Spezialist rückt Wespen zu Leibe

AMRISWIL. Wer in seinem Haus ein Wespenvolk hat, weiss: Die Insekten können die Freude am Essen unter freiem Himmel gründlich verderben. Die Feuerwehr Amriswil verweist für die Entfernung von Nestern auf den Fachmann.

Luisa Gomringer
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Der alte Verkäuferli-Laden auf dem Dachboden der Familie Iseli in Schocherswil wurde von den Wespen zum Nistplatz auserkoren. (Bild: Reto Martin)

Der alte Verkäuferli-Laden auf dem Dachboden der Familie Iseli in Schocherswil wurde von den Wespen zum Nistplatz auserkoren. (Bild: Reto Martin)

Auf dem Dachboden von Agnes und Kurt Iseli herrschte bis vor kurzem reges Leben. Extrem viele Wespen liessen vermuten, dass sich irgendwo ein Nest befinden muss. Jeden Tag saugte Agnes Iseli mit ihrem Staubsauger Hunderte von Wespen ein, doch es nahm kein Ende. Trotz der Ungewissheit, ob es überhaupt ein Nest gibt, rief sie den von der Feuerwehr Amriswil empfohlenen Spezialisten Ernst Schneider an.

Am selben Abend noch lief dieser mit einer Stirnlampe auf dem Kopf und einem hochgiftigen Spray in der Hand die Treppen zum Dachboden hinauf. Er wies Agnes und Kurt Iseli an, kein Licht zu machen. Ein paar Minuten und drei Wespenstiche später fanden die drei im Fensterrahmen einen Schwarm Wespen. Ernst Schneider sprühte den Rahmen mit dem Spray ein, ein unausstehlicher Gestank breitete sich daraufhin im ganzen Raum aus.

Toni Huser Spezialist für Wespennester

Toni Huser Spezialist für Wespennester

Das Nest gefunden

Als Agnes Iseli am nächsten Morgen den Dachboden betrat, staunte sie über den Wespenfriedhof. Der Staubsauger wurde ein weiteres Mal geholt. Beim Absaugen der Bücher und Kisten traute Agnes Iseli ihren Augen nicht, als sie den alten Verkäuferli-Laden der Kinder umdrehte, denn sie hatte das gesuchte Wespennest gefunden.

Da sich die Dämpfe, die der Spray von Schneider freisetzte, im ganzen Raum verteilt hatten, war das Nest unbelebt und ruhig. Agnes Iseli trug es in den Garten. Die Plage war damit für die Familie zu Ende. Genau für solche Fälle weist die Feuerwehr Amriswil auf ihrer Internetseite auf zwei Spezialisten hin, bei denen man sich telefonisch melden soll.

Die Feuerwehr selbst bietet ihre Hilfe bei Wespen nicht mehr an. «Ein Wespennest ist kein Notfall», begründet Feuerwehrkommandant Markus Schoch. «Gerade wenn es so viele Wespennester gibt wie in diesem Jahr, sind wir froh, die Aufgabe den Spezialisten überlassen zu können» sagt Markus Stamm.

Der Aufwand war zu gross

Weshalb die Feuerwehr Amriswil nicht mehr selbst ausrückt, wenn Probleme mit Wespen bestehen, versteht Toni Huser gut. Er war selbst jahrelang bei der Feuerwehr Amriswil und steht nun seit zehn Jahren als einer der zwei Spezialisten für die Entfernung von Wespennestern zu Verfügung: «Für die Feuerwehr wurde es zu aufwendig, jedesmal zwei Feuerwehrangehörige zu schicken. Es kostet viel Zeit und auch für den Betroffenen wird es teuer.» Bei Toni Huser ist die Prozedur auch kostenpflichtig. Der Betrag pendelt zwischen 30 und 50 Franken pro Stunde, je nach Aufwand.

«Es gibt verschiedene Varianten, ein Wespenvolk zu vernichten», erklärt Toni Huser. «Man kann es mit einem Spray, der Insektizide enthält und die Wespen in kurzer Zeit tötet, probieren oder man räuchert das Nest aus.» Beides sei aber nicht ganz ohne, wenn es nicht der Profi mache. «Es ist auch schon vorgekommen, dass ein Betroffener beim Räuchern fast das Haus angezündet hat», sagt Huser. Deshalb ist es sicherer, den Fachmann zu holen, der das Nest abends, wenn die Wespen ausruhen, vernichten kann.

Früchte ziehen Wespen an

«Dieses Jahr ist es extrem mit den Wespen», sagt Huser. «Ich mache durchschnittlich sechs Hausbesuche in der Woche.» Es sei wegen dem guten Wetter: «Wenn das Wetter schön warm ist, wachsen mehr Früchte, und das zieht die Wespen an.» Andauern wird das voraussichtlich noch bis November. «Wenn es das erste Mal wieder richtig kalt wird, gehen die Wespen von alleine ein», erklärt Toni Huser.