Stiere machen einem Stier Platz

AMRISWIL. Die Gestaltung des Kreisels Alleestrasse nimmt neue Formen an. In wenigen Wochen werden die drei Plastikstiere durch eine Metallskulptur ersetzt. Sie bietet nach dem Prinzip der ursprünglich vorgesehenen Stelen Platz für Kunst.

Rita Kohn
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Die Fotomontage zeigt, wie der Stier auf dem Kreiselsockel künftig aussehen wird. (Bilder: pd)

Die Fotomontage zeigt, wie der Stier auf dem Kreiselsockel künftig aussehen wird. (Bilder: pd)

Die Tage der Amriswiler Kreiselstiere sind gezählt. Wie geplant werden die drei Plastiken Ende Jahr den Kreisel Alleestrasse verlassen. Der vielfach geäusserte Wunsch der Bevölkerung, dem Stier bei der Kreiselgestaltung Raum zu lassen, wurde aber dennoch gehört. Statt einer rechteckigen Stele wird nun eine Kunst-Plattform in Form eines Stiers den Platz der drei Unterhosen-Stiere einnehmen.

Nach dem Ja des Stadtrats zu den Vorschlägen der Kulturkommission legen die Verantwortlichen nun die Pläne für den Metall-Stier auf dem Kreiselpodest vor. Der stilisierte Stier mit gesenktem Kopf und drohend gereckten Hörnern kommt in einer stattlichen Grösse daher. «Das ist auch der Grund, weshalb die Abklärungen so lange gedauert haben», sagt Stadträtin Madeleine Rickenbach, Präsidentin der Kulturkommission. Zunächst habe abgeklärt werden müssen, ob die Skulptur so überhaupt umsetzbar wäre. «Sie bietet durch ihre Grösse viel Angriffsfläche für Wind.»

Vertretbare Kosten

Seit die Idee mit den Stelen bekannt geworden ist, gab es in Amriswil Opposition gegen das Projekt. Stein des Anstosses war vor allem das Vorhaben, die Stelen in einem festen Turnus von einem Künstler bespielen zu lassen. Die Kosten dafür seien zu hoch, wurde mehrfach kritisiert. Obwohl die Stelen selber inzwischen vom Tisch sind, ist die Idee mit der wechselnden, künstlerischen Gestaltung geblieben. Statt der rechteckigen, hohen Stelen wird es nun der Stier sein, dem immer wieder ein neues Kleid übergezogen wird.

Weniger als «Kunst im Stadthaus»

Die Kosten für diese regelmässige Erneuerung halten sich gemäss Madeleine Rickenbach im Rahmen. Der Künstler erhalte für sein Bild – je nach Aufwand – maximal 4000 Franken, erläutert die Stadträtin. Dazu kämen noch die Kosten für das Aufkleben der Folie, was nicht etwa vom Künstler übernommen werde, sondern durch eine spezielle Firma ausgeführt werden müsse. Dieser Betrag sei durchaus vertretbar, findet die Stadträtin und zieht den Vergleich mit dem Projekt «Kunst im Stadthaus», das bis 2009 stattgefunden hat. «Dem Künstler wurde jeweils 5000 Franken bezahlt und meistens auch ein Werk abgekauft.»

Den Anteil an den Ausgaben für kulturelle Bereiche, den die jeweilige Neugestaltung der Skulptur ausmachen wird, kann die Stadträtin nicht beziffern. «Das ist schwierig zu beantworten», erklärt sie. Es komme ganz darauf an, welcher Betrag beim Kulturbudget als Referenzwert herbeigezogen werde. Immerhin seien im Budget für den Bereich «Kultur und Freizeit» für das Jahr über drei Millionen Franken budgetiert gewesen. Davon seien weniger als eine halbe Million Franken Kulturförderung reserviert. «Darin enthalten sind auch Beiträge an die Bibliothek, die Stadtharmonie, die Schlossfestspiele und andere Veranstaltungen.»

Der Kanton muss bewilligen

Nachdem der Stadtrat an seiner letzten Sitzung dem Projekt zugestimmt hat, liegt es nun am Kanton, seinerseits die Bewilligung zu erteilen. Erst wenn auch von dieser Seite die Genehmigung vorliegt, kann die rund sechs Meter hohe Metallwand aufgestellt werden. Geplant ist die Montage für das erste Quartal im kommenden Jahr.

Festgelegt ist auch, welcher Künstler als erstes die Metallfläche gestalten soll. Gemäss einer Mitteilung aus dem Stadthaus wird dies der frischgekürte Kulturpreisträger der Stadt, Walter Dick, sein. Sein Vorschlag ist es denn auch, der auf der Visualisierung der geplanten Kreiselgestaltung zu sehen ist. Auswählt wird der Künstler jeweils von der Kulturkommission.

Kompromiss eingegangen

Mit der Plattform in Form eines Stiers ist die Kulturkommission einen Kompromiss eingegangen, der jedoch die ursprüngliche Planung, den Kreisel Alleestrasse in der Gestaltung mit dem Kreisel Pentorama zu verbinden, tangiert. Wie sich diese vorgesehene Gesamtgestaltung doch noch verwirklichen lassen könnte, mag Madeleine Rickenbach nicht sagen: «Vom Pentorama-Kreisel ist nicht die Rede, wir haben uns darum auch nicht gekümmert.» Er komme ja auch erst zur Abstimmung.

Die Rückseite des Stiers mit einem Bild von Walter Dick. (Bild: pd)

Die Rückseite des Stiers mit einem Bild von Walter Dick. (Bild: pd)