STEINACH: Dem Baumfäller riss Geduldsfaden

Norbert Eberle hat im Quartier Böllentretter in Steinach drei Bäume fällen lassen. Nun nimmt er in einem offenen Brief an den Gemeinderat Stellung zur Fällaktion, die schweizweit für Aufsehen sorgte.

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«Bitte urteilen Sie nicht vorschnell, ohne die Hintergründe und die Rolle der Gemeindeverwaltung Steinach zu kennen.» Das schreibt Norbert Eberle in seinem offenen Brief. Schon seit Jahren hätte nicht nur er, sondern auch andere Anwohner des Böllentretter-Quartiers die Gemeindeverwaltung ersucht, die Bäume zu pflegen und zurückzuschneiden. Auch habe er, so Eberle, die Verwaltung mehrfach auf die zu hohen Bäume und den ungepflegten Quartierplatz aufmerksam gemacht. Im Oktober 2016 habe er Bauverwalter Urs Holen­stein erneut telefonisch kontaktiert und gebeten, die Bäume zurückzuschneiden und das abfallende Laub einzusammeln, was in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinde gehöre. «Das Laub haben die Anwohner immer selbst zusammengetragen und sogar abtransportiert.»

Auf Fäll-Ankündigung keine Reaktion erhalten

Um den 20. Februar hat Eberle seinen Angaben zufolge den Bauverwalter auf das Versäumnis hingewiesen. «Ich stimme Ihnen zu, dass Sie schon Ende Oktober angerufen haben, aber ich habe dieses Anliegen vergessen und werde mich nun darum kümmern», habe dieser sinngemäss versichert. «Es passierte nichts.» Am 6. März habe er noch einmal bei der Verwaltung nachgefragt. Einen Rückruf beziehungsweise eine Antwort habe er nicht erhalten. Am Dienstag, 7. März, 8.10 Uhr, lief nach seinem Anruf das Band. Tags darauf habe sich die Sachbearbeiterin auf der Bauverwaltung seine Handynummer notiert. Am 9. März habe sie wissen lassen, die Bauverwaltung hätte «keine Zeit für solche Anliegen». Weitere Versuche, telefonischen Kontakt herzustellen, seien versandet. «Die Herren Brändli und Holenstein waren schon lange nicht mehr zu sprechen.» Er, so Eberle, sei dann angehalten worden, dem Gemeindepräsidenten eine E-Mail zu schreiben. Dieser habe ihm jedoch schon wiederholt beschieden, in dieser Sache sei der Bauverwalter zuständig. «Es gab keine Antwort und auch keine Reaktion von der Gemeindeverwaltung.» Darum habe er der Sachbearbeiterin am Telefon gesagt, sie könne Roland Brändli und Urs Holenstein ausrichten, dass er diese Bäume nun selbst fällen werde und die Rechnung der Verwaltung zukommen lasse. Diese Vorankündigung habe er, so Eberle, der Sachbearbeiterin gegenüber fünfmal vorgebracht. Sie habe ihm lediglich zu verstehen gegeben, dass diese Rechnung nicht beglichen würde. «Da eine Woche lang keine Reaktion seitens der Verwaltung kam, kann dieses Schweigen als stillschweigende Zustimmung qualifiziert werden» – so sieht es jedenfalls Norbert Eberle. Deshalb habe er am 18. März die Bäume fällen lassen. (red)