Sturm auf Möbel und Spielzeug

Hunderte alte Bücher, Möbel und weitere Gegenstände haben am Wochenende in Weinfelden den Besitzer gewechselt. Mit dem Bring- und Holtag decken die Gemeinde Weinfelden und der Frauenverein ein grosses Bedürfnis ab.

Mario Testa
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Grosser Andrang herrscht während der Abhol-Phase vor dem Werkhof in Weinfelden. Gut erhaltene Möbel sind besonders begehrt. (Bilder: Mario Testa)

Grosser Andrang herrscht während der Abhol-Phase vor dem Werkhof in Weinfelden. Gut erhaltene Möbel sind besonders begehrt. (Bilder: Mario Testa)

WEINFELDEN. Auf los geht's los. Kaum geben die Helfer am Samstag um 10 Uhr das Startzeichen, öffnen die Besucher die Absperrgitter und stürmen an die Gabenstände. Hunderte Bücher, Spielsachen und Möbel haben die Weinfelderinnen und Weinfelder vergangenen Freitag beim Werkhof abgegeben – einen Tag später liegen sie auf rund 20 Tischen zum Gratisabholen parat.

«Es herrscht ein sehr grosses Interesse an den Gegenständen, die die Leute hier abholen können», sagt Walter Reinhart. Er organisiert den Hol- und Bringtag einmal jährlich für die Gemeinde. Unterstützt wird er bei der Durchführung des Bring- und Holtages vom Gemeinnützigen Frauenverein Weinfelden.

Dä Schneller isch dä Gschwinder

Die Regeln für die Besucher beim Abholen der Waren sind einfach: «Hier gilt: Dä Schneller isch dä Gschwinder. Alles ist gratis», erklärt Reinhart das System. Es komme trotz des beachtlichen Ansturms nur sehr selten vor, dass sich zwei Personen um ein Objekt streiten, weil sie es angeblich gleichzeitig in Beschlag genommen haben. «Aber Punkt 10 Uhr, wenn die Leute den Platz stürmen, müssen wir fast flüchten», sagt Brigitte Brun vom Frauenverein. «Beeindruckend sind auch die Minuten vor dem Start. Dann stehen die Leute teilweise mit Feldstechern an der Absperrung und suchen sich bereits ihre Ziele aus.»

Brun trägt wie alle Helfer eine rote Weste, spricht mit den Leuten, erklärt das Vorgehen und vermittelt manchmal sogar Fahrten für Personen, die kein Auto besitzen, um ihre Trouvaillen nach Hause zu bringen. «Das Klientel beim Abholen ist bunt gemischt. Es sind schon vor allem Ausländer, aber auch viele Schweizer. Beim Anliefern der Waren am Freitag sind die Schweizer in der Überzahl.» Es bleibe zum Schluss jeweils nicht viel übrig. «Nur gelegentlich haben wir das Problem, dass die Leute im ersten Moment möglichst viele Sachen horten und dann, wenn der Holtag vorüber ist, doch nicht alles mitnehmen.»

Weiterhin einmal pro Jahr

Immer am zweiten Juniwochenende findet der Bring- und Holtag in Weinfelden statt. Auch wenn viele Besucher gerne öfters von der Aktion profitieren würden, winkt Walter Reinhart ab. «Einmal im Jahr ist genug. Würden wir es öfter veranstalten, dann würden wohl nicht mehr so viele gute Sachen abgegeben.»

Das Wichtigste am Bring- und Holtag sei der Grundgedanke. «Anstatt guterhaltene Gegenstände wegzuwerfen, gibt es immer jemanden, der das noch brauchen kann», sagt Reinhart.

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