«Sport ist mein Leben»

AMRISWIL. Raphaela Fehr ist ausgebildete Fitnessinstruktorin. Vor kurzem hat sie die eidgenössische Prüfung bestanden und so den Fachausweis erworben. Ein noch wenig bekannter Beruf, mit dem sie ihr Hobby zum Alltag macht.

Gioia Zogg
Merken
Drucken
Teilen
Fitnessinstruktorin Raphaela Fehr zeigt die Kraftübung vor. (Bild: Gioia Zogg)

Fitnessinstruktorin Raphaela Fehr zeigt die Kraftübung vor. (Bild: Gioia Zogg)

Bereits drei Fitnessstudios gibt es in Amriswil, bald baut die Migros ein viertes. Das sind viele für die Bevölkerungsdichte. Raphaela Fehr arbeitet seit zwei Jahren als Praktikantin im Natural-Trainingscenter. Das Studio bot der gelernten Kauffrau die Ausbildungsmöglichkeit zur eidgenössisch diplomierten Fitnessinstruktorin.

Auf die Idee, in einem Fitnessstudio zu arbeiten, ist sie aus einem einfachen Grund gekommen: «Sport ist mein Leben, und ich wollte mein Hobby zu meinem Beruf machen.» Die ursprüngliche Schönenbergerin kannte das Natural-Trainingscenter durch ihren Freund, später wurde sie selber Mitglied. Die anfängliche Skepsis ihres Umfeldes ist heute verschwunden. «Viele fragten mich, ob ich das wirklich wolle und ob das überhaupt ein <richtiger Beruf> sei. Nach einer Weile zeigte sich aber, dass es tatsächlich der perfekte Beruf für mich ist.»

Ausbildung mit Diplom

Die Ausbildung zum eidgenössischen Fitnessinstruktor ist weitgehend unbekannt. «Es ist schade, dass so wenige um diesen Beruf wissen und realisieren, dass man auch einen Fachausweis erwerben kann. So kommt er bei vielen gar nicht erst in die Auswahl, geschweige denn, dass sich jemand tatsächlich für die Schulung entscheidet», sagt Fehr.

Die Ausbildung müsse nicht am Stück absolviert werden. Mehrmals pro Jahr werden die Modulseminare angeboten, die in Blöcken von fünf bis sieben Tagen absolviert werden. Raphaela Fehr hat die SAFS – Swiss Academy of Fitness & Sports in Zürich – besucht. Diese Schule biete eine ideale Kombination von Theorie und Praxis, die im Fitnesscenter eins zu eins übernommen werden könne. Um an die eidgenössische Prüfung zugelassen zu werden, sind zudem zwei Jahre praktische Erfahrung vorzuweisen.

Damit wäre es ein ideales System für Quereinsteiger wie sie, sagt die ehemalige Aussendienstmitarbeiterin einer St. Galler Stickerei. Ausserdem habe der Beruf eindeutig Zukunft: Fitness, Gesundheit und Ernährung würden immer wichtiger. Und auch die Fitnesscenter selber erlebten einen Imagewandel. «Früher ging man in die <Muckibude>. Heute haben viele Fitnessstudios ein Wellnessangebot und eine Lifestyle-Philosophie.»

«Das Beste sind die Kunden»

«Hier haben alle eine Gemeinsamkeit, den Sport. Das verbindet», sagt Raphaela Fehr. Die persönliche Beziehung zu den Kunden, die entstehenden Freundschaften und natürlich deren Erfolg beim Training seien mitunter das Beste am Beruf.

Eine andere interessante Erfahrung machte die Lernende mit dem «Wohlfühlprojekt», nach dem sie etwa ein Jahr ihres Praktikums absolviert hatte. Dabei handelte es sich um ein Praxisprojekt, das von Praktikanten in ihrer Lehrzeit betreut wird. Ungefähr 70 Testpersonen, die über ein Zeitungsinserat angeschrieben werden, erhalten vier Wochen lang gratis Zugang zum Fitnessstudio. Bedingung ist, dass sie zweimal pro Woche ein Zirkeltraining absolvieren und jede Woche an einem Vortrag zu Kraft-, Ausdauer- und Ernährungsthemen von der Betreuungsperson anwesend sind. 68 Prozent der Testpersonen hätten bei ihrem Projekt ein Jahresabo gelöst, sagt Raphaela Fehr. «Viele waren unglaublich überrascht über die Wirkung ihrer regelmässigen Bewegung. Diese Erfolge sind motivierend.»

Nicht immer sei ihr das Trainer-Dasein leichtgefallen, sie habe sich manchmal auch überwinden müssen. Gerade bei den Spinning-Kursen habe sie die Chance gehabt, an ihren Aufgaben zu wachsen. «Vor 15 gestandene Männer hinzustehen und diese zu animieren, sich noch etwas härter zu pushen, das musste ich zuerst lernen», sagt die 29-Jährige.

Qualität durch Fachausweis

Für Raphaela Fehr unterscheidet sich das Natural-Trainingscenter von anderen Studios. «Ich hüte mich immer davor, mich negativ über andere Center in der Umgebung zu äussern. Mir fällt aber auf, dass wir hier einen sehr herzlichen und familiären Umgang haben.» Egal, welchen Beruf oder gesellschaftlichen Status jemand habe, hier seien alle gleich. Dass diese ungezwungene Art so selbstverständlich sei, liege möglicherweise auch daran, dass das Natural-Trainingscenter mit nur 800 Mitgliedern eher ein kleines Studio sei.

Und ein wichtiges Plus sieht sie auch darin, dass im Team alle den eidgenössischen Fachausweis gemacht haben. Man könne ein Fitnessstudio auch ohne Prüfungsabschluss eröffnen, sagt Raphaela Fehr. Die Ausbildung sorge aber für einen hohen Standard bei der Qualität, dem Service und der Betreuung.