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SOMMERI: Der Wald ist sein zweites Zuhause

Michel Rosset ist Jagdaufseher im Revier Sommeri. Täglich ist er im Güttinger Wald mit seinem Hund unterwegs. Jagen sei mehr als das Erlegen von Tieren, findet Rosset.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Jagdaufseher Michel Rosset ist zusammen mit seinem Hund Hamer, einer Slowakischen Schwarzwildbracke, unterwegs im Jagdrevier Sommeri. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Jagdaufseher Michel Rosset ist zusammen mit seinem Hund Hamer, einer Slowakischen Schwarzwildbracke, unterwegs im Jagdrevier Sommeri. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

amriswil@thurgauerzeitung.ch

«Die Natur – ganz besonders der Wald und die Wildtiere bedeuten mir sehr viel», sagt Michel Rosset. Zusammen mit seinem Jagdhund namens Hamer, einer Slowakischen Schwarzwildbracke, durchstreift er jeden Tag den Güttinger Wald. «Dieser Wald ist schon fast mein zweites Zuhause, hier kenne ich jeden Winkel», erzählt er und lacht. Michel Rosset ist seit einigen Jahren Jagdaufseher im Revier Sommeri, im Güttinger Wald.

Die Jagd in diesem Wald wird nach den geltenden Gesetzen von Bund und Kanton als Revierjagd durchgeführt. Mehrere Jäger haben sich zu einer Jagdgesellschaft zusammengeschlossen und haben für acht Jahre ein Jagdrevier gepachtet, in dem nur sie und ihre Gäste jagen dürfen. Der Güttinger Wald ist aufgeteilt in vier Jagdreviere: Sommeri, Güttingen, Kesswil und Altnau. Die Grenzen bilden vornehmlich Strassen und Wege. Das Revier Sommeri wird vom Jagdaufseher und Obmann der Jagdgesellschaft Michel Rosset betreut sowie von den Jägern Beat Oberholzer, Robert Hess und Marcel Nater. Sie alle arbeiten unentgeltlich.

Die Anforderungen an die Jäger sind heute sehr hoch, denn Jagen bedeutet weit mehr als nur das Erlegen von Wildtieren. «Es ist schade, dass das Jägersein oftmals nur darauf reduziert wird», bedauert Michel Rosset. Die Jagd umfasse nämlich auch zahlreiche andere Tätigkeiten; dazu gehö­ren die Überwachung von Wildtieren und deren Gesundheit sowie die Erhaltung und Pflege der Lebensräume.

«Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit besteht aus der Hilfeleistung bei Wildtierunfällen auf den Strassen», erzählt der passionierte Jäger. Es gab schon Wochen mit vier Anrufen deswegen. «Bei Wildtierunfällen werde ich von der Polizei aufgeboten», erklärt der im Aussendienst tätige Michel Rosset. Sein Beruf ermögliche es ihm, in solchen Situationen meist flexibel zu sein.

In diesem Frühjahr gab es kein einziges totes Kitz

Um die Rehkitze vor dem Tod durch die Mähmaschinen zu bewahren, geben die Retter alles. Von Mai bis Juni hatte die Jagdgesellschaft mit dem sogenannten «Verblenden» der zu mähenden Wiesen viel zu tun. Die Jäger steckten Eisenstangen in die Wiesen, an denen blinkende Baustellen-Lampen und CDs befestigt waren. «Die Rehe fühlen sich dadurch gestört und bringen ihre Jungen an einen anderen Ort», erklärt der Jagdaufseher. In diesem Frühjahr gab es kein einziges totes Kitz im Revier Sommeri.

«Vor zwei Jahren habe ich ein Rehkitz in einer Wiese gefunden, es mit Grasbüscheln aufgehoben und in den Wald getragen», erinnert sich Michel Rosset. Kurz darauf beobachtete er, wie die Rehgeiss ihr Junges zu sich geholt hat. «Das war ein wahnsinnig schöner Moment.»

Für Schadensmeldungen am Kulturland ist ebenfalls die Jagdgesellschaft zuständig. Wildschäden häufen sich und seien oftmals massiv. Gerade Wildschweine machen den Bauern immer mehr zu schaffen. Ihre Fresslust hinterlässt beträchtliche Schäden. Sie fressen mit Vorliebe Mais und wühlen mit der ganzen Rotte über Nacht die Felder um. Im heimischen Wald nehme die Population der Wildschweine wegen den relativ milden Wintermonaten und dem grossen Äsungsangebot stark zu.

Zahlreiche Füchse erkranken immer öfters an der Fuchsräude – eine stark juckende Hauterkrankung, die durch Milben hervorgerufen wird. Wohl oder übel müssen diese kranken Tiere erlegt werden, denn die Krankheit ist ansteckend. Da Füchse immer häufiger in Wohngebieten auftauchen, empfiehlt Michel Rosset, Hunde und Katzen regelmässig zu entwurmen. Der Fuchsbandwurm sei nach wie vor ein grosses Thema. Der Parasit könne auch durch den Verzehr von Waldbeeren, Pilzen und Bärlauch auf den Menschen übertragen werden. Wer nicht auf wildwachsende Beeren, Pilze oder Kräuter verzichten möchte, sollte diese vor dem Verzehr gründlich mit Wasser reinigen oder kochen.

Salzlecksteine für die Wildtiere

«Da unsere Böden mittlerweile immer weniger Mineralstoffe enthalten, stellen wir Jäger auch Salz-Lecksteine im Wald auf», erzählt der Jagdaufseher. Wildtiere, vor allem vegetarisch lebende, benötigen nämlich Mineralstoffe, die im Salz enthalten sind.

Jagd- und Schonzeiten sind je nach Tierart verschieden. Ab 1. Oktober beginne jeweils die Treibjagd und dauere bis Ende Jahr. An einem Tag im Herbst seien dann alle Jäger der vier Jagdreviere gemeinsam im Güttinger Wald auf der Jagd. «Das ist immer ein besonderes Erlebnis», sagt Michel Rosset und ergänzt, dass er sich ein Leben ohne Wald und Wildtiere gar nicht mehr vorstellen könne. «Als Jäger verbringe ich sehr viel Zeit im Wald. Das Arbeiten in der Natur schafft einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit.»

Weitere Infos zur Jagd

www.jagd-tg.ch

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