Signal von Merz: So nicht mehr

Stadträtin Veronika Merz (SP) tritt per Ende November 2009 das Vizestadtammannamt an Patrick Hug (CVP) ab, führt aber ihr Ressort «Einwohner/Sicherheit» weiter. Ihr Entscheid hat mit der Verwaltungsführung zu tun, die sie kritisiert.

Max Eichenberger
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Applaus nicht gleich getaktet: Ab Dezember wird Stadtammann Martin Klöti nicht mehr Veronika Merz (Mitte) als Vize an seiner Seite haben, sondern Patrick Hug (rechts). Uneins über Verwaltungsführung, aber kein persönlicher Zwist. (Bild: Max Eichenberger)

Applaus nicht gleich getaktet: Ab Dezember wird Stadtammann Martin Klöti nicht mehr Veronika Merz (Mitte) als Vize an seiner Seite haben, sondern Patrick Hug (rechts). Uneins über Verwaltungsführung, aber kein persönlicher Zwist. (Bild: Max Eichenberger)

Den Bettel schmeisse sie nicht hin, sagt Veronika Merz. Aber mit dem Rückzug auf ihr Stammressort möchte sie ein Signal setzen, dass es so, wie es derzeit laufe, aus ihrer Sicht nicht weitergehen könne. In einer amtlichen Mitteilung (siehe Kasten) hat der Stadtrat Merz' Rückzug vermeldet.

Sie wolle den Aufschwung und die Entwicklungseuphorie in Arbon nicht dämpfen, ganz und gar nicht.

Aber man müsse aufpassen, dass man alle die Vorhaben, die angerissen werden, auch bewältigen kann: einerseits finanziell, dann aber auch von den personellen Möglichkeiten her.

Verwaltung unter hohem Druck

Hier sieht Veronika Merz insbesondere die Verwaltung unter starken Druck gesetzt, der viel zugemutet wird. Es habe im Parlament schon mahnende Stimmen gegeben bei der Debatte zur Investitionsplanung.

Und im Stadtrat sei die ihre nicht die einzige, die auf mehr Mass und zeitliche Staffelung gepocht habe. «Wenn man nicht alles kurzfristig umsetzen kann, dann müssen Prioritäten gesetzt werden und muss man entscheiden, was zurückzustellen ist. Das liegt in der Verantwortung des Stadtrates.»

Unterschiedliche Auffassungen

Die Verwaltungsführung geniesse aus ihrer Sicht hohe Priorität, betont Stadträtin Merz. Da bestünden im Stadtrat jedoch unterschiedliche Auffassungen.

Nach einer Klausur des Stadtrates in der Kartause Ittingen sei dies deutlich geworden. Daraufhin habe sie sich durchgerungen, so Merz, das Amt des Vizestadtammanns zur Verfügung zu stellen und sich auf die Führung ihres Ressorts zu beschränken.

Unter die Räder

Diesen Entscheid wolle sie «als Signal nach innen» verstanden wissen, «dass da etwas zu ändern ist», wie sie sagt.

Der Stadtrat habe zwar stets bekundet, die Ressourcenplanung und das Geschäftscontrolling zu verstärken – gemacht worden sei dies aber nicht. «Wenn man keine zeitliche Planung von Geschäften und Projekten vornimmt und sich nicht darauf verständigt oder sie nicht auf die vorhandenen Ressourcen abstimmt, kann es sein, dass dies bei der Fülle und der Komplexität der Herausforderungen auf Mitarbeitende zurückschlägt oder sie unter die Räder kommen.» Insbesondere im Bereich Stadtentwicklung und Bau werde ein schneller Takt angeschlagen.

Zu wenig Zeit

Die Kritik von Merz: «Im Stadtrat fehlt die Vorstellung, wie das alles bewältigt werden kann – sei es mit eigenen oder externen Mitteln.» Die Bereitschaft, Vorhaben bei der grossen Geschäftslast gemeinsam anzupacken, auch mit den Abteilungsleitern, sei wohl da, aber es fehle dann trotzdem die Zeit, dies auch gemeinschaftlich zu tun. Randstunden genügten da nicht.

Das führe dann automatisch zu Reibungsverlusten und Missverständnissen im Stadtrat-Gremium wie in der Verwaltung.

Ziel wäre mehr Teamführung

Konkrete Beispiel will Veronika Merz nicht benennen, «weil dann der Fokus auf Personen gerichtet wäre». Als Vizestadtammann hätte sie erwartet, dass gewisse Führungsaufgaben auf sinnvolle Art aufgeteilt würden: «Das Vizestadtammannamt ist grundsätzlich eine Möglichkeit, Ressourcen aufzuteilen.

Ich verstehe jedenfalls mein Amt nicht bloss als Ferien-Stellvertretung des Stadtammanns», macht Merz indirekt deutlich, dass sie sich zu wenig eingebunden fühlte und in unterstützender Funktion mehr Teamführung gewünscht hätte.

«Kein Zerwürfnis»

Ebenso klar macht Veronika Merz aber auch, dass die Differenzen mit Stadtammann Martin Klöti auf der sachlichen und nicht der persönlichen Ebene liegen. «Es ist auch überhaupt keine Frage von persönlichen Unstimmigkeiten oder gar eines Zerwürfnisses.

» Ihr Unbehagen widerspiegle sich auch im überladenen Legislaturprogramm.

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