Stiere wecken Begehrlichkeiten

AMRISWIL. Gegen die geplanten Stelen im Kreisel regt sich Widerstand. Doch die Stadt möchte an ihrem Entscheid festhalten. Stadtammann Martin Salvisberg sagt, man könne sich nicht über die Kulturkommission hinwegsetzen.

Rita Kohn
Merken
Drucken
Teilen
Der Betonsockel des Kreisels Alleestrasse wird derzeit von ISA-Stieren bevölkert. Später soll hier eine künstlerisch gestaltete Stele stehen. (Bild: Nana do Carmo)

Der Betonsockel des Kreisels Alleestrasse wird derzeit von ISA-Stieren bevölkert. Später soll hier eine künstlerisch gestaltete Stele stehen. (Bild: Nana do Carmo)

70 000 Franken wird die Gestaltung der beiden Kreisel Alleestrasse und Pentorama voraussichtlich kosten. So steht es im Budget der Stadt – obwohl der Pentorama-Kreisel noch nicht mal umgesetzt ist. Geplant sind zwei Stelen, die jeweils alle zwei Jahre von einem anderen Künstler «bespielt» werden. «Es ist sozusagen ein Ersatz dafür, dass die Kunst im Stadthaus weggefallen ist», sagt Stadtammann Martin Salvisberg.

Die vom Toma-Künstler Hanswalter Graf konzipierten und vom Stadtrat abgesegneten Stelen als Kreiselschmuck gefallen aber nicht allen Amriswilerinnen und Amriswilern. In der jüngeren Zeit hat sich Widerstand gegen das Kunstprojekt formiert.

Unterschriften gesammelt

Inzwischen wurde bei der Stadt eine Petition mit derzeit 188 Unterschriften deponiert. Die Petition fordert, anstelle der geplanten Stele die Spoerlé-Figur «Die Reisenden» im Pentorama-Kreisel aufzustellen. In der zweiten Februar-Hälfte wird sich die Kulturkommission mit dem Anliegen der Petition befassen.

Allerdings sind auch andere Wünsche laut geworden. Begehrlichkeiten geweckt hat das – illegale – Aufstellen der ISA-Stiere im Zentrum des Kreisels Alleestrasse. In mehreren Leserbriefen fordern Amriswilerinnen und Amriswiler, den Kreisel den Stieren zu überlassen und auf die Stele zu verzichten.

Gewählt, um zu entscheiden

Der Protest gegen die Stelen bringt den Stadtrat in eine ungemütliche Position. Stadtammann Martin Salvisberg gibt unumwunden zu: «Ich glaube nicht, dass es gut wäre, wenn sich der Stadtrat über die Kulturkommission hinwegsetzen würde.» Denn der Entscheid, die Stelen aufzustellen, fiel aufgrund einer Empfehlung der Kulturkommission. Sie hatte sich auf Wunsch des Stadtrates mit der Kreiselgestaltung durch ein Kunstwerk auseinandergesetzt und kam zum Schluss, die vom Toma-Künstler Hanswalter Graf entwickelten Stelen seien der beste Vorschlag.

Lässt der Stadtrat damit also die Stimmen aus der Bevölkerung unberücksichtigt? Martin Salvisberg schüttelt den Kopf: «Ich persönlich nehme die Proteste und die Unterschriften sehr ernst.» Man müsse aber beachten, dass der Rat gewählt worden sei, um Entscheide zu fällen. «Wir können nicht bei jedem Entscheid die Bevölkerung fragen, was sie dazu meint.»

Initiative starten

Eine Abstimmung über die Kreiselgestaltung zieht Martin Salvisberg derzeit nicht in Betracht. «Würden wir es korrekt machen wollen, müssten wir damit an die Urne.» Es sei aber nicht sinnvoll, wegen einer Investition von zunächst 70 000 Franken eine Urnenabstimmung durchzuführen. «Ich weiss von keinem Ort, der so was gemacht hätte.»

Wollen die Amriswilerinnen und Amriswiler bei der Kreiselgestaltung verbindlich mitreden, können sie eine Initiative lancieren. Dazu müssten aber mindestens 400 Stimmberechtigte das Anliegen innerhalb von 90 Tagen unterstützen.

Erklären, wie es aussehen wird

Martin Salvisberg erklärt sich den Widerstand gegen die Stelen damit, dass sich viele nicht recht vorstellen könnten, wie die Kunst im Kreisel denn tatsächlich aussehen wird. «Ich bin sicher, die Stele ist nicht hässlich. Aber wir müssen erklären, was sie bedeuten soll.»

Derzeit beschäftigt sich die Stadt mit der Frage, wie sie den Amriswilerinnen und Amriswilern das Projekt näherbringen soll. Salvisberg könnte sich vorstellen, dass ein Kompromiss gefunden werden müsste. Doch er wolle dem Künstler hier nicht vorgreifen oder ins Projekt hineinpfuschen, schwächt er gleich wieder ab. Zudem dürften die von einem Teil der Bevölkerung heiss geliebten ISA-Stiere ohnehin nicht im Kreisel bleiben. Der Kanton verbietet Werbung und Reklame im Innenraum von Kreiseln ausdrücklich.