Spielchen mit einem hohen Preis

Es war keine Lehrstunde in Politik, die Parlament und Stadtrat am Dienstagabend boten. Nicht nur die Schüler im Publikum dürften angesichts des Hin und Her im Zusammenhang mit der Verkehrskommission verständnislos den Kopf geschüttelt haben.

Markus Schoch
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Es war keine Lehrstunde in Politik, die Parlament und Stadtrat am Dienstagabend boten. Nicht nur die Schüler im Publikum dürften angesichts des Hin und Her im Zusammenhang mit der Verkehrskommission verständnislos den Kopf geschüttelt haben.

Auch wenn Parlament und insbesondere der Stadtrat gute Gründe haben, keinen Millimeter von ihrer Position abzuweichen, kann es nicht sein, dass sie sich gebärden wie kleine Kinder, die am Kiosk stehen und um keinen Preis nach Hause wollen, bevor sie ein Glace bekommen.

Genau so verhalten sie sich aber: Der Stadtrat will sich mit Verweis auf die Gemeindeordnung partout nicht vom Parlament sagen lassen, welche Mitglieder er in die Verkehrskommission wählen muss. Und darum hat er ihm am Dienstag die genau gleiche Namenliste vorgelegt, die es vor vier Monaten bereits ein erstes Mal abgelehnt hat. SP und SVP zahlten es der Behörde mit der gleichen Sturheit zurück, indem sie das Geschäft erneut an den Absender retournierten.

Mit solchen Spielchen verspielen die Politiker das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Fähigkeit und vor allem ihren Willen, die anstehenden Probleme zu lösen. Doch zu diesem einzigen Zweck sind sie gewählt – und allein daran werden sie gemessen.

Tröstlich im konkreten Fall ist einzig, dass sich die Sache bald erledigen wird. Aber nicht, weil die Beteiligten endlich ein Einsehen hätten, sondern weil die Mehrheitsverhältnisse im Parlament ändern: Die erstarkten Mitteparteien werden dem Spuk ein Ende setzen und SP und SVP in die Schranken weisen. Den Imageschaden werden sie aber auch nicht rückgängig machen können.

@thurgauerzeitung.ch