Spitz auf Spitz und Füdli auf Füdli

Gibt es beim Eiertütschen ein Rezept für den sicheren Sieg? Oder will man gar nicht gewinnen, damit das Ei schneller verspeist werden kann? Auf jeden Fall löst der erste Schlag mit einem «Tätsch» im Ei in vielen Gesichtern ein «oh nein» oder «oh je» mit zusammengekniffenen Augen aus.

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Gibt es beim Eiertütschen ein Rezept für den sicheren Sieg? Oder will man gar nicht gewinnen, damit das Ei schneller verspeist werden kann? Auf jeden Fall löst der erste Schlag mit einem «Tätsch» im Ei in vielen Gesichtern ein «oh nein» oder «oh je» mit zusammengekniffenen Augen aus. Oder eben den Siegesblick mit einem breiten Grinsen.

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In der Vollmondbar steht diesen Mittwoch das Eiertütschen im Zentrum. Mein Gegner entpuppt sich als echter Eierspezialist. Christian Schöni hält und pflegt bei sich zu Hause in Amriswil 100 Hühner. Der frischgebackene Pensionär nimmt aus dem Korb mit den vielen bunt gefärbten Eiern ein gelbes und dreht es fachmännisch in der Hand zwischen den Fingern. Er legt es wieder hin und meint: «Das ist zu leicht und hat darum zu viel Luft.» Schöni entscheidet sich für ein blaues. Es hat das richtige Gewicht und seine Intuition leitet ihn – meint er mit einem Lächeln.

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Ich selber taste mich bei den Eiern durch und spüre keinen Unterschied. Und leider habe ich auch keine Intuition. Also lege ich mein Glück in die gleiche Farbe wie der Eierspezialist. «Spitz auf Spitz und Füdli auf Füdli. Denn wenn Füdli auf Spitz trifft, gewinnt immer der Spitz», sagt Schöni.

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«Ladies first», meint der robuste Mann. Schöni hält das blaue Ei satt in seiner Hand. Das versuche ich auch und stelle schnell fest, dass das Ei in meiner Hand nicht so eng umhüllt Platz findet. Ich ziele – schlage zu – treffe die Eispitze meines Gegners und – oh je – nein – mein Ei hat einen Tütsch. Auch mit Füdli auf Füdli habe ich kein Glück gehabt. Mein Ei und ich sind aus dem Rennen. Woran liegt es? Falsche Schlagtechnik, schwaches Ei oder doch etwa die Farbe? Die Herren, die um den Eierkorb versammelt sind, beginnen zu analysieren. Der nächste greift zum Ei.

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Martin Brühlmann aus Zihlschlacht nimmt das Duell auf. Auch sein Vater Markus will es wissen. Zusammen mit Matthias Trunz. Dieser ist sich sicher: «Physikalisch gewinnt immer der, der zuerst zuschlägt», sagt der Mann aus Berg. Er holt aus, macht den ersten Schlag.

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Doch diesmal stimmt sein Leitsatz nicht und er meint mit einem Schmunzeln: «Es gibt halt keine Regel ohne Ausnahme. Das auch nicht beim Osterhasen.» Ich lache und beisse genüsslich in mein Ei.

Daniela Ebinger

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