Siegeszug der SVP gebremst

KREUZLINGEN. Die SVP und die Freie Liste sind die Verliererinnen der Kreuzlinger Parlamentswahlen. Zugelegt hat die FDP. Und die Jungsozialisten konnten mit ihrer Liste erstmals einen Sitz erobern.

Martina Eggenberger Lenz
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Die erfolgsverwöhnte SVP hat ihr Wahlziel dieses Jahr verfehlt: Sie konnte bei den gestrigen Gemeinderatswahlen nur noch zehn statt elf Sitze gewinnen – und nicht wie insgeheim erhofft noch einmal zulegen. Als einziger Bisheriger musste somit Georg Schulthess die Nachricht seiner Abwahl entgegennehmen. Dementsprechend konsterniert waren denn auch die Ratskollegen. «Damit hätten wir nicht gerechnet», bekennt Ortspräsident Fabian Neuweiler.

SVP hat Zenit erreicht

Er sucht nach Gründen für den Sitzverlust: Die Wahlbeteiligung sei mit 28,5 Prozent verheerend gering. Es sei nicht gelungen, das Stimmvolk zu mobilisieren. Wenige Stimmen würden so über einen Sitz mehr oder weniger entscheiden. Ausserdem profitierte die Liste 2007, als die Partei drei Sitze zulegte, noch von dem sehr guten Ergebnis von Stadtrat David Blatter.

Dass nun mit Georg Schulthess ausgerechnet ein besonders initiativer Kandidat aus dem Rennen ist, kann Neuweiler schwer nachvollziehen. Schulthess selbst glaubt, mit seinen klaren Voten – der Unternehmer ist bekannt für einen rigorosen Sparkurs – dem einen oder anderen auf die Füsse gestanden zu sein.

Das Potenzial seiner Partei liege bei zehn bis zwölf Sitzen, ist der Ortspräsident, der übrigens mit 1238 Stimmen das beste Ergebnis aller Kandidaten erzielte, überzeugt. Mehr traut man sich bei der SVP selbst nicht mehr zu.

Spada in zwei Behörden

Die FDP darf mit sieben statt sechs Sitzen in die neue Legislatur. Der Sitzgewinn ist beachtlich, denn die Partei hat mit Paul Stähli und Margrit Gubler zwei prominente Abgänge zu verzeichnen. Neu in den Rat dürfen Mirko Spada, der Leiter der Nationalen Elitesportschule, Unternehmer Roger Schläpfer und Barbara Hummel, Geschäftsleitungsmitglied der Bodensee-Arena. Spada politisiert ab Juni also gleichzeitig im Gemeinderat und in der Primarschulbehörde.

Parteipräsident Patrik Hugelshofer ist überzeugt, dass der Sitzgewinn dank der attraktiven Liste mit vielen bekannten Namen möglich wurde. Der siebte Sitz wurde aber nicht zuletzt dank der Listenverbindung mit der EVP, die ihre drei Sitze verteidigte, möglich.

Zusammen kommen die beiden Parteien nun auf zehn Sitze. Sie sind also gleichauf mit der SVP-Fraktion und gewinnen an politischem Gewicht.

Die SP konnte ihre acht Sitze halten. Für Silvana Tschudi, die nicht mehr antrat, wurde Charis Kuntzemüller-Dimitrakoudis gewählt. Parteipräsidentin Edith Wohlfender ist erfreut, dass man zusammen mit der Juso einen Sitz gewinnen konnte. «Im Parlament zählt schliesslich jede Stimme.» Dass die Linke zulegen konnte, begründet sie mit dem aktiven Wahlkampf. Grosse Freude herrschte gestern bei der Juso, die mit Nina Schläfli den Sprung in den Gemeinderat geschafft hat. Die 21jährige Studentin war sichtlich überrascht.

«Ich will den Jungen eine Stimme geben», verspricht die Newcomerin.

Tiefe Wahlbeteiligung

Weniger Grund zur Freude gab es bei der Freien Liste. Sie verlor einen Sitz und hat im Juni nur noch vier Vertreter. Auf der Liste fehlten erstmals die zwei bekannten Namen Helene Eisenhut und Jost Rüegg. Dies interpretiert man bei der Gruppe denn auch als Grund für das schlechte Abschneiden.

Die CVP, die 2007 zwei Sitze verlor, konnte dieses Mal den Status quo halten. Präsident Ernst Zülle ist zufrieden mit dem Resultat. «Insbesondere bin ich froh darüber, dass alle sechs Bisherigen bestätigt wurden.» Parteiunabhängig wurde die tiefe Wahlbeteiligung mit Sorge zur Kenntnis genommen. Vor vier Jahren lag diese bei 37,8 Prozent, also zehn Prozent höher. Damals wurde allerdings noch ein Stadtrat gewählt und über das Budget abgestimmt.