Sprachlos ins neue Jahr

AMRISWIL. Silvesternächte sind Momente der guten Vorsätze und der Ansprachen. Auch in Amriswil sollte Stadtpräsident Martin Salvisberg eine solche halten. Doch die Rede fand nicht statt.

Christof Lampart
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Martin Salvisberg, Stadtpräsident von Amriswil, kommt an der Feier zum Jahreswechsel aufgrund einer technischen Panne nicht zu Wort, ist aber trotzdem bester Laune. (Bild: Christof Lampart)

Martin Salvisberg, Stadtpräsident von Amriswil, kommt an der Feier zum Jahreswechsel aufgrund einer technischen Panne nicht zu Wort, ist aber trotzdem bester Laune. (Bild: Christof Lampart)

Dabei war alles angerichtet. Festlich war's, bei der Eisarena auf dem Marktplatz. Die lauen Temperaturen lockten über 400 Frauen, Männer und Kinder an – so die ebenso offizielle wie spontane Schätzung von Heini Roth vom veranstaltenden Verkehrsverein Amriswil. Der mal alkoholfreie Traubensaft und mal alkoholhaltige Prosecco floss schon vor dem zwölften Glockenschlag in Strömen. «Rund 50 Flaschen dürften wir schon brauchen», schätzte derweil Verkehrsvereinspräsidentin Madeleine Rickenbach gut gelaunt und schenkte den Feiernden fleissig ein und nach.

Tücken der Technik

Die Partygäste eilten in Scharen zum Ort, wo der Stadtpräsident nach einigen Böllern und langem Glockengeläute Erbauliches von sich geben sollte. Und tatsächlich tat Martin Salvisberg alles, um den in ihn gesetzten Erwartungen gerecht zu werden. Er stand – wie weiland Stéphane Lambiel – rechtzeitig und bombensicher auf dem tückischen Eis und markierte inmitten von Halli-Galli-Feierlaune Präsenz.

Doch die Gefahr lauerte in diesen Minuten nach dem Jahreswechsel für den Magistraten nicht am Boden, sondern auf Kopfhöhe. Denn auch wenn Martin Salvisberg mehrmals zum offiziellen Neujahrsgruss ansetzte, so war von ihm doch nichts zu hören. Dies ganz einfach deshalb, weil das Mikrophon den Dienst versagte. Also schnell mal den Akku wechseln. Dachte man zumindest zuerst. Aber wenige Minuten später, die Salvisberg wie gefühlte Stunden vorgekommen sein dürften, war klar, dass «die ganze Anlage nicht funktioniert», wie ein Techniker betrübt einräumte. Man suche nach dem Fehler, hiess es.

Die nie gehaltene Rede

Mittlerweile merkten auch die ersten Partygäste, dass irgendetwas nicht stimmt. «Hat Salvisberg seine Rede vergessen?», fragte einer. Und eine Frau befand lapidar: «Er söll emol cho!» Wobei nicht klar war, wen sie meinte: den Ton oder den Stadtpräsidenten. Auf jeden Fall wurde aber gelacht und getratscht. Man wünschte sich gegenseitig ein «gutes neues Jahr», derweil auf dem Eis Martin Salvisberg einige weitere Momente tapfer ausharrte. Als auch das neue Mikro nicht funktionierte, brachte ein Schluck Prosecco die definitive Entscheidung.

Am Ende streckte Salvisberg dem auf die Ansprache wartenden Journalisten seine Notizen mit den Worten «Das ist die Rede, die nie gehalten wurde» hin – und verliess die Eisfläche.

«Keiner lebt für sich allein»

Hätte Salvisberg die Rede gehalten, dann hätten die Amriswiler erfahren, dass er sich in dieser mit der Frage «Wie geht es weiter?» beschäftigte. Wirtschaftlich sei 2016 mit einem «robusten Zuwachs» zu rechnen. Dennoch seien nach wie vor viele auf die Solidarität anderer angewiesen, denn «keiner lebt für sich allein, und jeder wird gebraucht», heisst es im Schriftstück weiter.

Und Salvisberg betont im Papier die Wichtigkeit des gemeinsamen Zupackens, denn «mit nur einer Hand lässt sich kein Knoten knüpfen oder auch ein Knoten lösen». Gemeinsam gehe es immer am besten. «Innovationen können eine Chance sein und auch Mut braucht es immer, wenn man etwas Neues wagt.» So steht es geschrieben im Manuskript des Stadtpräsidenten.