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Sie wissen nicht, wohin es geht

ROMANSHORN. Am nationalen Flüchtlingstag stand das Durchgangsheim in Romanshorn zur Besichtigung offen. Rund 60 Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, die Bewohner aus sechs verschiedenen Nationen kennenzulernen.
Ramona Riedener
Die Menschen unterschiedlichster Herkunft geniessen gemeinsam die Musik der Türkin Serenat Ezgican Akkurt. (Bild: Ramona Riedener)

Die Menschen unterschiedlichster Herkunft geniessen gemeinsam die Musik der Türkin Serenat Ezgican Akkurt. (Bild: Ramona Riedener)

«En Guata», wünscht die 10jährige Maria in akzentfreiem Schweizerdeutsch. Das Mädchen ist mit seinen Eltern vor neun Monaten aus dem Kosovo in die Schweiz gekommen. Seit sechs Monaten wohnt die Familie, zusammen mit 20 anderen Asylsuchenden aus sechs Nationen, im Durchgangsheim in Romanshorn. Sie alle haben ihr eigenes Schicksal, sind grundverschieden, doch eines haben sie gemeinsam: Sie warten und hoffen darauf, dass ihr Asylantrag genehmigt wird.

Im Garten an der Kreuzstrasse 3 sind die Tische mit den Wappen der verschiedenen Nationen farbenfroh geschmückt. Es riecht köstlich nach exotischen Gerichten, Nationalgerichte aus Pakistan, Syrien, Tibet und Kosovo, welche die Bewohner für ihre Gäste eigens zubereitet haben. Nur die beiden jungen Männer aus Kongo und aus Tschad haben sich nicht an der Zubereitung des reichhaltigen Buffets beteiligt. «Sie können wahrscheinlich gar nicht kochen», vermutet Tinttu Kukkonen, Leiterin und Betreuerin im Durchgangsheim.

Über Italien in die Schweiz

Lebhaftes Stimmengeschwirr, fröhliche Stimmung und strahlende Augen herrschten, während sich die Gäste und die multikulturellen Bewohner des Durchgangsheimes gemeinsam vom reichhaltigen Buffet verpflegten. Musikalisch begleitet wurde die bunte Szene von der schönen Stimme und den melancholischen Gitarrenklängen der Türkin Serenat Ezgican Akkurt. Die 27jährige Musikerin aus Istanbul lebte zuerst vier Jahre alleine in Italien, bevor sie vor zwei Jahren zu ihrer Mutter nach Arbon kam.

Es ist nicht immer so ruhig im Durchgangsheim wie an diesem Samstagmittag. Die Bewohner, zusammengewürfelt aus allen Nationen, leben in einem Übergangszustand. «Noch ist alles offen», sagt Heimleiterin Tinttu Kukkonen. «Die Asylsuchenden wissen noch nicht, wohin sie kommen und ob ihr Asylantrag angenommen wird. Sie werden uns von den Empfangsstellen zugewiesen und bleiben drei bis sechs Monate hier, bevor sie an die Thurgauer Gemeinden überwiesen werden.»

Ausser wenn es sich um enge Familienmitglieder handelt, wird bei der Unterbringung nicht auf eigene Wünsche oder Nationalität Rücksicht genommen. Doch in der Regel gewöhnen sich die Flüchtlinge schnell an die Gegebenheiten. Das grösste Problem sei die Sprache, meint Kukkonen, die seit der Eröffnung vor 25 Jahren im Durchgangsheim in Romanshorn arbeitet. Deshalb sei der Deutschunterricht, welcher jeweils am Vormittag stattfindet, für die Asylsuchenden ein Muss.

Tagesstruktur ist wichtig

Nicht nur Deutsch, sondern auch eine Tagesstruktur und ein sinnvolles Beschäftigungsprogramm sind für die Erwachsenen, die während der Übergangsphase keiner Erwerbstätigkeit nachgehen dürfen, sehr wichtig. Sie haben die Möglichkeit, am Nachmittag, während ihre Kinder in der öffentlichen Schule sind, Waldarbeit zu machen und damit einen Motivationszuschuss von drei Franken pro Stunde zu verdienen.

Im allgemeinen können sich die Asylsuchenden frei bewegen. Sie organisieren und verpflegen sich selbständig. Sie müssen sich nur an die Hausordnung halten. Da diese jedoch nur in Deutsch und Englisch vorliegt, kommt Tinttu Kukkonen mit ihrer Phantasie und Erfahrung zur Hilfe. Die Betreuerin, die als guter Geist im Hause gilt, freut sich über die Spracherfolge ihrer Schützlinge. Sie freut sich auch über den gelungenen Anlass, über das Interesse der Bevölkerung und über das perfekte Wetter: «Sogar Petrus war heute auf Seiten der Flüchtlinge.»

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