Steinacher Trinkwasser für Haitianer

ARBON. Es gibt immer wieder Firmen in der Region, die in globalen Nischenmärkten eine starke Nummer sind – mit Innovationen, von denen hierzulande wenig Notiz genommen wird. Mit Technologie der Trunz Water Systems etwa ist die Not-Trinkwasserversorgung in Haiti sichergestellt worden.

Max Eichenberger
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Firmeninhaber Remo Trunz führt die AVA-Mitglieder durch den Betrieb. Demnächst wird im Neubau ein Tag der offenen Tür stattfinden. (Bilder: Max Eichenberger)

Firmeninhaber Remo Trunz führt die AVA-Mitglieder durch den Betrieb. Demnächst wird im Neubau ein Tag der offenen Tür stattfinden. (Bilder: Max Eichenberger)

Bei der Katastrophenbewältigung war auch Technologie aus Steinach gefragt, erfuhren die Mitglieder der Arbeitgebervereinigung Arbon bei ihrer Jahresversammlung. Nachdem im Karibikstaat im Januar die Erde gebebt hatte, waren bald zehn mobile solarbetriebene Wasseraufbereitungsanlagen von Trunz Water Systems vor Ort. Damit wurde Trinkwasser für die Versorgung der Bevölkerung aufbereitet.

Aufträge von der EU

Von der Europäischen Union (EU) kamen Aufträge, in Afghanistan verschmutztes Flusswasser in bakterienfreies Trinkwasser aufzubereiten. In Abu Dhabi, in der Golfwüste, wird eine Entsalzungsanlage aus dem Hause Trunz betrieben. Die Systeme funktionieren autark, es braucht weder eine Steckdose noch Öl: Die Anlagen werden mit Wind- oder Sonnenenergie betrieben.

Damit eignen sie sich nicht nur für den Einsatz in Katastrophengebieten oder unwirtlichen Gegenden, wo es keinen Strom gibt, sondern auch für die dezentrale Versorgung von Dörfern.

Potenzial in Schwellenländern

«Vor allem in Schwellenländern, wo die Regierungen nicht in der Lage sind, für die Bevölkerung die Trinkwasserversorgung sicherzustellen, ist ein Bedarf da», sagt Inhaber Remo Trunz.

Und weil Trinkwasser ein Lebenselixier und daher unverzichtbar ist, ist das Marktpotenzial für diese «humanen Geschäfte» entsprechend.

Erst 2007 wurde das jüngste Trunz-Standbein (neben den Bereichen Metalltechnik, Luftkanaltechnik und Fahrzeugtechnik), Trunz Water Systems, gegründet. Voraus gingen drei Jahre Tüftel- und Entwicklungsarbeit.

Inzwischen hat die einst im Saurer WerkZwei angesiedelte, heute einen Steinwurf über der Aach in Steinach in einem markanten Neubau domizilierte Firma 450 Anlagen ausgeliefert – nach allen Kontinenten, von Karachi in Indien bis Alice Springs im australischen Outback, schwergewichtig aber in Südamerika. «Venezuela ist ein Vorreiter in der Infrastrukturverbesserung», sagt Remo Trunz. Ein Programm besteht dort für insgesamt 900 Anlagen. Viele Flüsse sind vom Minenbetrieb verseucht oder durch ungefilterte Einträge.

Für die meisten Gewässer, die genutzt werden, werden vorgängig Wasseranalysen gemacht.

«Water House» für Bevölkerung

Als geschäftlicher Entwicklungshelfer eröffnet sich Trunz ein weites Feld. Angefangen hat es mit einem Prototypen 2005 nach einem grossen Erdbeben in Pakistan. Ein interessantes Zukunftsmodell ist das Projekt der Stadt Karachi: ein «Water House» mit mehreren Hahnen ist öffentliche Wasserversorgungsstelle. Die Aufbereitung eines Liters verschmutzten Wassers ist mit 0,3 Rp.

einiges günstiger als die Trinkwasserbereitstellung hierzulande. Neben der öffentlichen Hand, dem Militär und weiteren Kunden kommt die Trunz-Technologie auch im Ökotourismus zum Einsatz: So stehen Anlagen auf kleinen Eilanden im Einsatz, wo das Meerwasser entsalzt wird.

AFG Arena ausgerüstet

Die Firma besteht seit 1972; die Trunz Holding AG beschäftigt heute 160 Mitarbeiter. Nach der Dislokation weg von Arbon ist Steinach der neue Hauptsitz des Familienbetriebs.

Dort hat Trunz 2009/2010 rund 23 Millionen in den Bau eines modernen und auch architektonisch überzeugenden Technologie-Centers investiert. Weitere Standorte sind Wittenbach und Langenthal. In den traditionellen Sparten ist Trunz unter anderem Lieferant von Mowag, Stadler-Rail, Bombardier, Siemens. Treu geblieben ist die Firma dem Blech: Die älteste Division lieferte Luftkanalsysteme für die AFG Arena, das Stade de Suisse in Bern, den Rheinpark. Besonders stolz ist Trunz auf das Referenzobjekt KKL Luzern.

Tagte im neuen Trunz-Technologie-Center: Die Arbeitgebervereinigung.

Tagte im neuen Trunz-Technologie-Center: Die Arbeitgebervereinigung.

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