Sie holen die Sterne vom Himmel

Ausflug-Serie (13/24): Sternwarte und Planetarium in Kreuzlingen bringen ihren Besuchern das Universum nahe. Dort erlebt man die Planeten zum Greifen nah oder fliegt mit Astronauten durchs All – dank Multimedia.

Gudrun Enders
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Vorführer Joseph Stalder bedient das Teleskop, Redaktorin Gudrun Enders schaut durch. (Bild: Donato Caspari)

Vorführer Joseph Stalder bedient das Teleskop, Redaktorin Gudrun Enders schaut durch. (Bild: Donato Caspari)

KREUZLINGEN. Es surrt und knackt. Joseph Stalder aus Müllheim öffnet per Knopfdruck den Kuppelspalt der Sternwarte Kreuzlingen. Der pensionierte Seklehrer begleitet dort seit 25 Jahren den Blick der Besucher durchs Universum. Eine Lehrerfortbildung 1988 brachte ihn auf den Geschmack. Stalder ist ein versierter Vorführer. Weil er pensioniert ist, übernimmt er meist die Vorführungen am Vormittag.

An diesem Junimorgen allerdings gibt es in der Sternwarte nicht viel zu sehen. Der Jupiter ist noch nicht aufgegangen, die Venus steht zu tief und selbst die Sonne versteckt sich hinter Wolken. «50 000 Objekte haben wir einprogrammiert», sagt Stalder. Diese könnte er mit den drei parallel montierten Teleskopen ansteuern – wäre der Himmel klar.

Sonnenenergie verdampft Auge

Joseph Stalder schildert erst einmal drastisch, wie ungebremste Sonnenenergie dem Auge schadet. Würde man ohne Schutz durch das Teleskop in die Sonne gucken, würde der Augapfel sofort verdampfen. Deshalb wird dank Filter nur ein winziger Bruchteil der Strahlung bis zum Betrachter durchgelassen. Stalder demonstriert das anhand eines Filters, den er vor einen starken Halogenstrahler hält, so dass nur noch der Glühwendel zu sehen ist.

Nach dem Prinzip funktionieren auch die Schutzbrillen, die die Sternwarte vor der Sonnenfinsternis im März verkaufte. «Die Nachfrage war enorm», sagt Stalder. Es klingt überrascht. Die Sternwarte samt Vorführer hatten an dem Tag Hochkonjunktur, statt der erwarteten 150 Besucher kamen doppelt so viele.

Simulation im Planetarium

Da die nächste grössere Sonnenfinsternis noch ein paar Jahrzehnte auf sich warten lässt, simuliert Joseph Stalder die Sonnenfinsternis nun für seinen Besuch der Thurgauer Zeitung im Planetarium. Es heisst Platz nehmen in dem Raum mit der zweiten Kuppel des Gebäudekomplexes. Das Licht geht aus und der Sternenprojektor zeigt den Himmel einer Frühlingsnacht. Wahnsinn. Stalder sagt in die Stille: «Das Funkeln der Sterne schätzen wir Astronomen nicht, das stört beim Beobachten.» Es funkelt aber auch nichts. Denn der Sternenprojektor kann zwar den Sternenhimmel jedes Ortes dieser Welt an jedem beliebigen Tag simulieren – nur immer ohne das Funkeln.

Die Sonnenfinsternis muss Stalder nun live selber einstellen. Dazu stehen ihm Computer, Schaltpult und 25 weitere Projektoren zur Verfügung. Stalder lässt die Planeten über den Himmel wandern, der Mond scheint förmlich durch die Sternennacht zu rasen. Immer wieder taucht er als Sichel auf, schwillt zum Vollmond an, um als Sichel zu verschwinden. Irgendwann hat Stalder die Konstellation des 20. März zurzeit der Sonnenfinsternis erreicht. Er muss in die Trickkiste greifen, damit sich der Mond auch vor und nicht hinter die Sonne schiebt. Ausserdem wird der Sternenprojektor von runden Zahnrädern gleichmässig angetrieben, während sich die Erde auf einer Ellipsenbahn unterschiedlich schnell bewegt, was Stalder in der Simulation ausgleichen muss.

Eigens erstellte Programme

Wer zu bestimmten Zeiten kommt, erlebt Vorführungen, die die Programmgruppe der Astronomischen Vereinigung Kreuzlingen selbst erstellt hat. Es gibt einen «Ausflug mit den Astronauten» für Familien, eine «Reise des kleinen Kometen zur Sonne» für Kinder ab fünf Jahren oder eine «Schatzsuche» mit einem kleinen Helden, der sich am Nachthimmel orientiert. Die Erwachsenenprogramme befassen sich mit dem «Heimatstern Sonne» oder den «Kindern des Alls». Joseph Stalder steht voll hinter der Philosophie dieser Vorführungen: «Unsere Besucher sollen den Sternenhimmel geniessen.»

Mit der angestrebten neuen Technik, zwei Hochleistungsbeamer samt zugehöriger Technik, wird es in den nächsten Jahren mehr Action geben. «Das ist Imax-Kino im Quadrat», sagt Stalder. Dann startet ein Raumschiff im Planetarium vermeintlich durch und fliegt zur Kuppel raus. Stalder freut sich darauf.

Vorführzeiten, Eintrittspreise: www.planetarium-kreuzlingen.ch

Bild: GUDRUN ENDERS

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