Sie stricken für junge Häftlinge

MUOLEN. Gemeinsam mit 20 Frauen strickt Lydia Studerus warme und bunte Kleidungsstücke. Diese sollen bald an Insassen eines Jugendgefängnisses in Bulgarien abgegeben werden. Unterstützt wurde im vergangenen Jahr auch die Gassenküche in St. Gallen.

Fernando Trabadelo
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Im Kafi Marktstübli treffen sich die Frauen zum gemeinsamen Stricken für einen guten Zweck. (Bild: Fernando Trabadelo)

Im Kafi Marktstübli treffen sich die Frauen zum gemeinsamen Stricken für einen guten Zweck. (Bild: Fernando Trabadelo)

Seit gut zwei Wochen entstehen im Kafi Marktstübli beim Bahnhof Muolen Socken, Mützen und Pullunder in liebevoller Handarbeit. Und das für einen guten Zweck. Anlässlich des Weltstricktages kommen dort jeden Freitag freiwillige Helferinnen zusammen, um gemeinsam Kleidungsstücke für ein Jugendgefängnis in Bulgarien zu stricken.

Wolldecken fürs Kinderspital

Vor drei Jahren hat sich Lydia Studerus mit dem Kafi Marktstübli den Traum vom eigenen Strickcafé erfüllt. Das Lokal sollte schon bald für gemeinnützige Projekte genutzt werden: «Kinder und Jugendliche in Not liegen mir sehr am Herzen», sagt sie. Ihre Leidenschaft für das «Lisme» wollte Lydia Studerus an gute Taten knüpfen und startete kurzerhand im vergangenen Jahr das Projekt Weltstricktag. Während mehrerer Wochen strickten gut 30 Frauen aus Muolen und Umgebung Wolldecken für ein Kinderspital in Rumänien. Doch auch lokalen Bedürftigen sollte geholfen werden: Für die Gassenküche St. Gallen fertigten die Frauen Mützen und Socken für die kalte Jahreszeit an. «Die Freude bei den Betroffen war riesig», erinnert sich Lydia Studerus. Diese positive Resonanz hat sie motiviert, ein weiteres Projekt in Angriff zu nehmen. Seit Mitte Mai wird im Kafi Marktstübli wieder gestrickt, gehäkelt und genäht. In diesem Jahr soll Insassen im Alter von 17 bis 21 Jahren aus einem bulgarischen Gefängnis eine Freude gemacht werden. Dass die Unterstützung von Häftlingen umstritten ist und im Dorf für Diskussionen sorgt, spielt für Lydia Studerus keine Rolle: «Es handelt sich nach wie vor um Menschen. Auch Häftlinge haben das Recht, gut versorgt und unterstützt zu werden», sagt sie.

Herz und Körper wärmen

Das Projekt wird zum grössten Teil aus der eigenen Kasse oder durch einzelne Spenden finanziert. Für die Materialkosten kommen die Damen jeweils selbst auf. «Viele der Helferinnen bringen aber gleich mehrere Woll- und Garnrollen für alle mit», sagt Lydia Studerus.

Ende August sollen dann die gestrickten Socken, Mützen und Pullunder in das Jugendgefängnis nach Bulgarien geliefert werden. Den Transport übernimmt die Hilfsorganisation Pro Schule Ost, die schweizweit Material für bedürftige Schulen im Osten sammelt und das Projekt Weltstricktag unterstützt.

Schon bald also kann den Insassen im bulgarischen Jugendgefängnis eine grosse Freude bereitet werden. Liebevoll gestrickte Kleidungsstücke in allen Farben sollen während der kalten Wintermonate «Herz und Körper wärmen», wie Lydia Studerus sagt.