Sozialen Ausgleich gefordert

Ulrich Schmidli zeigte in Bischofszell die Probleme auf, die das Auseinandergehen der Lohnschere, gepaart mit unsozialen Steuersystemen, mit sich bringt.

Erwin Schönenberger
Drucken
Ulrich Schmidli, Festredner in Bischofszell, singt aus voller Kehle mit. (Bild: Urs Bucher)

Ulrich Schmidli, Festredner in Bischofszell, singt aus voller Kehle mit. (Bild: Urs Bucher)

BISCHOFSZELL. So gut besucht wie am Sonntagmittag war bisher kaum eine Bundesfeier in Bischofszell. Lag es wohl daran, dass nach dem Gottesdienst in der Johanneskirche ein Gratis-Brunch angeboten wurde? Oder am schönen Sommerwetter oder am Festredner? Mit dieser Art der Bundesfeier scheinen die Organisatoren des Verkehrsvereins Bischofszell voll ins Schwarze getroffen zu haben.

Die Mitte allen Tuns ist Gott

Der Gottesdienst, der von der Stadtmusik unter der Leitung von Manfred Kast musikalisch umrahmt wurde, stand ganz im Zeichen des göttlichen Fundaments für alles, was im Leben wichtig ist. Gemeindehelfer Daniel Aebersold zeigte sich dankbar für das Fundament, das unsere Vorfahren für unser Heimatland aufgebaut haben.

In seiner Predigt verkündete Pfarrer Max Mündle den zahlreichen Zuhörern, wie sich die Worte von Psalm 127 auch auf die heutige Zeit beziehen. «Wo Gott der Herr das Haus nicht baut, da ist umsonst der Menschen Fleiss», heisst es in diesem Psalm. Auch heute sei es unerlässlich, so der Seelsorger, bei allem Tun Gott in den Mittelpunkt zu stellen.

Auswüchse angeprangert

Nach dem vom Verkehrsverein Bischofszell offerierten reichhaltigen Brunch ging die eigentliche Bundesfeier auf der Wiese nördlich des neuen evangelischen Kirchenzentrums über die Bühne. Festredner Ulrich Schmidli zeigte sich dankbar dafür, dass es der Schweiz und ihren Einwohnern gutgeht, doch: «Armut einerseits und grenzenloser Reichtum andererseits sind weltweit verbreitet, und da macht auch die Schweiz keine Ausnahme.» Der freien Marktwirtschaft sei wohl der Wohlstand zu verdanken, es gebe dabei aber immer wieder Pannen und Auswüchse.

Besonders wandte sich der ehemalige SP-Regierungsrat gegen die Auswirkungen des Zauberworts «Steuerwettbewerb». Damit würden die höchsten Einkommen entlastet, während die unzähligen «Working Poors» besonders darunter zu leiden hätten. Bei den Steuern müssten die Spiesse gleich lang sein, und alle müssten davon profitieren. Dies sei gegenwärtig nicht der Fall, obschon die Bundesverfassung den sozialen Ausgleich wolle, stellte der Redner fest.

Zum Glück hätten inzwischen verschiedene Kantone, darunter auch der Thurgau, die neue Art der Finanzpolitik, welche die Reichen entlastet, deutlich abgelehnt, schloss Schmidli seine Ansprache.

Mit Begleitung der Stadtmusik wurden während der Feier nicht nur das «Thurgauerlied» und die Nationalhymne gesungen. Da erklang auch wieder einmal das fast vergessene «Bischofszeller Lied».