Sprachschule statt Reisen

AMRISWIL. Kaum aus Australien zurückgekehrt, zieht es den Amriswiler Ephrem Hutter wieder nach Down Under. Dort möchte er einen Jahresjob als Schaltanlagenmonteur ausüben – die Stellensuche erweist sich jedoch als schwierig.

Benno Gämperle
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Möchte zurück nach Australien: Ephrem Hutter. Allerdings denkt er dabei an einen Jahresjob. (Bild: Benno Gämperle)

Möchte zurück nach Australien: Ephrem Hutter. Allerdings denkt er dabei an einen Jahresjob. (Bild: Benno Gämperle)

«Heiss war es in Perth, sehr heiss», erinnert sich Ephrem Hutter an die erste Station seines halbjährigen Australienaufenthalts, der vor rund drei Wochen endete. Perth liegt an der Westküste des riesigen fünften Kontinents, und es war kein Zufall, dass der Amriswiler diese Region für seinen Sprachaufenthalt wählte.

«Vor dreieinhalb Jahren reiste ich über vier Monate lang in Australien herum», erklärt er. Fast in allen Ecken sei er gewesen, ausser eben an der Westküste, dafür reichte damals die Zeit nicht aus. Reisen war auch dieses Mal vorgesehen, nach dem zehn Wochen dauernden Sprachaufenthalt. Doch es sollte anders kommen.

Aus aller Welt

«Die Schule in Perth war echt gut», fährt der Amriswiler fort, «wir hatten sehr gute Lehrer.» Ein eher kleines College sei es gewesen, mit einem Schweizer-Anteil von rund 40 Prozent. Danebst hätten Leute aus aller Welt mit ihm die Schulbank gedrückt. Das College in Perth sagte Hutter derart zu, dass er begann, Pläne zu schmieden. Wie wäre es, habe er sich gefragt, wenn ich mir in Australien einen Job suchte, ein Jahr hier arbeitete und somit das gelernte Englisch Tag für Tag gebrauchen würde?

Der Gedanke liess ihn nicht mehr los. Er erkundigte sich nach den Bedingungen für eine Arbeitsgenehmigung und fand heraus, wie es am besten geht: mit einem Sponsorship-Visum. Das geht so: Ein australischer Arbeitgeber stellt jemanden befristet für ein Jahr ein. Fertig. Das aber erfordert primär erstklassige Englischkenntnisse. Über die verfügte der 31jährige Amriswiler nach den zehn Schulwochen in Perth jedoch noch nicht. Das Fazit: Hutter strich die geplante Reise entlang der Westküste und suchte sich eine zweite Schule, um seine Sprachfähigkeiten zu vertiefen.

«Der Start war hart»

Diese Schule fand Ephrem Hutter schliesslich in Melbourne im Süden Australiens, fast 3000 Kilometer Luftlinie von Perth entfernt. Erster Vorteil für Hutter in Melbourne: Peter Kammerlander, ein alter Schulfreund aus Amriswil, vor neun Jahren nach Australien ausgewandert, lebt dort. Bei ihm konnte er wohnen.

Zweiter Vorteil: Die «neue» Schule gehörte zu einer der Universitäten von Melbourne, wo sich der Oberthurgauer während eines zehnwöchigen Kurses für den IELTS-Sprachtest vorbereiten konnte. «Der Start in Melbourne war hart», erinnert sich Ephrem Hutter, denn das Niveau an dieser zweiten Schule sei bedeutend höher gewesen als an der ersten in Perth. Viel Zeit für Ausgang oder Exkursionen blieb da nicht. Aber es lohnte sich: Ephrem Hutter erreichte sein Ziel und bestand den IELTS-Test mit einem Notenschnitt, der für eine Arbeitsgenehmigung in Australien problemlos ausreicht.

Ein Job, zig Bewerber

Die Jobsuche indes stellte sich als schwieriger heraus als zunächst erwartet. Ephrem Hutter erklärt: «In Australien bewerben sich gut und gerne Hunderte oder Tausende für die gleiche Stelle.» Der gelernte Schaltanlagenmonteur, derzeit bei den Technischen Betrieben der Stadt Amriswil angestellt – wie übrigens schon vor seinem mehrmonatigen Sprachaufenthalt –, sucht in Australien primär eine Stelle in seinem gelernten Beruf. «Strom ist Strom, das funktioniert überall auf der Welt in etwa gleich», sagt er. Ein Jahresjob ist das eine, Auswandern etwas anderes. Wie steht es hiermit? Hutter winkt ab: «Daran denke ich nicht.»

Ephrem Hutter gibt sich zur Erfüllung seines Traumes zwei Jahre Zeit; so lange ist nämlich der bestandene Sprachtest gültig.