«Spitzenplatz für Weinfelden»

WEINFELDEN. Der Weinfelder Gemeindeparlamentarier Martin Müller hat im Parlament die Abstimmung zugunsten eines Energieförderprogrammes gewonnen. Im Interview erklärt er, weshalb dieses Programm für das Dorf wichtig ist.

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Martin Müller Gemeindeparlamentarier Freie Grüne (Bild: Quelle)

Martin Müller Gemeindeparlamentarier Freie Grüne (Bild: Quelle)

Herr Müller, Sie wollen, dass die Gemeinde Weinfelden ein Energieförderprogramm einführt. Das Parlament hat letzte Woche Ihrem Vorstoss zugestimmt, entgegen dem Willen des Gemeinderates. Wie geht es nun weiter?

Martin Müller: Der Gemeinderat legt innerhalb eines Jahres dem Parlament einen Antrag vor, bestehend aus einem Reglement für ein Weinfelder Energieförderprogramm sowie der Finanzierung des Förderfonds. Bei Reglementen ist es üblich, dass zuerst eine vorberatende Kommission und nachher das Parlament das Geschäft behandelt. Das Gemeindeparlament entscheidet zum Schluss über das Reglement des Energieförderprogramms und die Höhe der jährlichen Einlagen in den Förderfonds.

Sie arbeiten beim Kanton Thurgau und beraten die Gemeinden in Energiefragen. Weshalb sind Sie als Mitglied des Weinfelder Gemeindeparlamentes aktiv geworden?

Müller: Ins Weinfelder Parlament wurde ich als Privatperson gewählt. Dabei bringe ich mein berufliches Wissen zum Wohle von Weinfelden ein. Es ist mir ein grosses Anliegen, dass Weinfelden im Energiebereich einen Spitzenplatz im Thurgau einnimmt. Deshalb setze ich mich im Gemeindeparlament dafür ein. Im Rahmen meiner Arbeitsstelle berate ich die Gemeinden nur bei Fragen des Vollzugs des Energiegesetzes. Die Energieberatungsstellen und alle freiwilligen Massnahmen wie zum Beispiel kommunale Förderprogramme sind nicht in meinem Zuständigkeitsbereich.

Was bringt ein Energieförderprogramm der Gemeinde Weinfelden?

Müller: Ein Weinfelder Energieförderprogramm bringt der Gemeinde aus meiner Sicht nur Vorteile. Heute haben alle anderen Städte im Thurgau ein gemeindeeigenes Energieförderprogramm. Weinfelder Hausbesitzer und Unternehmen haben daher einen Standortnachteil. Mit einem massgeschneiderten Gemeinde-Förderprogramm kann dieser Nachteil sogar in einen Vorteil umgemünzt werden.

Inwiefern?

Müller: Durch namhafte Investitionsbeiträge werden die Hausbesitzer in Wärmedämmungen und Anlagen zur Nutzung von erneuerbaren Energien investieren. Diese Arbeiten führen die vielen darauf spezialisierten Weinfelder Handwerksbetriebe aus, was bedeutet, dass für die Gemeinde höhere Steuereinnahmen anfallen. Nachdem die Weinfelder Einwohner durch die Gemeinde an verschiedenen Anlässen überzeugt wurden, dass erneuerbare Energien und Wärmedämmungen sinnvoll sind, ist es nur folgerichtig, dass sie auch bei der Umsetzung dieser Massnahmen unterstützt werden. Ein gemeindeeigenes Energieförderprogramm ist ein wichtiger Schritt zum Label Energiestadt Gold. Dieses Label hat noch keine andere Stadt im Thurgau. Es könnte von Weinfelden entsprechend vermarktet werden.

Wie sieht es mit dem Aufwand aus?

Müller: Der administrative Aufwand für ein Energieförderprogramm kann klein gehalten werden, wenn die kantonalen Förderbedingungen übernommen werden oder die Bearbeitung ganz an den Kanton delegiert wird.

Wie wirkt sich ein Energieförderprogramm auf den einzelnen Einwohner aus?

Müller: Die Energiepreise für Öl und zum Teil auch Gas sind in der letzten Zeit stark gestiegen. Darum möchten viele Hausbesitzer mit Wärmedämmungen oder Solaranlagen diese Energiekosten senken. Leider werden viele von ihnen durch hohe Investitionskosten abgeschreckt, obwohl sich diese durch die tieferen Energiekosten in einigen Jahren amortisieren lassen. Ein Gemeinde-Förderprogramm mit namhaften Beiträgen senkt die einmaligen Kosten, so dass sich die Amortisationszeit verkürzt. So wird es für viele Hausbesitzer möglich, ihren C02-Ausstoss zu verringern und lokale Ressourcen zu nutzen.

In Ihrer Motion schreiben Sie, dass durch die Umsetzung des Energieförderprogramms bestehende Arbeitsplätze gesichert werden und neue entstehen könnten. Wie kann man das verstehen?

Müller: In Weinfelden werden 70 Prozent der Wärme durch die importierten Energien Öl und Gas erzeugt. Mehr als die Hälfte unseres Geldes fliesst dabei ins Ausland, und nur wenig bleibt in Weinfelden. Wenn in Wärmedämmungen und erneuerbare Energien investiert wird, sinkt der fossile Energieverbrauch, und weniger Geld fliesst in den Nahen Osten oder nach Russland. Die Arbeiten werden von Weinfelder Gewerbebetrieben ausgeführt. So wird importierte Energie durch lokale Wertschöpfung ersetzt. Für einen Förderfranken kann mit zusätzlichen Investitionen von sieben Franken gerechnet werden, das heisst, mit einer jährlichen Fördersumme von 100 000 Franken können Investitionen von 700 000 Franken in Weinfelden ausgelöst werden. Ein langfristig angelegtes Weinfelder Energieförderprogramm gibt den Firmen Sicherheit, dass Investitionen im Bereich erneuerbare Energien auch in Zukunft getätigt werden und sie ihre Betriebe entsprechend ausbauen können. Es kann sogar sein, dass sich aus diesem Grund neue Betriebe in Weinfelden ansiedeln.

Interview: Esther Simon

Energie sparen: In Weinfelden seit Jahren ein Thema. (Archivbild: sb)

Energie sparen: In Weinfelden seit Jahren ein Thema. (Archivbild: sb)

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