild getrieben hatten, taten gut daran, in Deckung zu gehen. Denn nachdem sich die Gäutschlinge von den Fesseln befreit hatten, durften sie sich an ihren «Peinigern», bewaffnet mit Schwamm und Wasser, genüsslich rächen.