Stieleichen füllen die Lücke

LANDSCHLACHT. Vor bald einem Jahr wurden am Landschlachter Seeufer ein paar Bäume vor einem Neubau gefällt. Das war illegal. Die Bauherrschaft erhält eine Busse im vierstelligen Bereich und pflanzt zwei neue Bäume.

Nicole D'orazio
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Erich Tiefenbacher Kreisforstingenieur Forstkreis 2 (Archivbild: Nana do Carmo)

Erich Tiefenbacher Kreisforstingenieur Forstkreis 2 (Archivbild: Nana do Carmo)

Die Baumlücke am Seeufer in Landschlacht wird bald geschlossen. Sie ist im Februar letzten Jahres entstanden, als Pflanzen und Bäume vor einem Neubau entfernt wurden (unsere Zeitung berichtete). Da die Bäume in der Seeuferschutzzone standen und ohne Erlaubnis des Revierförsters gefällt worden waren, erstattete die Gemeinde Münsterlingen Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft entschied im Herbst, dass es sich beim Vorfall um ein Vergehen gegen das eidgenössische Waldgesetz handelt und die Tatbestände eines nicht bewilligten Holzschlages gegeben sind. Es wurde eine Busse in der Höhe eines vierstelligen Geldbetrages verhängt, wie die Gemeinde Münsterlingen mitteilt.

Wie hoch die Busse genau ist, weiss der Münsterlinger Gemeindeammann René Walther nicht. «In der Vergangenheit waren die Bussen aber jeweils tiefer, weil die Vergehen meistens als Kavaliersdelikt angeschaut wurden. Das ist hier nun nicht der Fall.» Bei der Straftat handle es sich um einen unbewilligten Holzschlag, nicht aber um eine Rodung. Das wäre es, wenn der Wald zweckentfremdet würde, erklärt er. Beispielsweise wenn an der Stelle Sand für einen Badeplatz aufgeschüttet würde.

Bauherrschaft lenkte ein

Bei einem Augenschein im November mit der Bauherrschaft, der Gemeinde, dem Revierförster und dem Forstamt ist es zu einer freiwilligen Vereinbarung gekommen. Die Bauherrschaft, die sich einsichtig zeigte und das Urteil akzeptierte, hat sich gegenüber dem Forstamt bereit erklärt, als Ersatz zwei Stieleichen zu pflanzen, wie es in der Mitteilung weiter heisst. «Eine Wiederbeforstung ist nur bei einer Rodung zwingend, bei einem unbewilligten Holzschlag freiwillig», erklärt Walther. In Absprache mit dem Förster werden nun die zwei Stieleichen gepflanzt. «Der Förster sollte entscheiden, was Sinn macht.»

Gewisse Genugtuung

Auch Kreisforstingenieur Erich Tiefenbacher ist mit der Höhe der Busse zufrieden. «Es handelt sich hier um eine namhafte Busse, das ist wichtig.» Früher seien meistens nur Ahndungen im dreistelligen Bereich ausgesprochen worden, was einem Kavaliersdelikt entspreche. «Dass es sich nun um ein Delikt handelt, ist eine gewisse Genugtuung.» Der maximale Bussenrahmen für illegale Fällungen bewegt sich bei 20 000 Franken. Bei den Stieleichen, die wahrscheinlich im Frühling gepflanzt werden, handelt es sich um wertvolle Bäume, die ein fester Bestandteil des Ufergehölzes sind, sagt Tiefenbacher. «Es werden grosse Bäume sein, keine jungen. Die Kosten und eventuelle Folgekosten werden von der Bauherrschaft übernommen.» Das heisst, dass wenn die Pflanzung nicht erfolgreich sei, wieder für Ersatz gesorgt werden müsse. Die Vereinbarung laufe zehn Jahre.

Danach dürfen die Bäume allerdings nicht gefällt werden, wie Walther betont. «Sie befinden sich ja noch immer in der Seeuferschutzzone.» Für Landbesitzer, die nicht genau wissen, was sie dürfen und was nicht, empfiehlt er die Lektüre einer Broschüre des Forstamtes. «Dort steht alles Wichtige drin.»

René Walther Gemeindeammann Münsterlingen (Archivbild: Donato Caspari)

René Walther Gemeindeammann Münsterlingen (Archivbild: Donato Caspari)

Vom Seeweg her ist die Lücke im Landschlachter Ufergehölz deutlich sichtbar. (Bild: Nana do Carmo)

Vom Seeweg her ist die Lücke im Landschlachter Ufergehölz deutlich sichtbar. (Bild: Nana do Carmo)