Sie schreiten ins Ungewisse

Die Gemeinde Schönholzerswilen baut in den kommenden Jahren ein eigenes Glasfasernetz auf. Nach langer, intensiver Debatte stimmte der Souverän am Mittwoch dem 1,8-Millionen-Kredit zu.

Mario Testa
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Gemeindepräsident Fredy Oettli führt am Mittwochabend durch die Versammlung in der Mehrzweckhalle Schönholzerswilen. (Bild: Mario Testa)

Gemeindepräsident Fredy Oettli führt am Mittwochabend durch die Versammlung in der Mehrzweckhalle Schönholzerswilen. (Bild: Mario Testa)

SCHÖNHOLZERSWILEN. Sie wollen weg vom Monopol der Swisscom, weg von den limitierenden Kupferleitungen. Die Gemeinde Schönholzerswilen beginnt mit dem Aufbau eines eigenen Glasfasernetzes. Das hat der Souverän an der Versammlung vom Mittwochabend mit 54 Ja zu 14 Nein-Stimmen bei einigen Enthaltungen beschlossen und dem Kredit über 1,8 Millionen Franken zugestimmt. Vorausgegangen waren der Abstimmung vier Referate, eine intensive Debatte und sogar eine spontan einberufene Gemeinderats-Sondersitzung im Gang der Mehrzweckhalle Schönholzerswilen.

Versorgung wie beim Wasser

Fast zwei Stunden dauerte die Besprechung des Traktandums. Gemeindepräsident Fredy Oettli und der zuständige Gemeinderat Ernst Schärer, aber auch Gerhard Glükler von Elektrizität Thurgau (EKT) und Lukas Etzweiler von der Beratungsfirma Click to move stellten das Glasfaserprojekt umfassend vor. «Ich vergleiche die Datenleitungen gern mit Wasser. Früher war auch nicht jeder Weiler und Hof an die Wasserversorgung angeschlossen, sie mussten sich auf eigene Quellen verlassen – und das ging zu Lasten der Wasserqualität und -menge», sagt der Gemeinderat. «Heute kann man sich ein Gebäude ohne Anschluss an die Wasserversorgung nicht mehr vorstellen. Mit der Glasfaser ist es dasselbe.» Er sei sich bewusst, dass jeder Schritt in die Zukunft auch ein Schritt ins Ungewisse sei. «Aber solche Schritte sind nötig, um voranzukommen.»

Eine einmalig günstige Chance

Zynische Lacher erntete Gerhard Glükler von der EKT, als er mit Bezug auf die 1,8 Millionen Franken sagte: «Die Chance auf ein so günstiges, eigenes Netz besteht nur heute.» Was er damit meinte war, dass in den kommenden zwei Jahren auf Gemeindegebiet ohnehin viele Leitungen, Kanäle und Rohre saniert oder neue gelegt werden und daher im gleichen Zug auch gleich Glasfasern für Schönholzerswilen eingelegt werden könnten. Ein separates Verlegen der Kabel zu einem späteren Zeitpunkt wäre viel teurer.

Einige der 90 Stimmberechtigten in der Mehrzweckhalle löcherten den Gemeinderat und die Fachleute dann mit Fragen. Und es wurde der Antrag gestellt, das Geschäft auf die nächste Versammlung zu verschieben, um mehr Zeit zur Entscheidungsfindung zu haben. Dieser Antrag wurde jedoch mit 29 zu 46 Stimmen abgelehnt. Und nachdem auch die von Fredy Oettli spontan einberufene Krisensitzung zur Erarbeitung einer günstigeren Übergangslösung kein Ergebnis brachte, wurde zum Schluss doch über das ursprüngliche Kreditbegehren abgestimmt. Mit positivem Ausgang für die sichtlich erleichterten Fredy Oettli und Ernst Schärer.