ST. PELAGIBERG: Er feiert mit einem Tännchen

Kevin Bommeli aus Amriswil ist im ersten Lehrjahr als Zimmermann bei der Firma Karl Rutz AG. Genauigkeit, handwerkliches Geschick und räumliches Vorstellungsvermögen sind von zentraler Bedeutung.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Kevin Bommeli misst und bezeichnet das Holz, um es danach abzusägen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Kevin Bommeli misst und bezeichnet das Holz, um es danach abzusägen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

«Heute arbeite ich in der Abbundhalle», erzählt Kevin Bommeli. Dort bearbeiten die Zimmerleute das Schnitt- und Rundholz, das für Tragwerke und Bauteile verwendet wird. Kevin Bommeli beginnt, Holzbalken zu grundieren, die für den Bau eines Dachstuhls gebraucht werden. «Der Anstrich schützt das Holz vor Umwelteinflüssen wie Regen oder Sonne», erklärt der angehende Zimmermann.

Bommeli macht seine Lehre in der Zimmerei bei der Firma Karl Rutz AG in St. Pelagiberg. Er ist im ersten Lehrjahr. Die Ausbildung zum Zimmermann dauert vier Jahre. «Zimmermann ist mein Traumberuf», sagt der 17-jährige Amriswiler überzeugt. Für ihn war schon immer klar, dass er etwas Handwerkliches machen möchte. Zudem sei er gerne draussen – bei jedem Wetter. «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung», sagt er schmunzelnd. Geschnuppert habe er an einigen Orten – als Gärtner, Motorrad- und Velo­mechaniker sowie Sanitär- und Heizungsinstallateur. Doch nach der Schnupperlehre als Zimmermann war ihm klar: «Dieses Handwerk will ich lernen.»

Eines der ältesten Gewerbe

Kevin Bommeli hat Freude an der Holzverarbeitung. Holz ist ein Naturprodukt und vielseitig einsetzbar. Das mache die Tätigkeiten spannend und abwechslungsreich. «Mir gefällt, dass ich am Ende des Tages sehe, was ich gemacht habe», betont der Auszubildende. Holz habe eine lange Lebensdauer. So bekomme er noch nach vielen Jahren zu Gesicht, was er angefertigt habe. Mit besonderen Erinnerungen verbunden seien auch die Besuche in der Bischofszeller Waldschenke. «Während meiner Schnupperlehre bei Karl Rutz durfte ich beim Aufbau des Blockhauses mithelfen», erinnert er sich.

Zimmerleute beherrschen alle Tätigkeiten des Holzbaus. Die Zimmerin und der Zimmermann führen eines der ältesten Gewerbe aus, die es gibt. Sie verarbeiten Massivholz sowie holzhaltige Halbfabrikate und stellen Bauten und Konstruktionen in verschiedensten Arten her. Ihre Arbeitsgebiete sind: Hoch- und Tiefbau, Gerüstbau, Innenausbau von Gebäuden, landwirtschaftliche Bauten, Ferienhaus- und Chaletbau.

Sie bauen Fassaden und Treppen, verkleiden Böden, setzen Fenster ein und täfern Wände sowie Decken. Sie messen, sägen, schleifen, hämmern und nageln. In der Werkstatt bereiten die Fachleute anhand von Plänen die notwendigen Holzelemente vor. Genauigkeit ist dabei wichtig. Die Vorgaben der Pläne müssen eingehalten werden. Freude am Werkstoff Holz, handwerkliche Fertigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen und mathematisches Verständnis sind notwendige Voraussetzungen, um diesen Beruf ausüben zu können. Die Bereitschaft, im Freien und oft auch in der Höhe körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten zu verrichten, ist ebenso wichtig wie Teamfähigkeit.

Besonders gerne arbeitet Kevin Bommeli im Innenausbau. Denn die Mithilfe beim Täfern gehöre ebenfalls zu seinen Aufgaben. Der Auszubildende hilft, Wand-, Decken- und Bodenverkleidungen anzubringen. «Ich mag die Detailarbeit im Innenausbau sehr», äussert er sich.

Der junge Mann ist sich der Gefahren in seinem Beruf bewusst und schützt sich entsprechend. Will er beispielsweise auf dem First die Dachsparren montieren, trägt er einen Sicherheitsgurt. In seiner Ausbildung lerne er, für seine Sicherheit Verantwortung zu übernehmen.

Mit einem Tännchen feiern Zimmerleute die Aufrichte

Einmal in der Woche besucht ­Kevin Bommeli die Berufsschule im Berufsbildungszentrum BBZ in Weinfelden. Nach der Ausbildung stehen viele Möglichkeiten offen: die Arbeit im Betrieb als qualifizierter Zimmermann, das Sammeln von Erfahrungen auf der Walz sowie Weiterbildungen, unter anderem zum Polier.

Den optimalen Ausgleich zum Arbeitsalltag findet der Lernende im Sport. Kevin Bommeli spielt in der ersten Liga bei den Volleyballern in Amriswil. Zudem ist er Mitglied der Swiss-Volley-Jugend-Nationalmannschaft 99+. Auch trainiert er mindestens einmal in der Woche im Fitness-Center. «Sport ist mir wichtig. Da kann ich Power rauslassen.»

Ein Richtfest hat der an­gehende Zimmermann bis jetzt noch nicht erlebt. Er weiss aber von dieser alten Tradition: Mit einem geschmückten Tännchen auf dem Dachstuhl feiern die Zimmerleute die gelungene Aufrichte. Wenn der Rohbau eines Gebäudes steht und der Dachstuhl aufgerichtet wurde, wird das Richtfest gefeiert.