Singen trotz Verlust der Sprache

Wenn die Sprache nach einer Hirnschädigung nicht mehr funktioniert, reden Mediziner von Aphasie. Das jüngste Gesundheitsforum in der Helios Klinik Zihlschlacht befasste sich mit dieser Einschränkung.

Erwin Schönenberger
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Der Aphasiker-Chor feierte in der Helios Klinik seine Premiere. (Bild: Erwin Schönenberger)

Der Aphasiker-Chor feierte in der Helios Klinik seine Premiere. (Bild: Erwin Schönenberger)

ZIHLSCHLACHT. Von rund 10 000 Patienten mit Hirnschädigungen, die jährlich in der Schweiz zu verzeichnen sind, verliert ein Drittel teilweise oder ganz die Fähigkeit zu sprechen. In rund 1500 Fällen kann eine Therapie helfen, erklärte Werner Brühmann, Leiter der Logopädie an der Helios Klinik, in seinem Referat am Mittwoch.

Partner braucht Geduld

Der Verlust der Sprache bedeutet nicht nur für den Patienten eine grosse Einschränkung, auch Angehörige und Pflegende stehen vor Problemen, wenn sie mit Betroffenen kommunizieren möchten. Das Zusammenleben mit einem Partner mit Aphasie verlangt viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Dazu kommt, dass Aphasiker Schwierigkeiten haben, die richtigen Worte zu wählen und dadurch Missverständnisse entstehen können, wie es eine Patientin anschaulich erklärte. Sie verwechselte anfänglich «Ja» und «Nein» und konnte nicht begreifen, dass ihre Pflegerin nicht so reagierte, wie sie erwartete.

Künstlerischer Ausgleich

Das Sprachzentrum, das bei einer Hirnverletzung geschädigt wird, befindet sich in der linken Hirnhälfte. Dies bedeutet aber auch, dass Fähigkeiten, die in der rechten Hirnhälfte angesiedelt sind, normal funktionieren. Dazu gehören künstlerische Fähigkeiten wie Malen oder Singen.

Vor einiger Zeit haben sich Aphasiker zusammengefunden und einen Chor gebildet. Die Besucher des Gesundheitsforums konnten sich bei der Premiere des Aphasiker-Chors Ostschweiz davon überzeugen, dass Singen für Aphasiker kein Problem ist. Mit spürbarer Freude sangen die gut 20 Sängerinnen und Sänger einige recht anspruchsvolle Lieder. Es zeigte sich auch, dass Selbsthilfegruppen und andere Treffen für Aphasiker besonders wichtig sind, um Erfahrungen auszutauschen und so einen Teil der verlorenen sozialen Kontakte auszugleichen.