«So wie es dir gefällt»

Im Unterschulhaus in Romanshorn hat sich in den letzten vier Jahren das Lernatelier im Unterricht etabliert. Im weiteren Umkreis hat es im Thurgau kein vergleichbares Projekt.

Jeanette Herzog
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Basteln einen Papierkreis: Valentina und Amrah gefällt die kreative Arbeit im Lernatelier des Unterschulhauses. (Bild: Jeanette Herzog)

Basteln einen Papierkreis: Valentina und Amrah gefällt die kreative Arbeit im Lernatelier des Unterschulhauses. (Bild: Jeanette Herzog)

«Ich mache aus Stiropor ein Tier. Es war toll. Ich machte ein Rotkelchen. Es war schwirig die Form auszuschneiden. Es ist mir gelungen.» So liest sich das Protokoll, das eine Drittklässlerin im Lernatelier erstellt hat. Die Schüler müssten jeweils aufschreiben, was sie planen, ob es gelungen ist und ob es Spass gemacht hat, erklärt Thomas Sieber den ulkigen Eintrag im Schulheft. Er und seine Lehrkollegen im Unterschulhaus in Romanshorn haben vor vier Jahren ein Lernatelier ins Leben gerufen.

Während vieler Stunden haben die Lehrkräfte gemeinsam das Kellerzimmer umgestaltet und Aufgaben kreiert. «Wir waren überzeugt von der Idee eines Lernateliers, so dass wir die Stunden gerne investiert haben», sagt Thomas Sieber.

Losgelöstes Arbeiten

Im weiteren Umkreis habe es im Thurgau nur wenige vergleichbare Lernateliers. Aus diesem Grund komme auch hin und wieder ein Interessent für eine Besichtigung vorbei. Die neue Lernform nennen sie Alf.

Die Bezeichnung lehnt an den felligen Fernsehstar an, der als Ausserirdischer in einer Familie lebt und einen ungezähmten Appetit auf den Hauskater verspürt. Im Unterschulhaus kennen jedoch nur noch die Lehrer den Ausserirdischen. Für die Kinder bedeutet Alf «arbeiten, lernen, forschen». Zwei Lektionen verbringen die Schüler während der Woche im Lernatelier. Sie beschäftigen sich mit Aufgaben aus den Kerngebieten Kunst, Knobeln/Puzzle, Bauen, Forschen und Schreiben. «Das ist vom Schulstoff losgelöstes Arbeiten», sagt Sieber.

Dennoch fördere es die Kinder in ihrer Selbständigkeit, im räumlichen Denken, beim Strategien entwickeln und beim Geschichten schreiben. Die Kinder fühlen sich sichtlich wohl im Kellerzimmer. Sie basteln, tüfteln und lesen in aller Ruhe.

Lehrer als Hilfspersonen

Auch für die Lehrer sei die Zeit im Alf ein Moment der Ruhe. «Hier kann man sich Zeit nehmen», sagt Philipp Fratton, der mit einem Teil seiner 3. Klasse gerade im Alf arbeitet. Die Kinder könnten hier ein eigenes Projekt verfolgen.

«Im Alf sind wir Lehrer nur Hilfspersonen», sagt er und ermuntert eine Schülerin, die Farben für ihre Styroporfigur selbst zusammenzumischen. «Mach es so, wie es dir gefällt.»