«Spange Süd» in der Schwebe

ARBON. Ein Rekurs blockiert die geplante Verbindung von Stachen zum A1-Zubringer «Arbon Süd». An der künftigen «Spange Süd», im Gebiet Rietli, soll eine grosse Wohnüberbauung erstellt werden.

Max Eichenberger
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In den Roggwilerwiesen sieht der Richtplan eine «strategische Arbeitszone» vor. Der Kanton will potenten Investoren Land zuhalten können. (Bilder: Max Eichenberger)

In den Roggwilerwiesen sieht der Richtplan eine «strategische Arbeitszone» vor. Der Kanton will potenten Investoren Land zuhalten können. (Bilder: Max Eichenberger)

arbon. Die Gemeinde Roggwil knüpft an die «Spange Süd» Erwartungen. Die Hubgasse soll entlastet werden. «Wir haben hier tatsächlich ein veritables Problem mit dem Verkehr», sagt Gemeindeschreiber Rico Schori.

Roggwil plagen Lastwagen

Seit die Altstadt von Arbon mit einem Durchfahrverbot für den Schwerverkehr belegt ist, hat anderseits die Belastung der Roggwiler Hubgasse deutlich zugenommen. Nicht nur die Frequenzen und damit die Lärmimmissionen sind ein Problem. Strapaziert wird beim gesteigerten Verkehrsaufkommen im unübersichtlichen Nadelöhr auch die Verkehrssicherheit.

Auch Arbon braucht die Spange

Die Stadt Arbon braucht die «Spange Süd» ebenfalls. Denn nur gekoppelt mit dieser Verbindungsstrasse von Stachen zum A1-Zubringer «Arbon Süd» kann die im Bau befindliche neue innerstädtische Kantonsstrasse (NLK) der Bahnlinie entlang neben der Altstadt auch die Wohngebiete an der Landquartstrasse nachhaltig entlasten. Dies haben sowohl Exponenten des Kantons als auch der Stadt im Vorfeld der Abstimmung klar betont.

Verkehr an Peripherie abfliessen

Der Verkehr soll an die Peripherie abfliessen und nicht das Zentrum verstopfen. Die Kantonsstrasse bedinge die «Spange Süd», um die Entlastungsziele zu erreichen. Den Anwohnern der Landquartstrasse wurde versprochen, dass die «Spange Süd» zumindest zeitgleich mit der neuen Kantonsstrasse in Betrieb gehe. Ob dies so sein wird, scheint indes fraglich.

Widerstand gegen Erschliessung

Sowohl für Roggwiler wie für Arboner Gewerbe- und Wohngebiete wird die «Spange Süd» auch eine Erschliessungsfunktion haben. Verschiedene Areale sind oder werden noch beidseits der Gemeindegrenze eingezont.

In Roggwil läuft die Revision der Ortsplanung. Sie passierte zwar die Gemeindeversammlung. Dagegen wurden aber Rechtsmittel ergriffen. Weil ein Rekurs hängig ist und derzeit beim kantonalen Departement Bau und Umwelt liegt, blockiert das laufende Verfahren auch die Projektierung der Spange.

Gegen die Erweiterung der Gewerbezone (Entsorgungsunternehmen Kurt Eberle AG) wenden sich die Hahnberg-Schlosseigentümer und die Gemeinde Berg.

Katze im Sack

Einwendungen derselben Parteien richten sich zudem gegen die sogenannte «strategische Arbeitszone» in den Roggwilerwiesen, die Inhalt ist sowohl des kommunalen wie des kantonalen Richtplans. Eine planerische «Katze im Sack» stösst in der Anwohnerschaft auf Argwohn.

Solche strategischen Arbeitszonen sieht der Kanton vor, um grössere Gewerbeansiedlungen ohne langes Verfahrensprozedere zu ermöglichen. Mehrfach sind dem Kanton oder Gemeinden Investoren vom Haken gegangen, weil sich Ansiedlungen nicht realisieren liessen oder die Hürden dafür zu hoch waren.

Schlossensemble beeinträchtigt

Die Einsprecher fürchten, dass die schützenswerte Schlosslandschaft auf dem Hahnberg durch gewerbliche Aktivitäten in der heute weitgehend unberührten Ebene beeinträchtigt würde. Die «Spange Süd» würde solchen Tür und Tor öffnen.

Die Rekurrenten berufen sich unter anderem auf ein Bundesgerichtsurteil, das seinerzeit eine Mobilfunkantenne im Umfeld der Schlösser für unzulässig erklärt hatte. Eine Antenne steht inzwischen jedoch praktisch in Sichtweite beim Zubringer.

Gutachten soll Klarheit bringen

Rekursverhandlungen haben bereits stattgefunden. Ein noch ausstehendes Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission soll in diesem Spannungsfeld Klarheit bringen.

Damit die Roggwiler Ortsplanung nicht als Ganzes blockiert ist und der grösste Teil des Planungsinstruments rechtskräftig erklärt werden kann, bot der Kanton Schori zufolge dazu Hand, den strittigen Teil auszuklammern.

Umstritten bleibt die Linienführung der Spange im südlichen Bereich durch das geplante Gewerbegebiet. «Die vorgeschlagene Variante stellt sicher» so Schori, «dass in erster Linie die Erschliessung des geplanten Gewerbegebietes und später der strategischen Arbeitszone sichergestellt werden kann.»

Studie noch unter Verschluss

Mit den wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Arbeitszone in Roggwil setzt sich eine eigens in Auftrag gegebene Studie auseinander. Wie Schori und der Arboner Stadtammann Martin Klöti bestätigen, seien die Ergebnisse vorerst intern präsentiert worden. Sie würden noch in diesem Kreis analysiert, ehe sie öffentlich gemacht werden.

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