Spiele verhindern Feuerwehrübungen

Mit dem Projekt «Spiel mit mir» unterstützt die Mütter- und Väterberatung überforderte Eltern bei der frühkindlichen Erziehung. Nach drei Jahren ist klar, dass sich die Förderung lohnt.

Cyrill Rüegger
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Helfen den Eltern auf spielerische Art: Monika Schuppli-Foster, Ursi Häfner-Neubauer und Ursi Senn-Bieri. (Bild: Cyrill Rüegger)

Helfen den Eltern auf spielerische Art: Monika Schuppli-Foster, Ursi Häfner-Neubauer und Ursi Senn-Bieri. (Bild: Cyrill Rüegger)

WEINFELDEN. «Es gibt Kinder, die kommen in den Kindergarten und wissen nicht, wie sie eine Schere halten sollen», sagt Ursi Häfner. Sie ist Koordinatorin des Projekts «Spiel mit mir», das überforderte Eltern aus dem Bezirk Weinfelden bei der Erziehung von Kindern zwischen einem und vier Jahren unterstützt. Mit einem Spielkoffer gehen sogenannte Hausbesucherinnen insgesamt zehnmal bei einer Familie vorbei. Dabei zeigen sie den Eltern, wie sie eine gute Beziehung zu ihrem Kind aufbauen und dessen Entwicklung spielerisch fördern können.

Kinder in Alltag einbeziehen

Der Zugang übers Spielen sei einerseits einfach und andererseits sehr wirkungsvoll, erklärt Häfner. «Wie hatten beispielsweise eine Mutter, die ihre Kinder jeweils vor den Fernseher gesetzt hat, wenn sie den Haushalt erledigen musste.» Die Hausbesucherin habe der Mutter dann gezeigt, wie einfach sich die Kinder in den Alltag einbeziehen lassen. «Den Kindern kann es beispielsweise Spass machen, beim Aufhängen der Wäsche die Klammern zu reichen», sagt Häfner. Um die Zusammenarbeit zu erleichtern, werden meist Hausbesucherinnen aus demselben Kulturraum wie die Familie eingesetzt.

Auch Monika Schuppli von der Mütter- und Väterberatung der Perspektive Thurgau ist vom Projekt überzeugt: «Durch die Hausbesuche können wir mögliche Defizite der Kinder schon frühzeitig erkennen.» Teure Feuerwehrübungen im nachhinein würden damit verhindert.

Weitere Finanzierung noch offen

Das Projekt «Spiel mit mir» wurde 2009 von den Gemeinden des alten Bezirks Weinfelden, den Primarschulgemeinden und der Mütter- und Väterberatung initiiert und mit einem finanziellen Beitrag des Kantons Thurgau unterstützt. Ende 2013 läuft das Projekt aus. Um über die Weiterführung zu entscheiden, wurde eine Evaluation der bisherigen Tätigkeit durchgeführt. «Diese hat gezeigt, dass sich die gezielte Förderung benachteiligter Kinder noch vor dem Kindergarten lohnt», sagt Gemeinderätin Ursi Senn-Bieri. Zwar sei die weitere Finanzierung noch nicht definitiv gesichert. Sie gehe aber fest davon aus, dass das Projekt auch weiterhin besteht.

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