Sonntagnachmittag im Kino

Der Frühling ist schüchtern. Nicht nur in Amriswil, auch in New York traut er sich nicht so recht. Seine Anstrengungen gegen den dominanten Winter scheinen aussichtslos, vorerst zumindest. Ideales Wetter für einen Kinobesuch: «Olympus Has Fallen». Der Plot des Films ist in drei Sätzen erzählt.

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Der Frühling ist schüchtern. Nicht nur in Amriswil, auch in New York traut er sich nicht so recht. Seine Anstrengungen gegen den dominanten Winter scheinen aussichtslos, vorerst zumindest. Ideales Wetter für einen Kinobesuch: «Olympus Has Fallen». Der Plot des Films ist in drei Sätzen erzählt. Satz eins: Ein nordkoreanischer Terrorist greift das Weisse Haus in Washington an und veranstaltet ein wildes Gemetzel mit vielen Toten. Satz zwei: Der Terrorist nimmt den Präsidenten als Geisel und gelangt an die Sicherheitscodes amerikanischer Atombomben. Satz drei: Ein einzelner Held rettet den Präsidenten und bewahrt die restliche Welt vor einem Atomkrieg. Happy End: Das Weisse Haus liegt zwar in Schutt und Asche, aber das Gute hat gesiegt. Bereits am ersten Wochenende hat der Film knapp die Hälfte seiner Produktionskosten von 70 Millionen Dollar eingespielt. Wer glaubt, in den Kinosesseln hätten nur irgendwelche actionsüchtige 25jährige Nerds Popcorn in sich hineingeschaufelt, irrt. Im Publikum waren auch – zu meiner Verwunderung – zahlreiche Kinder. Acht-, neun-, zehnjährige. Ein gemütlicher Familienausflug ins blutige Action-Kino. Nicht in den verwegensten Träumen käme es mir in den Sinn, meine sechsjährige Tochter zu so einem Streifen mitzunehmen. Da diskutiert das Land nach dem Amok an der Sandy-Hook-Schule über ein strengeres Waffengesetz und über den besseren Schutz von Kindern. Gleichzeitig scheint es aber völlig normal, seine Kinder in blutige Filme mitzunehmen. Auch bei der Motion Picture Association of America, die für die Alterseinstufung von Filmen zuständig ist, sind Kinder willkommen. Unter 17-Jährige dürfen «Olympus Has Fallen» sehen, wenn sie in Begleitung eines Erwachsenen sind. God Bless America.

Philipp Bürkler

Philipp Bürkler war Nachrichtenredaktor beim Schweizer Radio. Der aus der Region Amriswil stammende Journalist lebt derzeit in New York. In einer alle zwei Wochen erscheinenden Kolumne berichtet er über die kulturellen und gesellschaftlichen Unterschiede seiner alten und seiner neuen Heimat. Wer mehr von Philipp Bürkler wissen möchte, kann ihm über Twitter folgen: twitter.com/RocketXpress.

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