Streit um den richtigen Weg

Befürworter wie Gegner von HarmoS wünschen eine Harmonisierung des Bildungswesens in der Schweiz. Über das Wie gehen die Meinungen auseinander.

Alois Schwager
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Weinfelden. Nach einer Einführung in das HarmoS-Projekt durch Regierungsrätin Monika Knill diskutierten am Dienstag in der Aula des Paul-Reinhart-Schulhauses Kantonsrätin Anita Dähler und Schulpräsident Andreas Wirth (beide pro) mit Priska Bühler, Vertreterin der Eltern gegen HarmoS, und Franziskus Graber, Vertreter der Lehrer gegen HarmoS, unter Leitung von Marc Haltiner über die Abstimmungsvorlage vom 30. November. Das Fazit der Erziehungsdirektorin zum Bildungskonkordat lautet: HarmoS schützt vor Bildungszentralismus, sichert den bewährten Kindergarten, lässt die Erziehungsverantwortung bei den Eltern, fördert die Schulqualität, beseitigt Mobilitätshindernisse und bringt Durchlässigkeit.

Harmonisierung ist nötig

Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass eine Harmonisierung des Bildungswesens in der Schweiz notwendig ist. Uneinig war man sich über den Weg. Für die Gegner bringt HarmoS keine Harmonisierung, denn es operiere mit schwammigen Begriffen und lasse zu viel offen, so unter anderem einen unterschiedlichen Beginn des Fremdsprachenunterrichts, ebenfalls mit welcher Sprache begonnen werden soll. Man müsse diese Vorlage zurückweisen, um für eine bessere Lösung ohne unnötige Regulierungen Platz zu machen.

Die Befürworter betonten hingegen, dass es sich hier um einen breit abgestützten Kompromiss unter den Kantonen handle. Zudem sei HarmoS ein Konkordat und kein Gesetz. Dieses lege gewisse Eckwerte fest, die erst in das kantonale Gesetz übergeführt werden müssten. Es lasse den Kantonen die nötige Gestaltungsfreiheit, um bedarfsgerechte Lösungen zu finden. Bei einer Ablehnung drohe eine Bundeslösung, bei der die grossen Kantone wie Zürich und Bern bestimmten, wo es langgehe.

Breiten Raum nahmen in der Diskussion über das Eintrittsalter in die Schule und die Tagesstrukturen ein. Dem Argument der Befürworter, der Stichtag für den Schuleintritt sei für Thurgauer Kinder lediglich um drei Monate vorverlegt worden, hielten die Gegner entgegen, in diesem Alter sei jeder Monat entscheidend. Der von Dähler und Wirth bestätigten und mit Zahlen unterlegten unbürokratischen Praxis der Einschulung im Thurgau begegneten Bühler und Graber mit Skepsis. Die liberale Lösung sei erst eingeführt worden, nachdem sie das Referendum eingereicht hätten. Der Trend könne auch wieder kehren. Gemäss Konkordat gebe es für die Eltern nur den Weg über die schulpsychologische Abklärung. Beim Thema bedarfsgerechte Tagesstrukturen gingen die Meinungen auf dem Podium ebenfalls stark auseinander.

Misstrauische Gegner

Den Zusicherungen, dass im Kanton keine flächendeckenden Strukturen geplant seien, sondern nur, wo das Bedürfnis ausgewiesen sei, begegneten die Gegner mit Misstrauen. Sie führten negative Beispiele aus den Kantonen Bern und St. Gallen an, die in der Umsetzung bereits weiter seien. Dem entgegnete Dähler, das Parlament habe bei der Beratung des Volksschulgesetzes bewiesen, dass im Thurgau das Wohl des Kindes im Zentrum stehe, dem man mit dem zweijährigen Kindergarten beste Startchancen und später optimale Anschlüsse einräumen wolle.

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