Stimmiger Dreiklang

Drei Kunstschaffende, die einige Quadratmeter Fläche zur Verfügung haben: «3+m2» heisst denn auch die Ausstellung, die Cornelia Schedler, Catherine Zundel und Markus Reich gemeinsam im erstmals öffentlichen Kunstraum gestalten.

Martin Preisser
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Bespielen gemeinsam einen Raum: Cornelia Schedler (Druck), Markus Reich (Objektkunst) und Catherine Zundel (Malerei). (Bild: Martin Preisser)

Bespielen gemeinsam einen Raum: Cornelia Schedler (Druck), Markus Reich (Objektkunst) und Catherine Zundel (Malerei). (Bild: Martin Preisser)

Cornelia Schedler, Catherine Zundel und Markus Reich kennen sich von früheren gemeinsamen Jahren an der heilpädagogischen Schule in Romanshorn. Seit vielen Jahren tauschen sich die drei Kunstschaffenden intensiv über Kunst aus. Jetzt wird der Traum einer gemeinsam konzipierten Ausstellung im Kunstraum, dem Atelier von Markus Reich und Catherine Zundel, Wirklichkeit.

Offen und vollkommen

Am auffälligsten prägt der Kreis die Ausstellung. Cornelia Schedler zeigt hierbei Drucke, die dasselbe Motiv vielschichtig übereinander lagern. Der Kreis als Symbol für das gleichzeitig Offene und Vollkommene. «Kunst ist für mich auch ein Suchen nach Gleichgewicht, ein Streben nach Stimmigkeit», sagt Cornelia Schedler, die ihr Druckatelier in Frauenfeld hat. Ihre Ringe und Kreise bilden auf den Drucken oft auch Bewegung, wirken als energiegeladene Symbole, die sich zu neuen Formen verbinden. Durch eine raffinierte Drucktechnik erhalten viele Arbeiten Schedlers eine verblüffende Tiefenwirkung. Wie lustvoll das stete Arbeiten mit dem Kreis und dem Kreisen sein kann, zeigt die Künstlerin auch auf hängenden Fahnen, wobei sie hier Kreise auf Gaze plaziert.

Flüchtige Daten

Ganz anders ist der Kreis bei Markus Reich eingesetzt. Das Rund der CD prägt seinen Beitrag zur Ausstellung. «Ich begreife meine künstlerische Arbeit mit Datenträgern als Auseinandersetzung mit dem stillen Raum, der sich zwischen dem Greifbaren und dem Unbegreiflichen unserer Wirklichkeit eröffnet», sagt Markus Reich über diese spezielle Objektkunst. Die Suche nach Konzentration treibe ihn bei der Umsetzung seiner Ideen an. «Ich weiss, was ich möchte, ich habe einen Plan», sagt der Romanshorner Künstler. Da drapiert er CDs zu einem Bild, Äste scheinen die Datenflut zuzuwachsen. Ironisch, heiter, aber auch unterschwellig kritisch geht Reich mit der Idee des Festhaltenkönnens von Daten und Wissen um. Bisweilen verbindet er Archaisches mit Modernem. Oder er zieht den CDs einfach die Haut ab. Unbekannte Datenmengen werden wertlos, gewinnen unter der Installation aber eine neue, unerwartete Poesie. Da setzt Reich Schriftfluss gegen Datenfluss. Oder eine Arbeit heisst «Vom Glauben an das unveränderte Fortwähren der Dinge». Mit überraschenden Mitteln und phantasiereich entlarvt er diesen Glauben als Illusion.

Vielschichtige Landschaften

Die dritte im Bunde der Dreierausstellung ist Catherine Zundel, die mit abstrakten Landschaftsarbeiten präsent ist. Unbewusst, aber nicht zufällig setzt sie intensive Farbflächen nebeneinander. Pigmente und Acrylbinder, Kohle, Sand, Teer und Farbstift unterstreichen auch von der Materialvielfalt her das Streben der Künstlerin nach Vielschichtigkeit der Aussage. Ihre fragmentierten Flächen, die oft kräftig aufeinander prallen, ergeben waldige Landschaftsstudien, die in ihrer Abstraktion viele gebündelte Emotionen und klare Stimmungen in die Bildwelt eingefangen haben.

Genaue Sprache

Die Ausstellung in Markus Reichs und Catherine Zundels Kunstraum, einem speziellen und grosszügigen Atelier, lädt zu einem Spaziergang durch drei ganz unterschiedliche Kunstrichtungen ein, zwischen den sich Querverweise finden lassen, aber nicht unbedingt finden lassen müssen. Alle drei Kunstschaffenden zeigen eine genaue individuelle Sprache mit deutlichen Akzenten. In die Ausstellung «3+m2» führt morgen der Zürcher Architekt Alessandro Savioni ein.

Vernissage: Morgen Fr, Kunstraum Romanshorn (Alleestr. 50), 19 Uhr. Ausstellung bis 4. Dezember. Geöffnet: Sa/So, 19., 20., 26., 27. November; Sa/So, 3., 4. Dezember, jeweils 10 bis 17 Uhr.