Sie singen von Unabhängigkeit

Aus dem hohen Norden kommt Santiano am 11. Oktober auf die Pentorama-Bühne in Amriswil. Santiano-Mitglied Axel Stosberg erzählt davon, wie ihre speziellen Songs entstehen und was diese beim Publikum bewirken.

Rita Kohn
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Axel Stosberg, Andreas Fahnert, Björn Both, Pete Sage und Hans-Timm Hinrichsen sind die Band Santiano. (Bild: pd)

Axel Stosberg, Andreas Fahnert, Björn Both, Pete Sage und Hans-Timm Hinrichsen sind die Band Santiano. (Bild: pd)

Seit drei Jahren schwimmt ihr auf einer Erfolgswelle. Was macht eure Musik zu etwas Besonderem?

Axel Stosberg: Eine Mischung aus Shanty, Rock, Folk und Irish Folk. Wir haben das Ganze in einen Mixer getan, gut durchgeschüttelt, auf den Tisch gewürfelt und raus kam dabei eine so besondere Mischung, die mit einer solchen Gesangsgewalt daherkommt.

Worauf führt euer Erfolg zurück?

Stosberg: Ganz sicher darauf, dass wir mit dieser speziellen Art von Musik die Herzen derjenigen erreichen, die offen für unsere Musik sind. Wir machen sicherlich die Seele weit bei den Leuten im Norden. Aber auch im gesamten Bundesgebiet haben wir die Erfahrung gemacht, dass das, wovon wir singen, und die Art, wie wir es machen, die Leute so tief erreichen, dass sie gar nicht mehr loslassen können.

Ihr singt von Freiheit und Unabhängigkeit. Vermag man damit noch Sehnsüchte wecken?

Stosberg: Aber ganz besonders in der heutigen Zeit, in der die Gesellschaft immer mehr auseinanderdriftet. Ich glaube, wir treffen den Nerv und den Zeitgeist, greifen ihn auf und versuchen, den Menschen damit eine Art von Perspektive oder auch Hoffnung zu geben. Vielleicht ist das jetzt ein wenig übertrieben, aber das ist auch das Feedback, das wir oft zurückbekommen.

Ihr habt unter anderem mit Oonagh und Helene Fischer Lieder eingespielt. Das sind sehr unterschiedliche Partner. Wie kommt es zu dieser Zusammenarbeit?

Stosberg: So unterschiedlich ist das gar nicht. Wir bewegen uns auch im schlagerartigen Bereich und auch die Art und Weise, wie Oonagh Musik macht, ist uns nicht fremd. Also auch von dieser Seite ist Santiano sehr schnell im Fokus gewesen und man hat sich von allen Seiten gedacht, es wäre doch eine gute Zusammenarbeit, weil diese Musikarten sehr gut zusammenpassen.

Ihr tretet nicht nur in Deutschland auf, sondern auch in der Schweiz. Ist das Publikum in der Schweiz anders?

Stosberg: Nein, das ist überhaupt nicht anders. Wir haben in der Schweiz und in Österreich gemerkt, wie offen das Publikum für das ist, wovon wir singen.

Ihr steht zum Teil in grossen Städten auf der Bühne. Nun findet ein Konzert im kleinen Amriswil statt. Was bedeutet das für euch?

Stosberg: Das bedeutet, dass wir zurück zu den Anfängen gehen und in Amriswil nochmals richtig geerdet anfangen können. Kleine Bühnen sind uns nicht fremd. Wir haben schon auf vielen kleinen Bühnen gespielt und tun das auch heute noch. Das ist für uns keine Abwertung, sondern reine Freude. Wir werden unserem Publikum ganz nah sein und das macht uns besonders viel Spass.

Gibt es Momente, in denen sie es bereuen, sich einer solch speziellen Musikrichtung zugewandt zu haben?

Stosberg: Nicht einen Moment.

Drei Alben in drei Jahren ist eine stolze Leistung. Ist man da nicht irgendwann ausgepowert, oder beflügelt der Erfolg?

Stosberg: Nein, ausgepowert überhaupt nicht, das findet bei uns nicht statt. Wir haben so viel Spass und so viel Energie, wenn wir auf Tour sind und Konzerte geben. Das ist eine so feine Sache; ich möchte auch gar nichts mehr anderes machen und von mir aus hätten es in diesen drei Jahren auch vier Alben sein können.

Habt ihr, als ihr das erste Mal als Santiano auf der Bühne standet, damit gerechnet, dass sich so schnell eine Fangemeinde um euch scharen würde?

Stosberg: Nein, damit kann man nicht rechnen. Wir wussten ja am Anfang noch nicht einmal, wer unsere CDs kaufen würde. Wir haben eine neue Sache erfunden oder gefunden, mit der wir Musik machen, und da muss sich natürlich auch erstmal ein Publikum finden, das das kauft. Wir haben gemerkt, dass wir auf Facebook innerhalb kürzester Zeit viele Tausende Likes hatten, und es hat sich ein Fanclub gebildet. Heute sind dort über 6000 Fans angelangt.

Gibt es Projekte, die Sie in absehbarer Zeit in Angriff nehmen möchten? Sie kommen ja aus der Schauspielerei?

Stosberg: Es ist tatsächlich so, dass Santiano oder die Schauspielerei energetisch und emotional so aufwendig sind, dass nur eines von beidem geht. Da ich im Moment seit drei Jahren mit Santiano unterwegs bin und das mit Sicherheit kein Abstieg war, mache ich das hundertprozentig und die Schauspielerei steht hinten an.

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