Spielend deutsch lernen

ROMANSHORN. Die Primarschulgemeinde hat mit Erfolg bei Migranten für die Spielgruppe geworben. So viele ausländische Kinder wie noch nie haben sich fürs neue Schuljahr angemeldet.

Markus Schoch
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Aliye Gül

Aliye Gül

romanshorn. «Es ist sehr gut gelaufen.» Aljye Gül ist zufrieden. Insgesamt 55 von 89 in Frage kommende Kinder hätten sich für die Spielgruppe angemeldet, die Hälfte davon mit Migrationshintergrund.

In der Vergangenheit war der Anteil der Fremdsprachigen viel kleiner: Im letzten Jahr lag er bei 30 Prozent, im Jahr davor bei 27 Prozent. 17 Kinder werden die Spielgruppe nach den Sommerferien einmal pro Woche besuchen, 38 zweimal.

Briefe in der Muttersprache

Die hohe Quote ist einer Idee von Gül zu verdanken, die Mitglied der Primarschulbehörde ist und als Delegierte der Behörde im Vorstand der Spielgruppe sitzt. Sie schlug vor, die Migranteneltern in ihrer Muttersprache anzuschreiben (TZ berichtete). Der Brief mit dem Signet der Primarschulgemeinde und Unterschrift des Präsidenten wurde in albanisch, serbokroatisch, türkisch und portugiesisch aufgesetzt.

Darüber hinaus suchten neu sogenannte Kulturvermittlerinnen das Gespräch mit Migranten, die ihre Kinder trotz schriftlicher Aufforderung nicht angemeldet hatten. Sie schafften es, nachträglich eine albanische und drei türkische Familien für die Spielgruppe zu gewinnen. Damit ist die Arbeit der Kulturvermittlerinnen nicht getan. Sie werden gemäss Gül bei speziellen Anlässen oder Problemen zugezogen.

«Ein Erfolg»

Von einem «Erfolg» spricht Jeannette Tobler, die Präsidentin der Spielgruppe. «Wir sind jetzt voll.» Geführt werden fünf Gruppen, von denen zwei wie bisher im Wald spielen. In die Natur ziehe es vor allem Schweizer Kinder, sagt Tobler. «Das ist wahrscheinlich eine Mentalitätsfrage.»

An der Primarschule in Romanshorn haben 40 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund. Im Kindergarten braucht heute jedes dritte Ausländerkind Nachhilfe in deutscher Sprache, was die Primarschulgemeinde jährlich 90 000 Franken kostet.

Diverse Projekte

Sie hat deswegen diverse niederschwellige Projekte angestossen mit dem Ziel, ausländische Kinder zu fördern und besser zu integrieren. Im Herbst startet in zwei Klassen ein Versuch mit sogenannten Patenfamilien. Im Frühling stellten sich die Vereine in einer Art Tischmesse vor.

Spielgruppe Romanshorn: Mit gezielter Werbung konnte die Primarschule viele Ausländerfamilien für das Angebot gewinnen. (Bilder: Markus Schoch)

Spielgruppe Romanshorn: Mit gezielter Werbung konnte die Primarschule viele Ausländerfamilien für das Angebot gewinnen. (Bilder: Markus Schoch)