STROHWILEN: Burnie zieht die Arschkarte

Ein neugegründeter Verein mischt die Festivitäten am Nationalfeiertag auf. Die Mitglieder des Arschkarten-Clubs verbrennen am ersten «Burning Ass» mitten in der Nacht eine acht Meter hohe Holzfigur.

Mario Testa
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Werner Zbinden hievt mit dem Gabelstapler Burnies Kopf auf die Holzkonstruktion. Daniel Schmid steht bereit, um der Figur noch die obligate Arschkarte zu verpassen. (Bild: Mario Testa)

Werner Zbinden hievt mit dem Gabelstapler Burnies Kopf auf die Holzkonstruktion. Daniel Schmid steht bereit, um der Figur noch die obligate Arschkarte zu verpassen. (Bild: Mario Testa)

Die Zürcher haben ihren Böögg, die Amerikaner ihren Burning Man – und jetzt haben auch die Strohwiler ihre Figur, die rituell in Flammen aufgehen wird. Burning Ass oder kurz Burnie heisst sie, ist acht Meter hoch und besteht aus etwa viereinhalb Kubikmetern Holz. Verantwortlich für die grosse Figur, die in der Nacht auf den 1. August im Rahmen des ersten «Burning Ass» in Stroh­wilen abgebrannt wird, ist der Arschkarten-Club um Präsident Daniel Schmid. «Mir kam die Idee für den Arschkarten-Club und den ‹Burning Ass› vor etwa fünf Jahren. Letzten Herbst hab ich sie dann umgesetzt», sagt er.

Lachen über Pleiten, Pech und Pannen

Schmid informierte daraufhin Kollegen und Bekannte, und 30 von ihnen fanden sich im ­Dezember auf der Schwägalp ein zur Gründungsversammlung des Arschkarten-Clubs. Unterdessen hat der Club schon über 100 Mitglieder, Männer und Frauen. Sie kommen hauptsächlich aus der Region Wil-Weinfelden-Frauenfeld. Der Name des Clubs hat mit Pleiten, Pech und Pannen zu tun, die den Mitgliedern wiederfahren sind. «Jeder zieht im Leben mal die Arschkarte. Aber dann sollte man auch drüber lachen können», sagt Schmid. «Deshalb haben wir diesen Club gegründet, um wenigstens an einem Tag diese Arschkarten vergessen zu können.» Wann und wo die Vereinsmitglieder schon eine Arschkarte gezogen haben, kann auf der Internetseite des Vereins nachgelesen werden. Da erzählen ein paar wenige von ihnen von ihren peinlichsten Momenten.

Als Vorlage für die Holzfigur Burnie diente eine Karikatur von Jürg Kühni. Sie zeigt einen pummeligen nackten Mann mit einer Spielkarte zwischen den Pobacken. So wird sich auch Burnie präsentieren in der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August, bevor er dann Punkt 3.33 Uhr angezündet wird und verglüht. Zusammengebaut haben ihn die Clubmitglieder in Mauren auf dem Gelände der Von Siebenthal Holzbau AG. «Die Firma hat das Holz zugeschnitten und uns grosszügig unterstützt», sagt Schmid. «Den Rest steuern wir Vereinsmitglieder bei.» Aufgebaut wird die Figur auf dem Festplatz in Strohwilen am Freitag. «Bis am Montag halten wir vor Ort Wache, damit niemand auf die Idee kommt, Burnie schon anzuzünden.»

Der DJ spielt Lieder gegen den Frust

Bevor am frühen Morgen des Nationalfeiertags Burnie entzündet wird, gibt es für die Festbesucher schon ab 22 Uhr Programm im Festzelt. Die Band The Wallbangers & Sacchetti präsentiertLive-musik, unter anderem auch ihren Arschkartensong. Später legt DJ Dischee all die Songs auf, die sich die Clubmitglieder als «Entfrustersongs» für diesen Abend gewünscht haben. Um 1 Uhr nachts zeigen die Organisatoren dann noch den Midlife-Crisis-Film «Born to be Wild» im eigenen Open-Air-Kino. Der erste «Burning Ass» in Strohwilen endet mit einem Frühstück zum Sonnenaufgang mit Blick in die Berge. Gleich im Anschluss führt der Verein seine Generalversammlung durch. Teilnehmen am Fest können auch Nichtclubmitglieder. Der Eintritt kostet 20 Franken fürs Fest oder 50 mit Zmorge.

Ein Begriff aus dem Fussball

Wo der Begriff «Die Arschkarte ziehen» herkommt, ist nicht gänzlich geklärt. Die plausibelste Erklärung bietet der Sport. Fussballschiedsrichter bewahren die rote Karte häufig in der Gesässtasche auf, um Verwechslungen mit der gelben in der Brusttasche zu vermeiden. Wenn der Schiri dann die rote Karte zieht – also die Arschkarte – hat der Spieler Pech gehabt und muss vom Platz.