STEHRENBERG: Buntes Kochen

Seit sieben Jahren färbt Daniela Vogt Garn mit Pflanzen und Wurzeln. Die Rezepte für die Naturfarben hat sie alle selbst erarbeitet. In ihrer Kartei führt sie aktuell 45 Töne.

Iliana Perera
Drucken
Teilen
Daniela Vogt färbt in ihrer Küche Seidengarn mit natürlich gewonnenen Farben ein. (Bild: Donato Caspari)

Daniela Vogt färbt in ihrer Küche Seidengarn mit natürlich gewonnenen Farben ein. (Bild: Donato Caspari)

Iliana Perera

iliana.perera@thurgauerzeitung.ch

In ihrer Küche kocht Daniela Vogt nicht nur das Mittagessen für ihre Familie. Hier färbt die 50-jährige Hausfrau auch regelmässig Seidengarn ein. Dafür verwendet die gelernte Offsetdruckerin Pflanzen und Wurzeln wie beispielsweise Birkenblätter, Kurkuma oder auch Nussschalen. Unter der Marke Orellana vertreibt sie ihr gefärbtes Garn an verschiedenen Messen und über ihren Onlineshop. Den Namen Orellana hat Vogt gewählt, da es die lateinische Bezeichnung der Pflanze ist, aus der sie ihre Lieblingsfarbe herstellen kann – Orlean.

Die Kunden bewundern am pflanzengefärbten Garn vor allem die eher sanften Farben. Daniela Vogt ihrerseits schätzt die grosse Vielfalt. «Ich finde es faszinierend, was die Natur alles zur Verfügung stellt.» Für die Gewinnung der 45 Farben ihrer Kartei verwendet Daniela Vogt etwa 20 verschiedene Pflanzen und Wurzeln. «Ich könnte locker 100 Farbnuancen daraus gewinnen», sagt die Pflanzenfärberin. Jedoch mache eine zu grosse Auswahl die Entscheidung für die Kunden oft nur unnötig schwerer.

Bis zum fertigen Produkt braucht es viel Geduld

«Zuerst muss ich ein Alaunbad machen», sagt Vogt. Alaun ist ein Salz, das in der Pflanzenfärberei zum Beizen eines Garns verwendet wird. Bei 60 bis 70 Grad wird es zunächst für etwa eine Stunde in der Lake gekocht. Dieser Schritt sei wichtig, damit die Farbe vom Garn später richtig aufgenommen werden kann und auch nach dem Waschen erhalten bleibt. Für den Farbsud muss ­Daniela Vogt die getrockneten Pflanzen oder Wurzeln über Nacht einweichen und anschliessend für eine Stunde einkochen. «In der Regel verwende ich dafür die gleiche Menge Flüssigkeit wie Pflanzen.» Anschliessend wird der Sud mit einem Sieb oder Tuch gefiltert, ehe die Pflanzenfärberin das gebeizte Garn in die farbige Flüssigkeit einlegen kann. Danach werden die eingefärbten Fäden gewaschen, zum Trocknen ausgelegt und zu guter Letzt aufgewickelt. Geduld braucht es bei diesem Hobby auf jeden Fall. «Vom ersten bis letzten Arbeitsschritt dauert es etwa zwölf Stunden. Danach kann das Produkt zum Stricken verwendet werden», sagt Vogt. Für die meisten Farben verwendet Daniela Vogt ausschliesslich natürliche Färbungsmittel. Einzig beim Blaufärben (siehe Kasten) geht es nicht ganz ohne Chemie. «Bei Indigo braucht es eine Küpenfärbung», erklärt Vogt. «Ich füge deshalb ­etwas Natron-Lauge hinzu.» Indigo ist während des Färbevorgangs gelbgrün und wird erst beim Trocknen an der Luft blau.

Daniela Vogt verarbeitet ihr buntes Garn auch gerne selber weiter. Freude am Stricken hat sie schon seit ihrer Teenagerzeit. «Mit 17 habe ich meinen ersten Pullover gestrickt», sagt sie. Noch heute sei es ein wichtiger Teil ihres Lebens.