Soll Kesswil kesser werden?

KESSWIL. Alle Kandidaten für die Gemeindebehörde gaben an einer Wahlveranstaltung ausführlich über ihre Motivation und ihre Visionen Auskunft. Nun bleibt den Kesswilern die Wahl: Für mehr Bewahrung oder für mehr Erneuerung.

Marion Theler
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Stellen sich der Wahl: (von links) Kurt Henauer, Klaus Geering, Karin Bétrisey, Reto Eilinger, Thomas Nobs, Edith Brönimann und Walter Knöpfli. (Bild: Marion Theler)

Stellen sich der Wahl: (von links) Kurt Henauer, Klaus Geering, Karin Bétrisey, Reto Eilinger, Thomas Nobs, Edith Brönimann und Walter Knöpfli. (Bild: Marion Theler)

Eigentlich und nicht verwunderlich wollen alle Kandidatinnen und Kandidaten für die Kesswiler Gemeindebehörde ihr geliebtes Dorf bewahren und doch auch erneuern. Dies konnte man an der aufwendig organisierten Wahlveranstaltung vor gut gefüllten Reihen in der Mehrzweckhalle klar heraushören. Die Moderatoren Christian Badertscher und Carl Ruch und Kesswiler Stimmbürger versuchten mit ihren Fragen herauszufinden, wer nun tatsächlich mehr für das Bewährte steht oder eher Neues anpacken will.

Drei bewährte Bisherige

Um die fünf Kandidatinnen und Kandidaten, die sich für die vier Sitze im Gemeinderat bewerben, drehte sich der erste Teil des Abends: Edith Brönimann, Familienfrau mit drei Kindern, beschreibt sich selbstironisch als «Gango» im Schreinereibetrieb ihres Mannes. Sie führt seit 1999 das Ressort Soziales, will sich «fürs Gemeinwohl einsetzen» und das Projekt Wohnen im Alter weiter vorantreiben.

Nach der gesellschaftlichen Entwicklung im Dorf gefragt, antwortet sie, Kesswil habe den Vorteil, wenig billigen Wohnraum und viele Einfamilienhäuser zu haben. Zudem sei man in Kesswil bekannt dafür, «ein bisschen bös» zu sein, so würden einige Sozialfälle auch rasch wegziehen.

Walter Knöpfli, seit 1995 für Strassen und Tiefbau zuständig, entpuppt sich als wahrer Tausendsassa: Es scheint kaum etwas zu geben, was der SVP-Kantonsrat, der in seinem Bauberuf die Lehrlingsarbeit schätzt und mit vollem Engagement seinen Bauernhof führt, nicht tut.

Seine Vision ist ein Spatenstich für einen kleinen Bootshafen 2017 anlässlich des grossen Dorffestes für 1200 Jahre Kesswil.

Thomas Nobs ist auch ein Bisheriger, führt das Ressort Werke aber erst seit einem Dreivierteljahr. Der Elektromonteur sieht sich politisch «irgendwo in der Mitte». Er will «die gute dörfliche Entwicklung weiterführen». Von Riesenbauten halte er nicht viel.

Und die beiden Neuen

Reto Eilinger, Vater von vier Kindern, wohnt seit zehn Jahren in Kesswil und ist stark in der Berufsausbildung engagiert. Eilinger will für Kesswil die nötige Infrastruktur für einen nachhaltigen Tourismus schaffen, eine Entlastungsstrasse planen und die bauliche Tätigkeit fördern. Nach politischer Ausrichtung und Teamfähigkeit befragt, meint der eidgenössisch diplomierte Innendekorateur, er stehe «wirklich eher rechts» und er könne «extrem einstecken und extrem austeilen».

Klaus Geering hat ebenfalls vier Kinder und fühlt sich in Kesswil «sehr verwurzelt». Nach einem Studium zum Sportlehrer bildete er sich zum Softwareingenieur aus. Geering arbeitete bei diversen Schweizer Grossunternehmen und ist nun bei Raiffeisen tätig. Die naheliegenden Themen sind für ihn ein ganzheitliches Verkehrskonzept, die anstehenden Überbauungen auf den vielen grünen Wiesen und das Wohnen im Alter.

Er könne Mehrheitsentscheide vertreten, aber er kämpfe «bis zum letzten Blutstropfen» um seine Meinung.

Viele Gemeinsamkeiten

Carl Ruch fühlte den beiden Kandidaten für das Gemeindeammannamt auf den Zahn. Die seit einem Jahr im Dorf lebende Karin Bétrisey und der hier geborene Kurt Henauer waren sich in erstaunlich vielen Belangen einig.

Hier sei nun aber auf die Unterschiede hingewiesen: Bétrisey will sich auf gar keinen Fall politisch einordnen lassen; Henauer ist SVP-Mitglied mit Sympathie für andere Parteien und nennt alt Ständerat Thomas Onken (SP) als Vorbild. Raumplanerin Bétrisey präsentiert sich ausgesprochen selbstbewusst und sagt: «Mich wählen heisst kess zu sein», Neues anpacken und etwas zu wagen.

Meisterlandwirt Henauer präsentiert sich als der sympathische Bewahrer, der aber beruflich bewiesen habe, dass er innovativ sein könne. Bétrisey, die an der ETH Vermessung und Kulturtechnik studiert hat, sieht sich als Führungskraft, die Entscheidungen fällt und durchsetzt; Henauer beschreibt sich als Teamplayer, der andere motiviert und ein gutes Klima schafft. Den Kesswilern bleibt die Wahl.