SITTERDORF: Sie fahren auf Züge ab

Die Verkehrsgruppe Sulgen-Bischofszell-Gossau setzt sich seit sieben Jahrzehnten konsequent für den öffentlichen Verkehr ein. Dessen Vorteile stellt sie jährlich auf einem ganztägigen Ausflug unter Beweis.

Georg Stelzner
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Auf dem Perron der Haltestelle Sitterdorf: Alfred Müller (r.), Präsident der Verkehrsgruppe Sulgen-Bischofszell-Gossau, mit seiner Ehefrau Annalis und Armin Geiger aus Zihlschlacht; mit dem Bischofszeller Hans Bernhard bilden sie den Vorstand. (Bild: Georg Stelzner)

Auf dem Perron der Haltestelle Sitterdorf: Alfred Müller (r.), Präsident der Verkehrsgruppe Sulgen-Bischofszell-Gossau, mit seiner Ehefrau Annalis und Armin Geiger aus Zihlschlacht; mit dem Bischofszeller Hans Bernhard bilden sie den Vorstand. (Bild: Georg Stelzner)

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

Nicht nur die Verkehrsgruppe selber kann heuer ein Jubiläum feiern, sondern auch ihr Präsident. Der Sitterdorfer Alfred Müller steht der Organisation, die kein Verein ist und die auch keine Mitglieder hat, seit 20 Jahren vor. Müller war vor seiner Pensionierung Chauffeur bei den Autokursen Oberthurgau. Sein Faible für öffentliche Verkehrsmittel erstaunt deshalb nicht. Dass vor Müllers Wohnhaus ein Personenwagen steht, ist kein Widerspruch. «Das Privatauto benützen meine Frau und ich nur in der näheren Umgebung, zum Beispiel zum Einkaufen», betont Müller. Für grössere Distanzen setzten sie auf Bus, Bahn oder Schiff, versichert er.

Ihre Existenz verdankt die Verkehrsgruppe Adolf Salzmann. Der Bischofszeller Verleger hob sie am 30. August 1947 aus der Taufe. Dies mit dem Ziel, in Zusammenarbeit mit den Gemeinden den öffentlichen Verkehr zu fördern und auf diese Weise zum Wohle der Bevölkerung beizutragen. «An dieser Zweckbestimmung hat sich nichts geändert», sagt Müller. Bei Bedarf versuche man, bei Fahrplankonferenzen eine Verbesserung für die Region zu erwirken. Erfolgreich kämpfte die Verkehrsgruppe zum Beispiel für die Wiedereinführung der abendlichen Zugverbindungen zwischen Weinfelden und St. Gallen. «So etwas erreicht man aber nicht von heute auf morgen, dazu braucht es einen langen Atem», gibt Müller zu bedenken.

Nichts überzeugt mehr als das persönliche Erlebnis

Seit 1981 begnügt sich die Verkehrsgruppe nicht mehr damit, die Leute mit blossen Worten zu überzeugen. «Wir organisieren jedes Jahr eine Reise, die den Teilnehmern die Vorzüge des Reisens mit Bahn, Bus und Schiff vor Augen führen soll», erklärt Müller. Mittlerweile habe man schon die ganze Schweiz bereist und so falle es von Jahr zu Jahr schwerer, ein neues attraktives Angebot auf die Beine zu stellen. Wiederholungen werden sich laut Müller nicht mehr vermeiden lassen. Die Resonanz in der Bevölkerung ist beachtlich, beteiligen sich doch durchschnittlich 70 bis 90 Personen an einer Reise, die jeweils zweimal – in der Regel an einem Mittwoch und am darauffolgenden Samstag – unternommen wird. Dabei ist es dem Präsidenten ein Anliegen, dass die Reisenden den Tagesausflug sorgenfrei geniessen können. Akribisch bereitet er mit seiner Frau alles vor. Die beiden wissen: Ein seriöses Rekognoszieren ist der Schlüssel zum Erfolg. Und so gilt es im Vorfeld Fragen wie diese zu beantworten: Wo muss man umsteigen? Wie lange dauert die Wartezeit auf dem Bahnhof? Welches Restaurant eignet sich für das Mittagessen und wo erhält man die Brötchen für den Zvieri?

Nichts überlassen Alfred und Annalis Müller dem Zufall. «Jede Reise wird vorher eins zu eins durchgespielt», erklärt der Präsident. Spontan umdisponieren habe er erst einmal müssen, erzählt er. Damals seien sie von einem Erdrutsch an der Weiterfahrt gehindert worden. Aus Anlass des 70-Jahr-Jubiläums der Verkehrsgruppe wird während der diesjährigen Reise ein Wettbewerb durchgeführt, bei dem es auch Preise zu gewinnen gibt.