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Spreu und Weizen

Dreispitz
Chretzer

«Zülle, Salzmann, Niederberger, Stehrenberger, Blatter und Wohlfender», zählt Fredi auf. «Sechs Politiker sind auf das Kandidatenkarussell aufgestiegen, obwohl sie wissen, dass nur einer von ihnen Stadtpräsident werden kann. Ist doch irgendwie bewundernswert!» Der Chretzer muss dem Freund Recht geben. Jeder, der für eine Wahl kandidiert, nimmt in Kauf, öffentlich bescheinigt zu bekommen, dass niemand ihn mag. Zum Ausgleich gibt es eine gewisse Chance auf Ruhm und Ehre – jedenfalls am Wahlabend. Später, im Amt, hagelt es ja doch eher Kritik.

«Glaubst du, sie rechnen insgeheim mit ihrem Scheitern?», fragt der Chretzer. «Einige bestimmt», meint Fredi. «Eine Wahl zu verlieren, ist aber nicht ehrenrührig. Unangenehmer ist es, ignoriert zu werden. Wir sollten also abstimmen, um den Mut der Politiker zu honorieren.» Dem Chretzer kommt noch ein anderer Gedanke: «Warum nur spricht man vom Kandidatenkarussell? Wäre nicht ‹Zentrifuge› viel passender? Leichtgewichte und Kandidaten mit hoher politischer Dichte sind damit gut zu trennen.»

Chretzer

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch

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