Sie hätte nie Schüler geschlagen

ARBON. Magdalene Raas gibt seit dem Jahr 1968 Unterricht an Primar- und Oberstufenschulen. In ihrer Karriere hat sie viele Erfahrungen gesammelt. Den Arboner Schulen erteilt sie ein sehr gutes Zeugnis.

Ralf Rüthemann
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Magdalene Raas korrigiert die Mathematikschularbeiten eines Nachhilfeschülers. (Bild: Ralf Rüthemann)

Magdalene Raas korrigiert die Mathematikschularbeiten eines Nachhilfeschülers. (Bild: Ralf Rüthemann)

«Irgendwann ist es einfach Zeit, und jetzt hat es auch genügend Lehrkräfte», begründet Magdalene Raas ihren Entscheid, im Sommer mit der Lehrertätigkeit aufzuhören. «Ich bin ja ohnehin schon einige Jahre über dem Pensionierungsalter.» Sie hat in den letzten drei Jahren hauptsächlich Nachhilfeunterricht gegeben, nachdem sie wegen Lehrermangels von der Oberstufenschule in Arbon angefragt worden war. Eine Klasse hat sie aber doch noch unterrichtet, nämlich die Einführungsklasse für Fremdsprachige, die im Jahr 2011 in Arbon entstanden ist. «Diese Erfahrung in der Endphase meiner Karriere war eine der wertvollsten überhaupt.» Es sei eine interessante Herausforderung gewesen, Schüler zu unterrichten, die weder schriftlich noch mündlich mit ihr hätten kommunizieren können. «So bleibt man stets fit im Kopf.»

«Das ist einfach entwürdigend»

Aufgewachsen ist Frau Raas in Mönchengladbach, wo sie ihr Abitur machte. Die Lehrerausbildung absolvierte sie in Köln. «Damals herrschte Lehrermangel. Wir waren fast gezwungen, uns in allen Fächern ausbilden zu lassen.» Sie wurde sozusagen eine Allroundlehrerin. Lediglich im Sport-, Werk- und Hauswirtschaftsunterricht ist sie nie vor einer Schulklasse gestanden.

Im Jahr 1968 begann Magdalene Raas ihre Tätigkeit als Lehrerin. «In Deutschland war es damals noch erlaubt, die Schüler zu schlagen.» Zu diesem Mittel griff sie aber nie. «Ich fand es schon damals entwürdigend. So etwas hätte ich nie im Leben gemacht. Zwei Jahre später wurde es dann endlich verboten.»

Zweites Ziel: Medizinstudium

Da Frau Raas' Mann Schweizer ist, zog sie im Jahr 1983 mit ihm nach Luzern. «Neun Jahre später landeten wir dann in St. Gallen. Ich gab zunächst in Gossau Unterricht, jetzt bin ich seit neun Jahren in Arbon tätig.»

Nebst dem Lehrerberuf verfolgte sie ein weiteres Ziel: «Ich wollte Medizin studieren und hielt mir dies lange offen.» Der Lehrerberuf gefiel ihr aber so gut, dass sie den alten Traum irgendwann nicht mehr verfolgte. Auch heute ist es ihr noch nicht verleidet: «Vielleicht liegt es an der Gelassenheit des Alters, dass ich immer noch gerne unterrichte.»

Nach 20 Jahren wieder getroffen

In all den Jahren als Primar- und Oberstufenlehrerin hat sie viel erlebt: «Es gab immer Höhepunkte. So zum Beispiel, wenn ich den Lernerfolg meiner Schüler beobachten konnte.» Es habe auch viele witzige Momente gegeben: Als sie von einem ehemaligen Schüler in Deutschland wiedererkannt wurde, den sie schon 20 Jahre nicht mehr gesehen hatte. «Oder lustig war auch, als ich in St. Gallen durch die Gassen ging und plötzlich eine Frau aus einem Geschäft gerannt kam. Sie entschuldigte sich zutiefst dafür, dass sie immer so frech gewesen sei. Dabei hatte ich es gar nie so schlimm empfunden.»

«Klima war hervorragend»

Frau Raas hat in Arbon besonders gute Erfahrungen gemacht. Sie lobt die Schulen in allen Tönen: «Das Klima unter den Lehrern wie auch in der Klasse war wirklich immer hervorragend. Die Jugendlichen sind manchmal ganz schön keck, aber sie haben den Respekt mir gegenüber nie verloren. Es wird so oft über die Jugendlichen geschimpft, dabei habe ich so viele tolle Erfahrungen mit ihnen gemacht.»

Reisen und Geschichte

Ab diesem Sommer, wenn Frau Raas definitiv in den Ruhestand geht, möchte sie noch etwas reisen. «Ein weiteres Hobby ist die Geschichte. Ich habe mich seit dem Geschichtsunterricht im Gymnasium ausgiebig mit der Vergangenheit auseinandergesetzt.» Die Geschichte habe ihr erklärt, warum ihr Vater damals mit eiserner Miene aus dem Krieg nach Hause gekommen war.