SULGEN: Auf der Zielgeraden

Der Verein Eurovapor restauriert seit zwei Jahrzehnten die historische Dampflokomotive C 5/6. Der Dampfkessel hat die Prüfung bestanden, nun fehlt noch die Fahrbewilligung für das Streckennetz.

Fritz Heinze
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Prüfungsexperte Felix Heer wirft einen kritischen Blick unter den Heizkessel der Lokomotive C 5/6. (Bild: Fritz Heinze)

Prüfungsexperte Felix Heer wirft einen kritischen Blick unter den Heizkessel der Lokomotive C 5/6. (Bild: Fritz Heinze)

SULGEN. Als der Verein Eurovapor 1996 zwei Modelle der C 5/6 nach Sulgen brachte, hätte wohl niemand gedacht, dass 20 Jahre später noch keines der beiden Fahrzeuge in Betrieb sein würde. Der Rückblick auf die Jahre der Restaurierung der Nr. 2969 zeigt einen steinigen Weg auf, verbunden mit vielen Rückschlägen, Feuer in der Werkstatt Interlaken sowie Hochwasser und zahlreichen weiteren unvorhergesehenen Problemen. So kann dem Verein und seinen Mitgliedern ein immenser Durchhaltewillen, verbunden mit zielgerichtetem Arbeiten, bescheinigt werden.

Vor 100 Jahren, am 21. Oktober 1916, wurde die Lok mit der Nummer 2969 in Dienst gestellt. Ein Datum, das dem Vorstand des Vereins Eurovapor, allen voran dem Technischen Leiter Johann Gröbli aus Arbon, für die erste Fahrt vorschwebte.

So weit kam es am letzten Freitag nicht, doch die Prüfung des Kesseldrucks und weiterer Systeme hat gezeigt, dass die Arbeiten an der Dampflok dem Ende entgegengehen. Es dampfte, zischte und pfiff, und im Kessel glühte die Kohle, die Präsident Gerd Hilligardt hineinschaufelte. Für Felix Heer, den Leiter des Kesselinspektorats beim Schweizerischen Verein für technische Inspektionen, war die Abnahme des Kessels keine Routineangelegenheit. Er betonte, dass bei solch alten Anlagen mehrheitlich kein Regelwerk vorliege, nach dem man sich richten kann. Was die Sicherheit anbelangt, werde aber kein Auge zugedrückt.

An der Elektronik führt kein Weg vorbei

Der originalgetreue Wiederaufbau der C 5/6, die Revision aller Teile ist erfolgt, die Funktionsfähigkeit aller Elemente geprüft. Doch die bisherige Eisenbahnromantik scheint vorbei zu sein. Die unter der Lok auf Schienenhöhe angebrachten Elemente weisen darauf hin. Sie erlauben das Befahren des schweizerischen Schienennetzes. Es ist die Zugsicherung, die Fehler des Lokomotivführers mit einer Vollbremsung korrigieren. So verfügt die restaurierte Lokomotive über Elektronik und die dafür notwendigen Batterien. Es sind jedoch Elemente, welche der Optik und dem Fahrvergnügen nichts anhaben können. Eine zischende und dampfende Lokomotive lässt das Herz der Dampflokfreaks alleweil höher schlagen, und wenn die C 5/6 der Sulger Eisenbahnfreunde im kommenden Frühling noch die abschliessende Probefahrt auf dem Schienennetz besteht, werden wieder zwei Lokomotiven des Typs C 5/6 von ursprünglich 30 in den Jahren 1913 bis 1917 gebauten Exemplaren betriebsbereit sein.

Bevölkerung nutzt den Tag der offenen Lokomotive

Nach der Prüfung vom vergangenen Freitag lud der Verein Eurovapor die Anwohner in der unmittelbaren Umgebung der Lokremise am Sonntagvormittag zu einem Brunch ein. Dies als Dankeschön für das Erdulden gelegentlicher Geruchsimmissionen beim Heizen von Dampfloks.

Zusätzlich zum guten Essen hatten die Besucher die Gelegenheit, die beheizte C 5/6 einmal aus der Nähe zu erleben und in den Führerstand zu klettern. Die Jüngsten hatten viel Spass am Betätigen der Pfeife der Lokomotive, dem akustischen Signal, das als das Kennzeichen der Dampflokomotiven betrachtet wird.