Suchtfrei durch die Jugend

Das allgemeine Vorurteil gegenüber Jugendlichen von heute besagt, dass sie immer früher anfangen zu rauchen und Drogen zu nehmen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kodex-Programms beweisen das Gegenteil.

Leila Akbarzada
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«Die Jugendlichen an unserer Schule machen schon seit mehreren Jahren bei Kodex mit», sagt Ruedi Meier, Lehrer an der Sekundarschule Weitenzelg. Alle ausser drei der 19 Schüler seiner Klasse nehmen an dem Programm Kodex teil. Beim Programm gelten vier Grundregeln: kein Tabak- und Alkoholkonsum, auch Rauschgifte und unnötige Medikamente sind nicht erlaubt.

Vertrauensbasis

Bei Kodex werden die Teilnehmer nicht kontrolliert. Es gilt die Selbstkontrolle, sie können auch jederzeit aussteigen. «Ich vertraue meinen Schülern. Sie sind in dem Alter schon verantwortungsbewusst», sagt Ruedi Meier. «Und ich habe eine verlässliche Nase. Wenn einer raucht, merke ich das sofort», fügt er an. Er gesteht aber, dass es wohl schon vorkomme, dass gewisse nicht ganz hundertprozentig ehrlich sind. Aber wenn das einer von zehn Teilnehmern sei, dann stimme die Bilanz für ihn, sagt er.

Meier selbst habe seit längerem keinen Schüler beim Rauchen ertappt. Wenn das trotzdem geschieht, so würde er den Schüler zunächst ansprechen und danach allenfalls die Eltern informieren.

Motivierte Schüler

Auch fünf befragte Schüler aus Ruedi Meiers Klasse, die in der Mitte des ersten Schuljahres – so sieht es der Strukturplan von Kodex vor – in das Programm eingestiegen sind, finden die Selbstkontrolle gut. Jedoch hätten sie einen Verbesserungsvorschlag: sie würden eine einmalige Stichprobe im Jahr machen.

«Unsere Klasse ist schon ehrlich», sagt Fabiana Paschini. Kevin Tanner fügt dazu an: «Ich denke aber, in der dritten Sek gibt es wohl einige, die nicht ganz verzichten.» Bei der Klasse handelt es sich um eine zweite Sekundarklasse der E-Stufe, welche die leistungsstärkere ist. «Bei diesen Schülern ist die Suchtquote allgemein tiefer», sagt Ruedi Meier. «Diese Jugendlichen haben Perspektiven. Das Suchtpotenzial ist deshalb geringer.»

Kodex ist laut Ruedi Meier schon seit mehreren Jahren Standard in der Oberstufe. Meier ist seit 37 Jahren Lehrer und hat die Entwicklung im Bereich Prävention miterlebt. «In der heutigen Zeit ist der Betreuungsanteil der Lehrer grösser», sagt Meier. «Wir thematisieren deshalb heute auch Angelegenheiten wie Sucht, Berufswahlvorbereitung und Ernährung im Unterricht», fügt er an. «Die Schüler sind interessiert.

Man hat einen anderen Zugang und wird dabei nicht nur als Lehrer, sondern einfach als Mensch wahrgenommen.» Die Schüler bräuchten gerade in diesem Alter eine Unterstützung für die Vorbereitung ihres zukünftigen Lebenswegs. . Problematisch werde es, wenn man zu sehr in den Bereich der Eltern eingreife. Man sei immer noch die Lehrperson und müsse die Grenze klar ziehen.

Gute Basis

Im ersten Sekundarschuljahr stellt eine Person der Kodex-Stiftung – Kodex ist unabhängig von der Schule – während einer Lektion das Programm vor. «Diese Vorstellung war super, wir hatten eine Lektion weniger Unterricht», schmunzelt Daniel Erne. Was halten die Schüler von Kodex im allgemeinen? «Man greift uns unter die Arme, das ist gut», meint Fabiana Paschini. «Wir kriegen eine Urkunde, wenn wir die drei Stufen bestehen. Diese macht einen guten Eindruck bei Bewerbungen», sagt Julia.

Für die befragten Jugendlichen ist die Teilnahme keine Einschränkung. «Mein Leben hat sich nicht verändert wegen Kodex», sagt Kevin.

In fünf Jahren?

Die Jugendlichen sind überzeugt in ihrer Haltung, keinen Alkohol und Tabak zu konsumieren. Wie sieht es wohl ihrer Meinung nach in fünf Jahren aus, wenn sie volljährig sind? «Einen Schluck Alkohol wird's wohl schon ab und zu geben, wir gehen dann ja auch weg abends», sagt Kevin.

Was das Rauchen angeht, so hat er einen klaren Standpunkt: «Auf's Rauchen werde ich auch in Zukunft gerne verzichten. Zigaretten werden immer teurer, aber der Lohn bleibt gleich.» Auch die anderen denken, dass sie mit 18 Jahren zum Feiern schon einmal einen Schluck trinken werden, aber keine Trinkgelage anstreben. «Wenn ich die Fahrprüfung bestanden habe, dann werde ich anstossen», sagt Fabiana mit einem Lächeln im Gesicht.

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