«Streit schlichten ist cool»

AMRISWIL. Im Schulhaus Nordstrasse geht es friedlich zu und her. Seit 13 Jahren sorgen die Peacemaker für einen guten Umgang unter den Schülerinnen und Schülern auf dem Pausenhof. Jedes Jahr werden neue Friedensstifter ausgebildet.

Luisa Gomringer
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Miran Kamberi und Angelina Giancola helfen als Peacemaker auf dem Pausenhof Streit zu schlichten. (Bild: Donato Caspari)

Miran Kamberi und Angelina Giancola helfen als Peacemaker auf dem Pausenhof Streit zu schlichten. (Bild: Donato Caspari)

Wenn ein älterer Schüler den Kleinen den Fussball wegschnappt oder ein Streit ausbricht, sind sie sofort zur Stelle – die Peacemaker des Schulhauses Nordstrasse. In den letzten 13 Jahren wurden schon 170 Schüler zu Peacemakern ausgebildet.

Verschiedene Perspektiven

Seinen Anfang nahm das Projekt, als im Schulhaus Nordstrasse eine Friedenswoche durchgeführt wurde. In Zusammenarbeit mit dem National Coalition Building Institute (NCBI) wurden damals die ersten Peacemaker ausgebildet und mit Erfolg eingesetzt. Nun werden am Ende jedes Schuljahres ab der zweiten Jahrgangsstufe in jeder Klasse zwei Kinder als Peacemaker ausgewählt.

Stefan Ryffel Lehrer (Bild: pd)

Stefan Ryffel Lehrer (Bild: pd)

Während zwei Morgen und einem Nachmittag lernen die gewählten Kinder von den zwei Lehrpersonen Stefan Ryffel und Melanie Schmucki alles, was sie wissen müssen. «Zusammen schauen wir uns das Thema Gewalt näher an. Verbale Gewalt, Gewalt gegenüber Gegenständen, Gewalt im Internet», sagt Stefan Ryffel. «Ganz wichtig ist es auch, dass die Friedensstifter lernen, Gewalt aus verschiedenen Perspektiven anzuschauen», sagt Melanie Schmucki.

Melanie Schmucki Lehrerin (Bild: pd)

Melanie Schmucki Lehrerin (Bild: pd)

Am Willkommensanlass im neuen Schuljahr erhalten die Peacemaker dann ihren Ausweis und werden allen anderen vorgestellt. Ab diesem Zeitpunkt treffen sich die Peacemaker jede vierte Schulwoche, um Erlebnisse und allfällige Fragen auszutauschen.

Immer zu zweit

Der zwölfjährige Miran Kamberi ist in der 6. Klasse und einer der 13 Peacemaker. Wenn er auf dem Pausenhof einen Konflikt entdeckt, holt er sofort einen anderen Peacemaker und probiert die Sache zu lösen. Die Friedensstifter sollen alle Streitigkeiten immer zu zweit lösen. «Wir gehen immer mit einem Fünf-Schritte-Modell vor. Zuerst fragen wir, ob sie unsere Hilfe wollen, dann erzählen die Betroffenen, was passiert ist. Um Missverständnisse zu vermeiden, wiederholen wir das Gesagte. Gemeinsam probieren wir dann eine Lösung zu finden, und am Schluss wird per Handschlag Frieden geschlossen», sagt Miran.

Mittlerweile hören die Schüler gut auf den 6.-Klässler, und er hat Freude an seiner Aufgabe. «Ich wollte Peacemaker werden, weil ich Frieden auf dem Pausenhof will», sagt Miran.

Auch die 11jährige Angelina Giancola ist seit den Sommerferien ein Friedensstifter. «Ich finde es cool, Streit schlichten zu können. So kann ich etwas dazu beitragen, dass es ruhiger auf dem Pausenhof wird», sagt die Sechstklässlerin. Sie musste auch schon bei einer Schlägerei eingreifen.

Macht Kinder friedlicher

Seit der Einführung des Projektes hat sich die Grundstimmung auf dem Pausenplatz des Schulhaus Nordstrasse sehr zum Positiven verbessert. «Wir glauben, dass nur schon das Wissen, dass es Peacemaker auf dem Pausenhof gibt, die Kinder friedlicher macht», sagt Ryffel.

«Der Posten ist zudem sehr beliebt, und die Kinder empfinden es als eine Ehre, ein Friedensstifter zu sein», sagt Melanie Schmucki.