Spechte klopften mit Ironie und Witz

Das Trio Heinz de Specht begeisterte im Theater an der Grenze mit «Macht uns fertig». Eine Truppe spiesst die Schweiz von unten auf.

Louise Jochims
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«Macht uns fertig»: Roman Riklin, Daniel Schaub und Christian Weiss. (Bild: Louise Jochims)

«Macht uns fertig»: Roman Riklin, Daniel Schaub und Christian Weiss. (Bild: Louise Jochims)

Kreuzlingen. Selbst kurz vor dem Untergang der Welt hätte Martin Luther noch ein Apfelbäumchen gepflanzt. Die Band Heinz de Specht pflanzt zwar keins, aber wenn schon der Niedergang der abendländischen Kultur bevorsteht, den sie so fulminant besingt, dann wenigstens mit viel poppiger Musik, mit Gesang, Texten, Frechheit, Ironie, Witz.

Weg in den freien Fall

Im Theater an der Grenze schaffte es das Trio Christian Weiss, Daniel Schaub und Roman Riklin mit seinem Programm «Macht uns fertig» mühelos, das Publikum auf diesem Weg in den freien Fall der abendländischen Kultur mitzureissen. Gut geklopft, ihr Spechte.

Mehr als ein echter Specht

Ein Specht schafft es spielend, zwölftausendmal pro Tag seinen Schnabel gegen einen Baumstamm zu donnern. Wie viele Noten Heinz de Specht am Mittwoch in den Theaterraum entlassen hat, konnte natürlich nicht festgestellt werden, ein paar mehr als die Schläge der Spechte dürften es jedoch gewesen sein.

Fragen des Anstands

Das war die Qualität eines gekonnten musikalischen Blödelns, hinter dem sich mehr verbirgt als auf Anhieb gedacht. Denn es werden ja immerhin essenzielle Fragen geklärt. Darf man zum Beispiel zu einer Schwangeren sagen: «Grüezi miteinand»? Die Musiker kamen zu dem Schluss: «Das darf man nicht, und da halt ich mich auch dran.»

Von Martini zu Bikini

In ihren Texten spiesst Heinz de Specht genüsslich die Schweiz «von unten auf». Die Sorgen, Mühe, die Liebe, die Frechheiten und vieles andere mehr der sogenannten «kleinen Leute». Eine ihrer Stärken ist sicher das Reimen. Von «Martini zu Bikini, Tortellini, reini, kleini Chinni, mit dir bin i noch lange ni fini.» Zum Schluss muss man erstmal tief Atem holen. Prachtvoll ist auch die Parodie auf den zweijährigen Bubi, der schon «Arschloch» sagen kann und ein Luftgewehr auf einen Rentner richtet. Aber es ist doch ach so reizend mit einem Kind. Die Menschen, hier das Publikum, kann sich in den Songs widerspiegeln, und wenn das auf eine so gekonnte witzig-ironische Art und Weise geschieht, sieht man gern in diesen Spiegel hinein.

Beitrag zu einer besseren Welt

Aber es sind längst nicht nur die Blödeleien, die Wortspiele, die das Programm ausmachen. Was auch auf die Dauer langweiliger wäre. Ganz plötzlich können die Musiker nachdenkliche, melancholische Lieder vortragen («Seit ich dich kenne») oder versuchen, wie sie sagten, mit ihren Songs zu einer besseren Welt beizutragen: «Es hat kein WC-Papier mehr», daran wird die Zerstörung unserer Umwelt und besonders das Abholzen der Regenwälder aufgezeigt. «Macht uns fertig»? Nein, das machte das Publikum ganz und gar nicht, vielmehr liess es die drei nur sehr ungern ziehen und forderte immer wieder zu Zugaben heraus. Das allerdings könnten die Spechte tun: ihren Abgang kürzen, der zog sich zum Schluss dann doch etwas arg hin.

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