So fällt es leichter loszulassen

Der Tod wird gerne verdrängt. Die Thurgauer Delegierten der Plattform Palliative Ostschweiz haben dazu eingeladen, das Tabuthema zu brechen.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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AMRISWIL. Während Rastlosigkeit und Konsum in unserer Gesellschaft überhandnehmen, setzt man sich nur ungern mit Verlust und Trauer auseinander. «Zu Ende denken» ist das eine – eine unausweichliche Tatsache ist das «Zu-Ende-Leben». Mit diesen Worten begrüsst Karin Kaspers-Elekes, Präsidentin Palliative Ostschweiz, die rund achtzig interessierten Besucherinnen und Besucher im Alters- und Pflegezentrum Amriswil.

Ohne Bedauern zurückblicken

«Viele Menschen hadern in der letzten Lebensphase mit ihrem Schicksal», erzählt Petra Strickner, Psychologin am Kantonsspital Münsterlingen, und ergänzt, dass es wichtig sei, einen Lebensrückblick zu machen. «Wir können gut gehen, wenn wir ohne Bedauern auf unser Leben zurückblicken», sagt die Psychologin, welche Schwerstkranke, Sterbende und deren Angehörige begleitet. Ein Lebensrückblick könne jederzeit und nicht nur am Lebensende gemacht werden.

Gezeigte Filmszenen aus dem Dokumentarfilm «Zu Ende leben» nehmen dem Tabuthema der letzten Lebensphase ihren Schrecken. Der Film, der ab kommendem Jahr in den Kinos läuft, erzählt die Lebensgeschichte eines 51jährigen Mannes, der an Krebs erkrankt ist. «Zu Ende leben» zeigt aber nicht nur melancholische und traurige, sondern auch lebensbejahende und lustige Momente. Das dazugehörende Buch «Zu Ende denken» ist bereits im Handel erschienen. «Da ich oftmals alte, einsame Leute besuche, interessiert mich das Thema sehr», sagt Regula Aeschlimann, die ehrenamtlich in der Besuchergruppe der Evangelischen Kirchgemeinde Egnach tätig ist. Der Tod werde oftmals verdrängt, obwohl er zum Leben gehöre, bemerkt sie und hofft, dass sich ihr die Gelegenheit bietet, den Dokumentarfilm «Zu Ende leben» anzuschauen.

Ein Bestandteil der Arbeit

«Für mich ist das Thema Palliative Care sehr wichtig. Es ist ein fester Bestandteil, der zu meiner Arbeit gehört», erzählt Daniela Murer, die im Pflegeheim Sonnhalden in Arbon als Leiterin Pflege und Betreuung arbeitet. Den Tod könne man nicht verdrängen, wenn man in einem Pflegeheim tätig sei. «Pflegepersonal und Heimbewohner werden immer wieder damit konfrontiert», erwähnt sie. Wichtig sei auch, frühzeitig eine Patientenverfügung zu verfassen. Denn oftmals werde dafür der richtige Zeitpunkt verpasst.

Mit Monochord, Oceandrum und anderen einfach zu spielenden Instrumenten, die für die Tiefenentspannung eingesetzt werden, führte Barbara Klopfenstein, Musiktherapeutin aus Horn, die Besucher an diesem Dienstagabend in die Welt der Klänge.