Sie vermittelt Geschichte

BISCHOFSZELL. Das Historische Museum Bischofszell birgt Besonderheiten, die in anderen Ortsmuseen nicht zu finden sind. Alexandra M. Rückert möchte diese noch mehr hervorheben. Die Historikerin ist seit Anfang August Kuratorin des Museums.

Claudia Gerrits
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Kuratorin Alexandra M. Rückert beim Wandschrank im Jugendstilzimmer des Historischen Museums. (Bild: Claudia Gerrits)

Kuratorin Alexandra M. Rückert beim Wandschrank im Jugendstilzimmer des Historischen Museums. (Bild: Claudia Gerrits)

Alexandra M. Rückert streift sich Baumwollhandschuhe über. Sorgsam schiebt sie die Türen eines Wandschrankes zurück, der im Jugendstilzimmer im Historischen Museum Bischofszell steht. Dekorations- und Gebrauchsgegenstände aus Glas und Porzellan, Schriftstücke und Bücher stehen auf den Tablaren. «Dieser Cachepot ist wirklich schön.» Alexandra M. Rückert dreht das Gefäss in ihren Händen. «Ich bin daran, mir Raum für Raum Übersicht zu verschaffen», erklärt sie. Seit Anfang August ist die 47jährige Historikerin Kuratorin im Bischofszeller Museum.

Phantastische Museumsschätze

«Bei meinem ersten Besuch hier haben mich schon die Eingangshalle und das Treppenhaus begeistert», erzählt Alexandra M. Rückert. Beim Rundgang durchs Haus sei sie fasziniert gewesen, welche phantastischen Objekte es hier zu sehen gibt. «Puppenhäusern, wie sie hier ausgestellt sind, bin ich bis jetzt in keinem andern Museum in der Schweiz begegnet, nur im Rijksmuseum in Amsterdam.» Auch beim Jugendstilzimmer sei ihr Herz etwas gehüpft, fügt sie lachend an.

Vielseitige Arbeit

In der Ausschreibung der Kuratorenstelle habe sie die Vielseitigkeit der Aufgaben angesprochen, erklärt Alexandra M. Rückert. Als Kuratorin ist sie in einem 40-Prozent-Pensum angestellt. Zurzeit ist sie am Dienstag im Museum. Wenn nötig, sei sie auch häufiger vor Ort, erklärt Rückert, die in Zürich wohnt. «Es gibt so vieles hier, man muss es nur zusammenbringen», schwärmt sie von ihrem neuen Tätigkeitsbereich. Sie habe schon früh entdeckt, dass man über Objekte Geschichte in allen Facetten lebendig werden lassen könne. Gerne hat sie darum Ausstellungen konzipiert und realisiert und Führungen gemacht. Auf diese Tätigkeiten freut sie sich auch in Bischofszell. Geschichte hat Rückert schon als Kind gemocht. Mit Eifer hat sie damals aus Bastelbögen historische Gebäude ausgeschnitten und geklebt. «In der Kantonsschule war ich die einzige, die im ersten Jahr schon wusste, was sie einmal studieren will», erinnert sie sich.

Kulinarik verbindet

Auch das Apotheken- und das Drogeriezimmer im Bischofszeller Museum hat es Alexandra M. Rückert angetan, denn Medizingeschichte ist eines ihrer besonderen Interessengebiete. Ein weiteres Steckenpferd ist die Kulinarik. So gefällt es ihr, dass im historischen Haus noch Küche und Speisezimmer vorhanden sind. Sie koche selber gerne und probiere Neues aus, verrät sie. Über Gerichte, deren Namen, Herkunft und Zutaten lassen sich spannende geschichtliche Aspekte erforschen und erfahren, erklärt sie. Zehn Jahre lang hat Rückert für die Betty-Bossi-Webseite «Historisches und Histörchen» über Gerichte und Rezepte geschrieben. «Über Kulinarik kann man viele Leute ansprechen. Ich sehe mich als Vermittlerin von Geschichte», betont die neue Kuratorin. Im Historischen Museum möchte sie dessen Besonderheiten hervorheben, das zeigen, was in anderen Ortsmuseen nicht zu sehen ist.

Historisches digitalisieren

«Ich bin gespannt, was im Depot des Museums vorhanden ist.» Das Publikum bekomme ja nur einen Teil des Museumsgutes zu sehen, die andern Objekte müssten so gelagert sein, dass sie keinen Schaden nehmen, erklärt Rückert. Eine ihrer künftigen Aufgaben wird auch sein, das gesamte Museumsgut in einer digitalen Datenbank zu erfassen. Gerne möchte sie dabei nicht nur die Objekte zusammen mit einem Bild auflisten, sondern auch Hintergrundinformationen zu deren Produktion, Herkunft und Verwendung zusammentragen.

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