Sie legt ihre Puppen zur Seite

ARBON. Das Arboner Puppentheater Marottino hat die letzte Saison eingeläutet. Nach einem Vierteljahrhundert verabschiedet sich die 70jährige Puppenspielerin Dorothee Schlumpf mit einem letzten Winterprogramm.

Luisa Gomringer
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Dorothee Schlumpf schlüpft in die Rolle des Königs aus dem Märchen «Der Froschkönig». (Bild: Andrea Stalder)

Dorothee Schlumpf schlüpft in die Rolle des Königs aus dem Märchen «Der Froschkönig». (Bild: Andrea Stalder)

Damals, 1990, war es das Märchen «Dornröschen», das die Puppenspielerin Dorothee Schlumpf vor ihrem ersten Publikum in Arbon inszenierte und damit das Puppentheater Marottino begründete. Jetzt, 25 Jahre später, steht sie letztmals hinter die Bühne, schlüpft mit ihren Händen in die verschiedenen Puppen und lässt sie zum Leben erwecken.

Alle Figuren selber hergestellt

Die Puppenspielerin ist in Reutlingen geboren und in Stuttgart aufgewachsen. Bevor sie ihre Passion für das Puppentheater entwickelt hatte, arbeitete sie als Gymnasiallehrerin. Doch das Puppenspielen interessierte sie damals schon. So belegte Dorothee Schlumpf Kurse und Seminare, um das Puppentheater-Handwerk zu erlernen. «Dort zeigte man mir, wie man die Bewegungen der Figuren gestalten kann, aber auch die Bauart der Puppen.» Der Kopf besteht aus Plastilin. Mit dem knetartigen Material kann man dann das Gesicht formen. Darüber kommen noch bis sieben Schichten feste Papierfetzen, die dazu dienen, dass die Form erhalten bleibt. Wenn alles getrocknet ist, muss man den Kopf aufschneiden und die Masse rausnehmen. Dann wird das Gesicht noch genauer angemalt und entschieden, was für Kleider die Figur bekommt. «Ich arbeite auf Fernwirkung hin. Da heisst, der Typ der Puppe muss bis in die letzte Reihe erkennbar sein.» Ob Stock-, Stab,- Finger- oder Klappmaulfiguren – Dorothee Schlupf arbeitet etwa 14 Tage an einer Puppe.

Ein Jahr für ein neues Stück

«Es sind vor allem die Figuren, die mich interessieren. Wie sie sind, reden, sich bewegen», sagt die Puppenspielerin. «Das muss man zuerst alles erfinden und viel ausprobieren. Zum Beispiel, ob es technisch überhaupt mit zwei Händen spielbar ist. Wenn dann eine Figur stehen bleiben soll und die andere weg rennt, dann wird es schon schwierig.» So probt Dorothee Schlumpf oft ein ganzes Jahr für ein neues Stück. Doch was genau der Antrieb war, viele Opfer für die Kunst zu erbringen, weiss sie bis heute nicht genau: «Es war einfach ein Bedürfnis.»

Auf Festivals eingeladen

Ihre erfolgreichste Zeit begann acht bis zehn Jahre nach der Eröffnung des Puppentheaters Marottino. Damals spielte sie zum ersten Mal «Die Baumfrau», ein Stück, das viele Menschen begeistert hat. Seither wurde Dorothee Schlumpf zu verschiedenen internationalen Festivals und an Theaterwochen im In- und Ausland eingeladen.

Auf dieser Erfolgswelle schwamm sie bis zur Pensionierung. «Danach wollte ich ein wenig zurückschalten.» Und so beliess sie es in den letzten Jahren bei ihrem Winterprogramm in Arbon.

Früher den Puppen entwachsen

Dorothee Schlumpf empfand das Publikum in Arbon immer als sehr konzentriert. Das hat sich über die Jahre nie geändert. Doch etwas anderes ist ihr im Wandel der Zeit aufgefallen: «Die Kinder hören heutzutage viel früher auf, sich für Puppen zu interessieren, und so kommen die Eltern und Grosseltern oft mit sehr jungen Zuschauern. Das war früher definitiv anders. Da spielte man auch mit zwölf noch mit Puppen.»