Sie sind beide Migros-Kinder

KREUZLINGEN. Der Seepark ist ein Stück Kreuzlingen. Vor 40 Jahren eröffnete das Migros-Einkaufszentrum im Stadtteil Kurzrickenbach. Erika Haspel und Verena Kessler waren damals mit dabei und sind heute noch regelmässig hier. Die eine als Verkäuferin, die andere als treue Kundin.

Urs Brüschweiler
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Erika Haspel und Verena Kessler zwischen den Gestellen im Migros Seepark. Beide sind seit 40 Jahren hier anzutreffen. (Bild: Urs Brüschweiler)

Erika Haspel und Verena Kessler zwischen den Gestellen im Migros Seepark. Beide sind seit 40 Jahren hier anzutreffen. (Bild: Urs Brüschweiler)

«Das war für uns ein Riesenerlebnis. Wir hatten nun eines dieser Einkaufszentren, in denen es alles zu kaufen gibt.» Erika Haspel erinnert sich an das Jahr 1973. Sie ist gebürtige Kurzrickenbacherin und weiss noch, wie es hier aussah, bevor es den Seepark gab. «Es stand ein Bauernhof auf dieser Wiese. Als wir hörten, es solle nun ein so grosser Bau entstehen, hatten wir schon gemischte Gefühle.» Erika Haspel arbeitete damals noch im Migros in Emmishofen, seit der Eröffnung des Seeparks ist sie hier angestellt. Heute ist sie Bereichsleiterin Non-Food. «Ich bin die einzige, die von Anfang an hier ist», sagt sie nicht ganz ohne Stolz. «Die Angestellten waren von Anfang an, wie eine grosse Familie.»

Dreimal die Woche, mindestens

Auch Verena Kessler war bei der Eröffnung des Migros-Einkaufszentrums Seepark vor 40 Jahren dabei. «Es war ein grosses Fest.» Eine Kreuzlingerin war sie selber damals zwar noch nicht – sie zog erst etwas später hierher – trotzdem ist sie seit diesem Tag regelmässige Kundin. «Ich komme mindestens dreimal die Woche. Immer wenn ich Brot kaufen muss.» Und manchmal wenn sie noch etwas brauche, fügt sie an. «Wo soll ich denn sonst hin?», antwortet sie salopp auf die Frage, warum sie dem Seepark seit 40 Jahren die Treue hält. «Hier weiss ich, wo alles steht und ich kenne viele der Angestellten.» Ausserdem sei sie halt mit der Migros aufgewachsen. «Ich bin ein Migros-Kind.» Sie kennt aus ihren jungen Jahren noch die Lastwagen, die vorbeikamen, und hat auch schon selber in einem Migros-Markt gearbeitet. Obwohl Verena Kessler Stammkundin ist, sieht sie auch vieles kritisch. «Mit den Jahren wurde der Einkauf sehr viel unpersönlicher», sagt sie. Und der letzte Umbau des Seeparks sei zwar der grösste gewesen, aber auch der schlechteste. Die zwei Frauen, die sich erstaunlicherweise bisher nicht kannten, kennen die Geschichten des Seeparks. Den «Nudel-Sunntig» gibt es nach wie vor. Das sind diese Tage, an welchen die Deutschen frei haben und in Scharen herbeieilen, um Nudeln, Kaffee und Schokolade zu kaufen. Dann geht Verena Kessler sicher nicht in den Seepark. In den 80er-Jahren hätten sie noch viel mehr deutsche Kunden gehabt, meint Erika Haspel. «Als die D-Mark noch stark war, haben wir enorm profitiert. Heute ist es halt umgekehrt, das sind Wellenbewegungen.»

Was die Verkäuferin vermisst, ist das Café Treff, das es einst im Erdgeschoss gab. «Da trafen sich die Kunden mit den Angestellten. Es herrschte immer gute und ausgelassene Stimmung. Das fehlt heute.» Verena Kessler pflichtet ihr bei.

Auf dem Dach parkieren

Der Dachparkplatz mit der kurvigen Auffahrtsrampe ist als Eigenheit des Seeparks geblieben. «Die Jungen sind immer mit den Velos hinuntergebraust», sagt Verena Kessler, und auch ihre Enkel wollten immer aufs Dach.

Ein Wochenend-Laden sei der Seepark, sagt Erika Haspel, für den Grosseinkauf der Familie. Sie selber wird nächstes Jahr pensioniert. Bis dahin wird sie sich weiter um ihre Kunden sorgen. Sie sei halt mit Leib und Seele Verkäuferin. Ganz nach der Philosophie die im Seepark gelte: «Der Kunde kommt an erster Stelle.»