«Streit hatten wir beide noch nie»

AMRISWIL. Morgen Freitagabend (20.15 Uhr) ist Kabarettist Emil Steinberger mit seinem Programm «Drei Engel!» im Kulturforum zu Gast. Im Interview verrät der 77-Jährige, was ihn mit Amriswil verbindet und wer die drei Engel sind.

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Drei Engel für Emil: Der Kabarettist spricht nichts als die Wahrheit, wenn er seine drei Finger erhebt. (Bild: Niccel Steinberger)

Drei Engel für Emil: Der Kabarettist spricht nichts als die Wahrheit, wenn er seine drei Finger erhebt. (Bild: Niccel Steinberger)

Herr Steinberger, am Freitagabend gastieren Sie im Kulturforum. Haben Sie einen Bezug zu Amriswil? Waren Sie schon einmal hier?

Emil Steinberger: Ich glaube, dass es mindestens zwölf Wochen waren, die ich in der Kaserne St. Gallen beim Abverdienen verbrachte. Im Schloss Hagenwil war Brevetierung und im Bad Horn der Abschlussball. Da musste ich dringend während der Dienstzeit in St. Gallen einen Tanzkurs besuchen. Übrigens: Drei Engel!

Drei Engel! – der Name ihres Programms. Wer sind diese drei Engel?

Steinberger: Die drei Engel, das sind drei Finger an einer Hand. In die Höhe gehalten, wollen sie kundtun, dass das Ausgesprochene der Wahrheit entspricht. Als mein Sohn noch klein war, wusste er oft nicht, ob die Geschichte, die ihm da sein Vater erzählt hatte, wahr ist oder nicht. Mit den drei Fingern habe ich markiert, dass die Geschichte wahr ist. So funktioniert es auch in meiner Vorstellung.

Viele Leute kennen Sie noch, oder nur, von Ihren Auftritten als Emil. Was erwartet die Besucher am Freitag in Amriswil? Inwiefern unterscheiden sich Ihre Auftritte von früher als Emil mit denen von heute als Steinberger?

Steinberger: Es gibt keine Sketche mit einem Blackout, ich wechsle nicht ständig die Kostüme, ich bleibe an einem Tisch und erzähle, erzähle Erlebtes, Überlegtes, Geschichten, Gedanken und bringe so die Leute zum Lachen. Emil steuert die Gesten und die Mimik bei, der Steinberger die Stimme.

Laut Statistik kann man in den 100 Minuten 200mal lachen.

Wie Sie selber schreiben, so hat sich der Emil zum Herrn Steinberger auf die Bühne geschlichen. Wird es da nicht manchmal etwas zu eng auf der Bühne?

Steinberger: Ein Stuhl, die Tischbreite und ein Glas Wasser genügen uns, denn wir sitzen ja nicht nebeneinander. Und Streit hatten wir beide bis jetzt noch nie.

In den letzten zehn Jahren hat sich Ihr Programm von einer Lesung hin zu einem Bühnenprogramm entwickelt. War es Ihnen zu langweilig, nur zu lesen? Fehlte Ihnen das Spiel und der Kontakt mit dem Publikum?

Steinberger: Ich wusste, dass ich es nicht aushalten würde, während 100 Minuten nur in ein Buch zu gucken. Das hätte ich meinem Publikum nie zumuten können.

Konnte der Steinberger nicht ohne den Emil, oder wollte das Publikum den Steinberger nicht ohne den Emil?

Steinberger: Das Publikum muss das gar nicht bestimmen. Es ist doch automatisch so, dass der Emil zu mir wie der Steinberger zum Emil gehört. Ich heisse ja auch Emil Steinberger, obwohl viele mir immer Steinegger, Schneeberger oder Steigenberger sagen. Nicht so schlimm. Besser als wenn sie mich Steinhäger rufen! Das ist ein Schnaps. Bei der Gestaltung dieses Programms habe ich mir von der Darstellung her gar nicht viel überlegt.

Ich hab es einfach gemacht und es hat sofort funktioniert.

Vom 10. bis zum 27. November stehen Sie jeden Abend auf der Bühne. Woher nehmen Sie die Kraft? Brauchen Sie keine Tage der Erholung zwischen den einzelnen Vorstellungen?

Steinberger: Ich habe einmal im Schauspielhaus Zürich an einem Sonntag schon drei Vorstellungen gegeben, dazwischen Bücher signiert und wieder ab auf die Bühne. Die dritte Vorstellung war sogar die schönste. Einen Saal mit lachenden Menschen zu hören, gibt so viel Kraft und Freude.

Man macht es einfach gerne, auch wenn ich Tournées mit 70 Auftritten bewältigte und mich geographisch immer viele Kilometer verschieben musste. Meine Frau Niccel begleitet mich an meine Auftritte, das tut auch gut.

Ab nächsten Montag touren Sie durch die Westschweiz und Ihr Programm bestreiten Sie auf Französisch. Reagiert das Publikum in Lausanne anders als in der Ostschweiz? Unterscheidet sich das Programm in irgendeiner Form von der Dialektversion?

Steinberger: Bei einer meiner ersten Aufführungen im Welschland fragte einer seinen Begleiter: «Meinst Du, dass das in Schweizerdeutsch auch so lustig ist?» Bei jeder Übersetzung gehen Effekte und Witze verloren, sie werden aber wieder durch den komischen Akzent und die fehlerhafte Übersetzung wettgemacht. Ich darf gar nicht perfekt sein auf Französisch.

Nicht einmal die Leute vom Theater machen mich auf Fehler aufmerksam!

Ist der Humor des welschen Publikums anders?

Steinberger: Die Welschen, die Deutschschweizer, die Bayern, die Norddeutschen – alle lachen bei mir an den gleichen Stellen. Humor verbindet!

In Lausanne treten Sie ganze zehnmal auf, natürlich auf Französisch, aber auch auf Deutsch und im Dialekt. Sind Sie gar populärer in der Westschweiz? Sie wohnen ja jetzt in Montreux.

Steinberger: Im Welschland ruft man mir auf der Strasse oft zu: «Eh, le caporale Schnyder!» Die lieben die Nummer «Auf der Polizeihauptwache». Die Theater sind jedoch überall voll, also kann ich die Popularität nicht daran messen. Im Welschland schätzte man aber ungemein, dass ich mir die Mühe genommen und eine französische Übersetzung gemacht hatte. Dass ich nach so vielen Jahren Abstinenz heute immer noch gefragt bin, überrascht mich sehr.

Habe ich doch 1987, als ich aufhörte, damit gerechnet, dass nun das Spiel auf der Bühne für immer aus ist. Interview: Manuel Nagel

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